Im Herzen der Metropole klafft ein Loch

Frankfurt. Im Herzen der Stadt klafft ein Loch so groß wie ein Fußballfeld: Zwischen Römer, Dom und Schirn Kunsthalle wird die 1944 bei einem Bombenangriff zerstörte Altstadt wieder aufgebaut.

Die Arbeiten sind ein Jahr nach der Grundsteinlegung weitgehend im Plan. Das für die Stadt rund 130 Millionen Euro teure Projekt soll Mitte 2016 fertig sein. Die schon zum Weihnachtsmarkt geplante Wiedereröffnung der Tiefgarage am Römer verzögere sich voraussichtlich bis April, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert. Der Grund: Es seien nicht mehr vorschriftsgemäß verlegte Kabel und Leitungen entdeckt worden.

Derzeit rollen schon die Bagger über den Archäologischen Garten zwischen Dom und Schirn. Dafür wurden die historischen Gebäudereste mit Vlies bezogen, das Loch mit einem Sand-Kies-Gemisch aufgefüllt und mit einer Betonplatte abgedichtet. Rund 100 sogenannte Gründungspfähle werden derzeit gesetzt – 66 für das Stadthaus und der Rest für die südliche Häuserzeile, wie Projektmanager Patrik Brummermann von der DomRömer GmbH erklärt, die im Auftrag der Stadt die Planung und Bauarbeiten koordiniert. Dafür werden kreisförmige Löcher bis zu 35 Meter tief in den Boden gebohrt und mit Beton verfüllt. Darauf werden dann die Häuser gebaut, die Pfähle sind später aber nicht mehr zu sehen.

15 Rekonstruktionen

Im März soll die Betonplatte wieder entfernt und die alten Steine freigelegt werden. Die vor dem Dom entdeckten Reste des überdachten Verbindungswegs zwischen Königspfalz und Kirche aus der karolingischen Zeit samt mittelalterlichen Brunnen werden erhalten.

Schon fertig sind 90 Prozent der Keller und Technikräume für die Altstadthäuser – inklusive Bodenplatte. "Die sieht momentan noch aus wie ein Schweizer Käse", sagt Brummermann. So könnten die Häuser flexibel eingesetzt werden.

Auf dem Altstadt-Areal werden 15 Häuser rekonstruiert, darunter das 1350 als Zunfthaus der Metzger gebaute und alle zwei Jahre mit Ochsenblut gestrichene "Rote Haus" sowie die "Goldene Waage". Das 1619 entstandene Fachwerkhaus gilt mit seinen Sälen als ein Vorzeigehaus der Renaissance. Auch der barocke "Hof zum Rebstock", in dem der Dichter Friedrich Stoltze (1816-1891) geboren wurde und der "Junge Esslinger", in dem Goethes Tante wohnte, werden rekonstruiert.

BI "SOS Dompanorama"

Die anderen 20 Häuser werden ganz neu gebaut. Entstehen soll ein gemischtes Viertel aus Wohnungen, Geschäften und Gastronomie. Nur die Pläne für ein Hotel an der Braubachstraße sind vom Tisch, wie Gellert sagt. Ein ernsthafter Investor sei nicht gefunden worden.

Der Protest gegen das Altstadt-Projekt, das manche als Disneyland verspotten, ist leiser geworden, aber noch nicht verstummt. Die Bürgerinitiative "SOS Dompanorama" sammelt weiter Unterschriften gegen das umstrittene Stadthaus. "Vielen Frankfurtern ist noch gar nicht klar, was da für ein Monstrum direkt nur sechs Meter vor den Dom kommt", sagt der Gründer der Initiative, Ulrich-Irato Hildmann. Der Neubau für kulturelle Zwecke entsteht über dem Archäologischen Garten, mit dem Rohbau soll im Mai begonnen werden. Bezahlt wird das umstrittene Gebäude teilweise über den Verkauf rekonstruierter Häuser, die die Stadt ursprünglich behalten wollte. Jürgen Aha vom Altstadtforum hat sich dagegen mit dem Stadthaus abgefunden: "Die Halbwertzeit solcher Gebäude sinkt ja. Ich gehe davon aus, dass es in 25 Jahren wieder abgerissen wird.

" Seine Kritik: "Am Krönungsweg drohen immer noch ein paar Architektur-Grausamkeiten." Die Fassaden der acht Häuser, die in modernem Stil geplant seien, nennt er "völlig gesichtslos".

Wie die Bauarbeiten kommt auch der Verkauf der Häuser voran. Die Bauanträge für die Häuser werden voraussichtlich im Sommer eingereicht und dann Ende 2013/Anfang 2014 im Süden begonnen. Rund 650 Kaufanfragen liegen der DomRömer GmbH derzeit vor. Sie gelten für die 63 Wohnungen in 18 Häusern und für die 6 Stadthäuser, die noch zu kaufen sind. Im Februar soll der Verkauf beginnen. Erst dann stehen die Quadratmeterpreise fest. "Das wird derzeit noch mit der Stadt abgestimmt", sagt Brummermann.

Ira Schaible, dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare