Ermittlungen in Bayern

Anschlag in Hanau: Auffällige Parallelen zum Attentat in München - Staatsanwalt ermittelt

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Der Anschlag von Hanau weist Parallelen zum Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München auf. Auch das Verhalten der Behörden wirft Fragen auf.

  • Der Attentäter von Hanau lebte vor dem Anschlag für fünf Jahre in München.
  • Auch während des Terroranschlags am Olympia-Einkaufszentrum lebte Tobias R. dort.
  • Das Verhalten der Behörden wirft Fragen auf.

Hanau – Das Handeln des Attentäters von Hanau* weist Parallelen zu einem Terrorakt in München auf. Die Behörden ermitteln zu den Zusammenhängen, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ).

Demnach bestätigte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft, dass der spätere Attentäter von 2014 bis 2019 in der bayrischen Landeshauptstadt lebte. Zwar wollte ein Staatsanwalt keine Details zu den Ermittlungen nennen, aber die „Hintergründe“ des rassistischen Anschlags in Hanau* seien Gegenstand dieser Ermittlungen – so wohl auch die Zeit des Attentäters in München.

Attentäter von Hanau geriet in München mit Polizei in Berührung

So lebte der Mann aus Hanau nicht nur in München, er kam dort auch zweimal mit der Polizei in Berührung. In einem Fall verdächtigten die Ermittler ihn, einen Brand gelegt zu haben. Dabei ging in einem Wald ein Stapel pornografischer Magazine in Flammen auf. Außerdem wurde gegen den Attentäter wegen des Verdachts des Drogenschmuggels ermittelt. Zu den Zusammenhängen wollten sich die Behörden auf Anfrage der SZ nicht äußern.

Dennoch wird klar, dass es auffällige Parallelen zwischen dem Täter von Hanau und dem Täter von München gibt. Bei dem Anschlag in München tötete ein 18-jähriger Deutsch-Iraner neun Menschen. In München wie in Hanau waren die Täter von Hass auf eingewanderte Menschen und deren Nachkommen getrieben. Beide Täter hinterließen ein selbst verfasste „Manifeste“, in denen sie Vernichtungsfantasien und Verschwörungstheorien thematisierte. Beide hegten wohl auch einen Hass auf Frauen und nahmen sich nach dem Anschlag das Leben. Ebenfalls wurden beide Täter in psychiatrischen Kliniken behandelt und absolvierten vor ihren Taten Schießtrainings. Womöglich plante auch der Täter von Hanau seine Tat langfristig.

Attentäters von Hanau nahm seine Waffen mit nach München

Diese Schießtrainings absolvierte der Täter von Hanau zumindest zum Teil in München, bei der „Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft München 1406“. Dort hat er nach Angaben von Mitgliedern gegenüber der SZ mit einer Sportpistole geschossen. Bei der Schützengesellschaft ging man davon aus, dass der spätere Attentäter seine Waffen in Hanau gelassen habe. Diese hatte er allerdings nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ sehr wohl nach München mitgenommen. Dort wurde 2018 auch sein Waffentresor kontrolliert.

Nicht beanstandet wurde dabei offenbar, ob der Attentäter von Hanau in München gemeldet war. Denn das war er nicht. Die Behörden im Main-Kinzig-Kreis kommunizierten mit ihm über das Thema und baten ihn, sich in München zu melden. Dies geschah aber zu keiner Zeit. Die Polizei in München und die Behörden im Main-Kinzig-Kreis waren darüber informiert, dass ein Waffenbesitzer unangemeldet in München wohnte, unternahmen aber nichts.

Kritik an Behörden reißt nach Anschlag in Hanau nicht ab

Ein weitere von vielen Kritikpunkten, wie sie die Hinterbliebenen des Anschlags von Hanau äußern. Die Grünen wollen etwas derartig künftig verhindern. Informationen zur Aufbewahrung von Waffen und Lokalisierung der Besitzer sollen gesetzlich festgeschrieben werden. Unklar ist, ob dadurch der Anschlag von Hanau und der Tod von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov hätte verhindert werden können. Wahrscheinlich wird der Vorgang aber Teil der Aufklärungsarbeit der „Initiative 19. Februar“ sein. (Marcel Richters) *op-online.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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