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Santiago trägt meist Mundschutz und hat seinen Assitenzhund Cooper dabei. 

Diskriminierung

Mobbing an Frankfurt University of Applied Sciences: Student mit Asperger erhebt schwere Vorwürfe

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Ein Informatik-Student in Frankfurt wirft Dozenten und Kommilitonen an der Frankfurt University of Applied Sciences Diskriminierung vor.

Frankfurt - Santiago trägt, wenn er das Haus verlässt, fast immer einen Mundschutz. An diesem Tag ist es einer aus schwarzem Stoff, der auf den ersten Blick wie ein Mode-Accessoire aussieht. Er dient aber als Schutz, weil er sich schnell mit Krankheiten ansteckt und sehr empfindlich ist, was Gerüche angeht. „Zigarettenrauch kann bei mir Migräne und Erbrechen auslösen“, sagt Santiago. Fast immer an seiner Seite ist sein Assistenzhund Cooper, der seinen emotionalen Stress reduzieren soll. 

Denn der Informatik-Student an der Frankfurt University of Applied Sciences hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, die Interaktion mit anderen Menschen oft schwierig macht. „Mein ganzes Leben werde ich schon wegen meiner Behinderung beleidigt, ausgelacht, angegriffen und gemobbt“, sagt der 26-Jährige. Nun erhebt er zudem schwere Diskriminierungs-Vorwürfe gegenüber seiner Hochschule.

University of Applied Sciences: Student wird wegen Asperger gemobbt

Für das Studium ist der Kolumbianer im Oktober 2016 nach Frankfurt gezogen. „Es hat mich nicht überrascht, dass ich von Mit-Studierenden gemobbt werde. Viel überraschender und enttäuschender ist aber, dass ich auch von Dozenten sowie Mitarbeitern der Prüfungskommission seit Beginn des Studiums diskriminiert werde“, so Santiago. Das habe nun Auswirkungen auf seinen Abschluss.

„Ich habe gerade erfahren, dass ich durch die Bachelorarbeit gefallen bin, weil meine Krankmeldungen nicht akzeptiert worden sind“, sagt er. Laut psychologischem Gutachten, das der FR vorliegt, ist er überdurchschnittlich intelligent. In einem zweiten Gutachten seines Psychotherapeuten steht jedoch auch: „Aufgrund der Schwierigkeiten des Patienten, die seine Leistungsfähigkeit im Hochschulkontext ohne spezifische Hilfen stark einschränken, empfehle ich im Rahmen des Nachteilsausgleiches eine Verlängerung der Bearbeitungszeit bei Klausuren und Hausarbeiten etc. um 50 Prozent.“

Frankfurt University of Applied Sciences: Student mit Asperger reicht Widerspruch ein

Doch sein erster Antrag auf Nachteilsausgleich und somit eine Verlängerung der Bearbeitungszeit seiner Bachelorarbeit wurde abgelehnt. „Mir wurde von der Prüfungskommission gesagt, dass ich den Nachteilsausgleich nicht brauche, weil meine Noten zu gut dafür seien. Eigentlich werde ich für meine gute akademische Leistung bestraft“, sagt er.

Hilfe bekommen
Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten haben einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Nachteilsausgleiche im Studium und bei Prüfungen.

Jede Hochschule hat eine eigene Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranke. Zudem gibt es die psychosoziale Beratung des Studentenwerks. Ansprechpartnerin ist Nina Müller, Campus Westend, Hörsaalgebäude, EG, Tel: 069/798-34905, E-Mail: psychosozialberatung@studentenwerkfrankfurt.de 

Die Frankfurt University of Applied Sciences schreibt: „Ein erster Antrag auf eine verlängerte Bearbeitungszeit der Bachelorarbeit wurde abgelehnt, da der Prüfungsausschuss nach Würdigung des vorgelegten ärztlichen Gutachtens zu der Auffassung kam, die Beeinträchtigung des Studierenden betreffe wesentlich seine Leistungsfähigkeit in Lerngruppen, Vorlesungen und Leistungen im Team, nicht aber seine Fähigkeit, allein und selbstständig seine Bachelorarbeit zu verfassen.“

Nachdem der Studierende Widerspruch eingelegt habe, habe er im Rahmen des Nachteilsausgleiches eine Bearbeitungszeit-Verlängerung um 50 Prozent zugesprochen bekommen: dreizehneinhalb Wochen anstelle der vorgesehenen neun Wochen.

 Ärzte schreiben Studierende meist nur für eine Woche krank - selbst bei Asperger

Die Ausführungen des Studierenden, er werde für seine gute akademische Leistung „bestraft“, seien veraltet und nicht zutreffend, teilt die Hochschule mit. Und: „Während der Bearbeitung der Bachelorarbeit wurde seine Frist wegen einer akuten Erkrankung abermals um zwei Wochen für die Dauer dieser Krankheit verlängert.“ Ein dritter Verlängerungsantrag konnte laut der Hochschule nicht mehr akzeptiert werden, da die Prüfungsordnung nur eine einmalige Verlängerung der Bearbeitungsfrist mit Krankmeldung zulasse.

Die Frankfurt University räumt ein, dass die „einmalige Krankmeldung“, die für alle Studierenden gelte, ein strukturelles Problem sei, das an der Hochschule in der Diskussion sei. „Es gibt in der Prüfungsordnung des von ihm belegten Studiengangs bei der Bearbeitung der Bachelorarbeit die Vorgabe, dass die/der Studierende nur einmal eine Krankmeldung einreichen darf. Da Ärztinnen und Ärzte meist nur für eine Woche krankschreiben und dann verlängern, ist das beispielsweise für eine normale Grippe schon eine Benachteiligung, erst recht, wenn eine chronische oder psychische Erkrankung vorliegt und es zum Krankheitsbild gehört, mehrfach (und in Stresssituationen zusätzlich) zu erkranken.“

Student will "auf jeden Fall versuchen" seine Bachelorarbeit zu schreiben - trotz Asperger

Diese Einsicht bringt Santiago aber aktuell nichts. Er hat nur die Möglichkeit, die Bachelorarbeit, die nur einmal wiederholt werden dürfe, neu zu schreiben. Aber er müsse nun ein neues Thema finden. Die Beauftragte für Studierende mit Beeinträchtigungen der Hochschule unterstütze ihn zwar. „Aber sie gehört auch eben zur Hochschule und kann nur bedingt etwas ausrichten“, meint Santiago.

„Als ich hörte, dass ich durchgefallen bin, habe ich einen Nervenzusammenbruch erlitten und musste stationär behandelt werden“, sagt er. Er habe an der Arbeit geschrieben, aber sei krankheitsbedingt nicht rechtzeitig fertig geworden. „Im Moment sehe ich mich psychisch nicht in der Lage. Aber ich werde auf jeden Fall versuchen, meine Bachelorarbeit zu schreiben.“

Frankfurt University of Applied Sciences: Student mit Asperger droht Ausweisung

Er habe bereits Vorlesungen für seinen Masterstudiengang an der Goethe-Universität Informatik mit Schwerpunkt Neurowissenschaft mit einer vorläufigen Zulassung besucht. Da habe er sich nun aber exmatrikulieren müssen. Santiago: „Wenn ich meinen Bachelortitel bis 1. April 2020 nicht habe, muss ich zudem Deutschland verlassen und ohne Abschluss zurück nach Kolumbien.“

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