Sektenprozess

Im Sack eingeschnürt: Staatsanwaltschaft klagt Mutter von getötetem Sohn (4) an

  • Jan Max Gepperth
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Der vierjährige Jan H. aus Hanau wird in einem zugeschnürten Sack ermordet. Die Staatsanwaltschaft hat nun eine drastische Anklage gegen die Mutter erhoben.

  • Vor 34 Jahren wird der damals vierjährige Jan H. ermordet.
  • Die Staatsanwaltschaft Hanau erhebt nun eine drastische Anklage.
  • Die Mutter Claudia H. soll am Mord des eigenen Sohnes beteiligt gewesen sein.

Hanau - Die Staatsanwaltschaft Hanau hat gegen die 60-jährige Claudia H., Mutter des vor fast 34 Jahren gestorbenen Jan H., wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes Anklage bei der Schwurgerichtskammer am Landgericht Hanau erhoben. Ursprünglich war die Mutter des Opfers wegen Beihilfe zum Mord festgenommen worden. Damit erhebt die Staatsanwaltschaft Hanau eine drastischere Anklage als zunächst angenommen.

Der Angeschuldigten wird vorgeworfen, am 17. August 1988 ihren damals vierjährigen Sohn aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben, in dem sie ihn in ein Badezimmer in einem Sack, den sie kopfüber verschnürt hatte, zum Mittagsschlaf gelegt und ihn in die Obhut der 73-jährigen Sylvia D. aus Hanau* gegeben hat, die ihrem Sohn nach dem Leben getrachtet haben soll.

Mord-Motiv: Jan H. aus Hanau soll „Reinkarnation Hitlers“ gewesen sein

In der Pressemitteilung von Oberstaatsanwalt Dominik Mies heißt es: „Dies soll die Angeschuldigte getan haben, da sie von der 73-Jährigen davon überzeugt worden sein soll, dass ihr Sohn die „Reinkarnation Hitlers, ein Machtsadist und von den Dunklen besessen“ sei, weshalb der Verdacht besteht, dass die 60-Jährige dessen Tod billigend in Kauf genommen hat.“

Oberstaatsanwalt Dominik Mies hatte im Prozess um die Ermordung des vierjährigen Jan H. eine Kinder-Schaufensterpuppe und einen Sack zur Veranschaulichung des Tathergangs mitgeführt.

Sylvia D. wurde am 24. September 2020 von der Schwurgerichtskammer am Landgericht Hanau wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt* und befindet sich aufgrund eines Haftbefehls vom selben Tage in einer Justizvollzugsanstalt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da die 73-Jährige Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt hat.

Sektenprozess: Claudia H. am Tag nach Urteilsverkündung festgenommen

Claudia H. wurde bereits am 25. September*, einen Tag nach der Verkündung des Urteils gegen D., in Leipzig festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Der Haftbefehl wurde wegen des dringenden Tatverdachts der Beihilfe zum Mord erlassen. Das Landgericht Hanau hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Claudia H. zu entscheiden. (Von Jan Max Gepperth) *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Thorsten Becker

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