Im Frankfurter Bahnhofsviertel öffnen sich die Türen

Frankfurt (dpa). Schon im Morgengrauen ist eine Putzkolonne mit Kehrmaschinen und Hochdruckreiniger unterwegs. Bevor die Pendler vom Hauptbahnhof in ihre Bürotürme streben, werden jeden Tag im Rotlicht- und Drogenviertel die oft traurigen Überreste der Nacht weggekehrt.

Seit einigen Jahren bemüht sich die Stadt intensiv um eine Belebung des Bahnhofsviertels. Wohnen, Arbeiten und sich Amüsieren soll wieder möglich werden. Die Kaiserstraße, der alte Prachtboulevard der Stadt, teilt das Viertel. Südlich davon geht es sehr bunt und lebhaft zu. Nördlich davon herrscht dagegen an manchen Ecken das nackte Elend - auf der Straße kollabierende Junkies und Alkoholsüchtige inmitten der Bordelle. Auch die Kriminalität bleibt ein Dauerbrenner.

Beschwerden von Geschäftsleuten, Passanten, Anwohnern und den Touristen der zahlreichen Hotels gehören deshalb zum Alltag. Seit im vergangenen Herbst Oberbürgermeisterin Petra Roth die Zustände im Viertel zur Chefinnensache erklärt hat, gibt es dort eine eigene Säuberungsaktion. Das kostet die Stadt jährlich 200 000 Euro, wie Peter Postleb, Leiter der "Stabsstelle Sauberes Frankfurt", berichtet. Dem Wasser in den Hochdruckreinigern, die täglich die gern als Urinal missbrauchte Fassade des Bahnhofsgebäudes säubern, wird sogar ein Duftstoff beigemischt.

Ordnungsamtsleiter hat Pläne

Jetzt wollen Ordnungsamt und Polizeipräsidium gemeinsam das Viertel noch stärker unter Beobachtung nehmen und ein Konzept vorlegen. "Es wird sich in den nächsten Wochen und Monaten was tun", verspricht der neue Leiter des Frankfurter Ordnungsamts, Jörg Bannach. Details sollen demnächst verkündet werden.

Mit seinen großbürgerlichen Gründerzeitbauten gehörte das Bahnhofsviertel einst zu der besten Wohnbezirken. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen viele Altbauten - Bordelle zogen ein. Knapp 20 "Freudenhäuser" stehen dicht an dicht nördlich der Kaiserstraße. Schätzungsweise 1000 Prostituierte arbeiten dort. Zugleich ist die Zahl der Bewohner im Viertel von einst 11 000 auf rund 2000 geschrumpft. Um das Bahnhofsviertel mit einen denkmalgeschützten Altbauetagen auch wieder als Wohnort attraktiv zu machen, hat die Stadt vor fünf Jahren ein Zehn-Millionen-Euro- Sonderprogramm aufgelegt.

Inzwischen erstrahlen einige Fassaden im neuen Glanz. Die Kaiserstraße, die unmittelbar ins Bankenviertel übergeht, ist auch in Bahnhofsnähe wieder zu einer guten Adresse geworden. Südlich davon findet sich in türkischen, indischen oder marokkanischen Läden und Restaurants eine multikulturelle Vielfalt, die sich hinter Berlin nicht verstecken muss.

Nicht nur Restaurants, auch trendige Shops und Szenelokale entstehen. Im September eröffnet Ata Macias, der als DJ Ata den bundesweit bekannten Club "Robert Johnson" in Offenbach betreibt, ein Café. Abends wird dann das "Plank" in eine Bar umfunktioniert, in der Künstler ihre Lieblingsscheiben auflegen wollen.

Das entspricht nicht unbedingt dem Musikgeschmack von Schumacher Wolfgang Lenz, dessen Familienbetrieb seit dem Jahr 1941 im Viertel ansässig ist. Doch der Handwerker, der seit Jahren für das Viertel kämpft, freut sich in der Münchener Straße über jede Belebung. "Es gibt gute Fortschritte", sagt der 68-Jährige. Mit dem Künstler Oskar Mahler hat er in seinem Laden ein einzigartiges Hammermuseum eingerichtet. Die "Bahnhofsviertelnacht", zum dritten Mal organisiert, sieht er dabei als große Chance.

Dass sich ein Besuch im Viertel lohnt, davon können sich die Besucher am Donnerstag auf rund 30 Stationen überzeugen. Tausende werden wohl kommen. Und viele dürften dabei sein, die ansonsten einen Bogen um das Viertel machen. Die Bahnhofsviertelnacht dauert von 19 bis 23 Uhr; Programm gibt es an rund 30 Stationen.

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