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Ist das Actibump-System rechtlich zulässig? Die Stadt Hanau wartet noch auf eine Antwort der Aufsichtsbehörde.

Hanau

Fußgängerzone statt Raser-Falle in der Hanauer Innenstadt

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Im Kampf gegen Poser sucht die Stadt nach Alternativen für das umstrittene Actibump-System. In der Langstraße könnte ein Park entstehen.

Sie lassen die Motoren ihrer aufgemotzten Autos aufheulen, blasen jede Menge Abgase in die Luft und beschleunigen auf kurzen Strecken schon mal auf weit mehr als doppelt so viel wie die erlaubten 20 oder 30 Stundenkilometer: Hanau hat in der Innenstadt ein Problem mit Rasern und Posern, besonders in der Langstraße, die zentral zwischen dem Freiheitsplatz und dem Marktplatz liegt. Etwa jeder Zehnte fährt hier schneller, teils viel schneller als 20.

Deshalb wollte die Stadt hier das sogenannte Actibump-System einführen, das bei zu hohem Tempo in den Asphalt eingebaute Stahlplatten absenkt und so eine Art künstliches Schlagloch erzeugt. Doch ob die umstrittene Methode rechtlich zulässig ist, ist unklar. Die Stadt wartet nach eigenen Angaben weiter auf eine offizielle Antwort der Aufsichtsbehörde, des Regierungspräsidiums Darmstadt. Daher gibt es jetzt einen anderen Plan: Die Langstraße soll zur Fußgängerzone werden, im Bereich zwischen der Steinheimer Straße und der Hirschstraße.

Anwohner äußern sich positiv

Anwohner sowie dort angesiedelte Händler und Dienstleister hätten sich positiv über die Idee geäußert, die Ende Oktober bei einer Versammlung diskutiert werden soll, sagt Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP). Eine Fußgängerzone, die in ein paar Monaten zunächst in einem Verkehrsversuch erprobt werden soll, bietet seiner Ansicht nach viele Vorteile. Sie könne zum Beispiel die Aufenthaltsqualität, Sicherheit und das Klima verbessern – Forderungen, die von Bürgern beim „Zukunftswochenende“ sehr häufig gestellt wurden, auch weil zum Beispiel der Freiheitsplatz und viele andere Bereiche fast komplett zubetoniert sind.

Wenn die Langstraße eine weitgehend autofreie Zone – Lieferverkehr soll erlaubt bleiben – wird, könnte der städtische Parkplatz in der Nähe der Deutschen Bank aufgelöst werden, zu Gunsten eines Parks oder Wohnhauses. Versenkbare Poller, die Anlieger und Rettungskräfte runterfahren lassen können, sollen die Fußgängerzone sichern. Wenn der Verkehr auf die Langstraße verzichten muss, wäre das nach Ansicht des Stadtrats kein Problem, auch weil sie insgesamt nicht so stark genutzt werde und der City-Ring Alternativen biete.

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Actibump, so Morlock, helfe nicht gegen die vielen Parkverstöße in der Gegend – allein in diesem Jahr seien es bereits 2000 gewesen. Das System ist jedoch nicht ad acta gelegt. Derzeit prüft der städtische Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service, an welcher anderen Stelle es in Frage kommt und getestet werden könnte.

Bedenken gegen das etwa 50 000 Euro teure Actibump, das lediglich ein Drittel der Kosten eines stationären Blitzers verursache und mit Radarmessungen arbeitet, hatte der ADAC angemeldet. Er warnte etwa vor möglichen plötzlichen Bremsmanövern. Die Stadt entgegnete unter anderem, dass sich das System in Tschechien und Schweden bewährt habe.

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