"So hoch stand das Wasser zuletzt 2003"

Frankfurt (dapd-hes). Von der Untermainbrücke blickten die Passanten auf eine weite Flusslandschaft. Die Liegewiese vor dem Maincafé, wo sich im Sommer die Sonnenhungrigen tummeln, war komplett von den braunen Wassermassen überflutet. Auch der sonst so stark von Autos frequentierte Untermainkai war am Mittwoch gesperrt.

Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk haben seit Dienstagnachmittag etwa 200 Tonnen Sandsäcke am Römerberg und ein Stück flussaufwärts an der Gerbermühle gestapelt, um die Wassermassen abzuhalten. Am Mainkai sollen stabile Stahlrahmenwände die Anwohner vor dem Hochwasser schützen.

"So hoch stand das Wasser zuletzt 2003", sagt Karin Kaiser von der Caritas, die am Mainkai 40 residiert. "Damals sind die Enten und Schwäne direkt an meinem Fenster vorbei geschwommen", erinnert sich die Caritas-Mitarbeiterin. Am 5. Januar 2003 hatte der Pegelstand am Osthafen 5,19 Meter angezeigt. Noch höher stieg das Wasser in den vergangenen 40 Jahren nur am 30. Januar 1995 (5,47 Meter). So schlimm wird es diesmal nicht kommen, auch wenn der Deutsche Wetterdienst teils ergiebigen Dauerregen ankündigt, und das Hochwasser zunächst weiter steigen soll.

Am Mittwochmittag zeigte der Pegel am Osthafen knapp 4,50 Meter an. Bis Freitagmittag könnte er auf fünf Meter ansteigen. Die Scheitelwelle des Hochwassers hatte in der Nacht zu Mittwoch Würzburg erreicht. "Bis sie in Frankfurt angekommen ist, dauert es rund 33 Stunden", erläuterte ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Der Pegel stieg bis zum Nachmittag auf knapp 4,60 Meter an. Die Scheitelwelle des Hochwassers mit einem Pegelstand bis zu 4,90 Metern wurde in der Nacht auf den heutigen Donnerstag zwischen 0 und 3 Uhr erwartet. Die Touristen auf dem Römerberg, der unmittelbar hinter den Schutzwänden beginnt, werden von dem Hochwasser wohl vermutlich relativ wenig mitbekommen.

Uferstraßen des Mains in der Nähe des Römerbergs waren am Mittwoch bereits überschwemmt und gesperrt. Wohnhäuser waren bislang nicht betroffen. "Die Hochwasserlage ist weiter angespannt, aber nicht Besorgnis erregend", sagte ein Sprecher der Stadt.

Die Feuerwehr hat unterdessen 17 Beobachtungspunkte entlang des Mains bezogen, um die Hochwasserlage im Blick zu behalten. Der Direktor der Branddirektion, Reinhard Ries, erläuterte, die errichteten Dämme seien auf einen Pegelstand von fünf Metern ausgelegt. Ordnungsdezernent Volker Stein sieht derzeit "keine dramatische Entwicklung".

Nach Einschätzung der Feuerwehr wird es Tage dauern, bis die Pegelstände zurückgehen. Mindestens ebenso lange bleibt auf dem Main der gesamte Schiffsverkehr eingestellt.

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