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Frankfurt: Matthias Scheuring als norddeutsch schnackender Adjutant "Kuddel". Jetzt ist Matze Scheuring tot.

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Frankfurt trauert: Beliebter Schauspieler ist tot

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Der Schauspieler Matthias Scheuring ist tot: Das Ensemble von „Barock am Main“ in Frankfurt trauert um den Kollegen.

  • Schauspieler Matthias „Matze“ Scheuring ist tot
  • Trauer beim Ensemble von „Barock am Main“ in Frankfurt
  • Stationen in Wien, Suttgart und Zürich

Frankfurt - Trauer findet kaum Worte. "Unser lieber und wunderbarer Kollege und Freund Matthias Scheuring ist gestorben. Wir sind sehr traurig. Matze, du fehlst uns!" - mit diesem Eintrag hat das Ensemble von "Barock am Main" in Frankfurt den Tod des Schauspielers Matthias Scheuring in den sozialen Medien bekannt gegeben. Scheuring war über Jahre festes Ensemble-Mitglied, spielte in der vergangenen Saison allerdings schon nicht mehr mit. 

Seinen letzten großen Auftritt beim "Hessischen Molière" hatte "Matze" Scheuring 2018 in "Horribilis von Huckevoll", wo er den Diener und Spießgesellen des von Festival-Gründer Michael Quast dargestellten dubiosen Titelhelden spielte. Scheuring ist am 12. Januar gestorben.

Schauspieler Matthias „Matze“ Scheuring ist tot - Trauer in Frankfurt

In "Horribilis von Huckevoll" durfte Scheuring, der den hessischen und rheinhessischen Zungenschlag beherrschte, erstmals sein Geburtsnaturell ausleben und als Horribilis' Adjutant "Kuddel" auch mal schnacken wie an der Waterkant: Geboren wurde er nämlich 1957 in Kiel. 

Er kam aber früh ins Rhein-Main-Gebiet, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Hochschule der Darstellenden Künste in Frankfurt. Im Rahmen seiner Theaterkarriere war er festes Ensemblemitglied des Thalia-Theaters Hamburg und gehörte lange Jahre dem Ensemble des Schauspiel Frankfurt an. In Gastspielen stand er unter anderem am Wiener Burgtheater, dem Stuttgarter Staatstheater, dem Schauspielhaus Zürich, und dem Theater Dortmund auf der Bühne. Außer bei "Barock am Main" war Scheuring Ensemblemitglied der "Fliegenden Volksbühne" und wirkte in Theaterproduktionen, aber auch bei Lesungen mit. Fürs Stalburg-Theater spielte er Helmut Qualtingers "Herr Karl".

Schauspieler Matthias „Matze“ Scheuring ist tot: Er war aktiv in Film und Theater – nicht nur in Frankfurt

Wer nicht ins Theater geht, kannte ihn aus Rollen in Film- und Fernseh-Produktionen. Er war mit TV-Detektiv Matula (Claus-Theo Gärtner) in "Ein Fall für zwei" zu sehen oder auch diverse Male im Frankfurter "Tatort", hatte von 2004 bis 2006 in der Krimiserie "Polizeiruf 110" eine wiederkehrende Rolle als Bestatter und spielte ab 2009 in der Serie "Alles was recht ist" den Dr. Plagge. 2012 verkörperte Matthias Scheuring seine erste Kino-Hauptrolle in Felix Stienz' skurriler Komödie "Puppe, Icke & der Dicke". 

Matthias Scheuring.

Seinen ersten Kino-Auftritt hatte er allerdings schon 1992 in "Happy Birthday, Türke" unter der Regie von Doris Dörrie gehabt. Auch im "Schattenmann", der berühmten Serie von Dieter Wedel aus dem Jahr 1996, die an vielen Drehorten in Frankfurt entstand, wirkte er mit, zusammen mit Mario Adorf, Heinz Hoenig, Heiner Lauterbach, Günter Strack, Maja Maranow, Claude-Oliver Rudolph, Armin Rohde, Henry Hübchen und vielen anderen.

Matthias „Matze“ Scheuring ist tot: „Barock am Main“ in Frankfurt nun ohne ihn

"Augenfarbe wechselt nach Wetterlage" stand in der Beschreibung, mit der seine Agentur für ihn um Engagements warb. Er gab sich gern grummelig, war aber ein herzensguter Mensch, der den Blues liebte und die Bluesharp spielte, auch die Oper mochte und sich selbst nicht allzu ernst nahm. Wenn er mit Michael Quast und dem Ensemble von "Barock am Main" in Höchst probte, genoss er die internationale kulinarische Vielfalt, die der Stadtteil bietet. Gutem Wein war er nicht abgeneigt. 

Scheuring hatte Spaß am Spiel und an der Mundart. Seine größte Rolle bei "Barock am Main" hatte er als feister "Herr von Wutzebach" 2016, ein Wetterauer Großkotz, der nach Frankfurt kommt, um seine Braut abzuholen, sich aber vorher noch ein in der Großstadt amüsieren möchte und vom zwielichtigen Knippelino (Quast) aufs Kreuz gelegt wird. In dieser Rolle konnte er sein komödiantisches Talent pompös ausleben: "Ohne den Frankfurter Schauspieler wäre ,Barock am Main' nur halb so lustig", hieß es damals in dieser Zeitung.

Frankfurt trauert um Matthias „Matze“ Scheuring

 Scheuring selbst, der sich als "Rampensau" bezeichnete, sagte über diese Rolle: "Herrlich! Es macht großen Spaß!" Er schätzte den "hessischen Molière" als "Verbindung von Hochkultur und Volkstheater". Den früheren Hausherren im Bolongaropalast, den Tabakhändlern vom Lago Maggiore, huldigte Scheuring als "Schambes" 2013 gleich in der ersten Szene von "Don Juan" mit einem Lob über die gerade geschnupfte Prise, das sinngleich auch für ihn stand: "Des is feiner Bolongaro! Kaan Sibbe-Batze-Stinker!" 

Von Holger Vonhof

Zehn Jahre lang hat Theatermann Michael Quast im Garten des barocken Bolongaropalasts gespielt und das Festival „Barock am Main“ zu einem weit über die Grenzen Frankfurts hinaus beliebten Kultur-Ereignis geformt. Danach zog es um.

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