Gezeichnete Helden international gefragt

Frankfurt (skh). Sie heißen Astro-Boy oder Son-Goku, und kaum ein Kind kennt sie nicht, die japanischen Comic-Helden. Gezeichnet als Manga oder in animierten Fil-men, kurz Anime, haben sie international Kultstatus.

Grund genug für das Museum für Angewandte Kunst (MAK), in enger Kooperation mit dem Deutschen Filmmuseum das bundesweit erste interdisziplinäre Ausstellungsprojekt rund um die vielfältigen Facetten der Manga- und Anime-Kultur zu starten. "Lange Zeit waren Samurai und Geisha in Europa das Symbol für Japan", schilderte die japanische Vizekonsulin Chie Onishi während einer Pressekonferenz im Filmmuseum anlässlich der Eröffnung am Montag. Heute machen vor allem Zeichenfiguren mit japanischer Tradition, Kultur, Lebensstil und Denkweise bekannt, und selbst Japaner sind von diesem weltweiten Erfolg überrascht. Rund 40 Prozent aller in Japan erscheinenden Bücher sind Mangas, dabei waren Mangas bis vor 40 Jahren in Japan ausschließlich ein Kinderphänomen, schilderte der renommierte Mangazeichner Shiriagari Kotobuki. Heute ist es ein gesellschaftliches Phänomen, und die Anzahl der so genannten erwachsenen Otaku, die etwa während U-Bahnfahrten tief in die Zeichenwelten eintauchen, sei gewaltig. Seit den 1990er- Jahren erobern die gezeichneten Superhelden in zunehmender Geschwindigkeit auch die deutschen Kinderzimmer. Kotobuki, der seinen Beruf als Grafiker bei der japanischen Brauerei Kirin aufgab, um Mangas zu zeichnen, hat in einem weiteren Entwicklungsschritt die begrenze Dimension des Comicformats verlassen.

Für die Ausstellung "Mangamania" im MAK erarbeitet er vor Ort einen begehbaren Manga-Raum. Noch ist die Installation in der Entwicklung, und weitere schwarze Tuschefiguren finden auf der weißen Baumwollbahn ihren Platz, bevor im Innenraum Videoprojektionen hinzukommen. Gemeinsam mit Kotobuki repräsentieren Nara Yoshitomo und Tabaimo den gegenwärtigen Stil ihrer Kunstform.

Den zeitgenössischen Interpretationen haben die Ausstellungsmacher eine umfangreiche historische Perspektive zur Seite gestellt. Erste Manga-Elemente sind bereits in der japanischen Malerei und Holzschnittkunst des späten 18. Jahrhunderts zu finden. So lassen sich in der gegenwärtigen Bildersprache Motive und Symbolik wiederfinden, wie sie von Katsushika Hokasi oder Utagawa Kuniyoshi bereits Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt wurden. Als Unterhaltung und Gesellschaftskritik oder auch für Kriegspropaganda wurde gezeichnet. Stets ohne viel Worte. Und so sprechen die bunten und detailgetreuen Bilder eines 1894 entstanden Holzschnittes eine deutliche Sprache zum chinesisch-japanischen-Krieg. Entstand diese Darstellung speziell für eine Kinderzeitschrift, sind heute Mangas auf alle Alters- und Zielgruppen zugeschnitten zu haben.

Eine in die Ausstellung integrierte Leseecke lädt zum Schmökern ein und bietet ein umfassendes Angebot aktueller japanischer Comics in deutscher Übersetzung. Die Ausstellung enthält, wie Kurator Stephan Graf von der Schulenburg sagt, viele Raritäten und Blätter, die bereits vor mehr als hundert Jahren nach Europa gelangten. Auch Figuren und Merchandise-Artikel werden in großer Breite gezeigt, während "Maneki-Neko", die winkende Glückskatze, unermüdlich die Pfote schwingt. Viele Besucher soll das Glückssymbol bescheren. Und wer von Mangas noch nicht genug hat, findet deren bewegte Pendants im benachbarten Filmmuseum "Anime! – High Art – Pop Cultur". Bereits in den 1970er-Jahren flimmerten mit "Heidi", "Biene Maja" oder "Wicki und den starken Männern" Literaturklassiker, made in japanischen Filmstudios, über die Fernsehschirme. Heute sind die gezeichneten Helden aus Kino, Werbung oder Computerspielen nicht mehr wegzudenken. Anhand von Skizzen, 3D-Objekten, aktiven Spielkonsolen, "Cels" – durchsichtige Animationsfolien – und Ausschnitten werden die einzelnen Gattungen wie "Shojo Anime" für Mädchen, Fantasy-Anime oder Zukunftsvisionen gezeigt.

Ergänzend zur Ausstellung des Filmmuseums findet eine Filmschau statt, die im März mit dem Oscarprämierten Film "Chihiros Reise ins Zauberland" beginnt. Im Rahmen des umfassenden Begleitprogramms "Frankfurt Superflat 2008" widmet sich das Architekturmuseum ab März mit "Neo Tokyo3" der Architektur in Manga und Anime. Und das Museum für Moderne Kunst präsentiert ab September eine erste europäische Werkschau des Künstlers Takashi Murakami. Zudem begleiten Diskussionen und Vorträge die Ausstellungen. Im MAK wird "Mangamania" bis 25. Mai gezeigt während die Anime im Filmmuseum bis 3. August zu sehen sind. Bereits vor der Eröffnung erfuhr die Ausstellungskooperation internationale Nachfrage, und so stehen Louisiana und Los Angeles als nächste Ausstellungsorte fest. Weitere Infos im Internet.

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