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Der Ort des Geschehens: die Kleinmarkthalle in Frankfurt (Archivbild).

Streit in der Kleinmarkthalle

Renitenter Rempelrentner oder ausgerasteter Polizist? Ein Griff zieht Prügel nach sich

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In der Kleinmarkthalle kommt es zum Streit zwischen einem Polizisten und einem Rentner. Der tituliert seinen Widersacher als „Arschloch“ und „Nazi“, wird dann handgreiflich - und kassiert Prügel. 

Der 35 Jahre alte Oberkommissar Daniel M. muss sich wegen Körperverletzung im Amt vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 1. November 2017 den damals 69 Jahre alten Hans K. schlimmer verprügelt zu haben, als die Polizei erlaubt – nachdem der ihn angerempelt und wüst beschimpft habe. Der Rentner trug diverse Prellungen und Verstauchungen davon. Und etwas, was der Laie ein Veilchen und der Fachmann ein „Monokel-Hämatom“ nennt.

Daniel M. erklärt das so: Er habe an jenem Tag gegen 13.30 Uhr in der Kleinmarkthalle Mittagspause machen wollen. Dabei sei ihm Hans K. unangenehm aufgefallen, weil dieser offenbar in voller Absicht Menschen anrempelte. „Er suchte wohl Streit“, vermutet M., bei dem K. dann schließlich auch fündig wurde. Denn als angerempelter Polizist habe er sich unverzüglich als solcher zu erkennen gegeben und auch von K. verlangt, sich auszuweisen. 

Doch dieser habe ihn erst ein „Arschloch“, dann einen „Nazi“ geheißen. Er habe dann telefonisch Verstärkung erbeten. Doch bevor diese eintraf, sei das Streitgespräch zum Handgemenge eskaliert, das sich vor den Marktausgang zur Hasengasse verlagerte. Und dort passierte es: „Er hat mir erst mit voller Wucht in meine Genitalien getreten und diese dann zusammengequetscht.“ M. will gar nicht leugnen, dass es anschließend zur Sache ging.

Prozess um Streit in der Kleinmarkthalle wird fortgesetzt

Die Zeugen bestätigen diesen Sachverhalt weitgehend. „Der Herr hat dem Kollegen ins Gemächt gegriffen“, bestätigt ein anderer Polizist im Zeugenstand, er habe ihm „in die Eier gepetzt“, sagt auch der Steuerberater, dessen Mittagspause sich damals spannender als gehofft gestaltete, und auch die Samen-Verkäuferin kann den Sachverhalt bestätigen. Diesen aber auch: „Der Alte ist vermöbelt worden, um das mal so auszudrücken.“ Kein Wunder: Daniel M. ist etwa 1,90 Meter groß und ein Schrank von einem Kerl, Hans K. mindestens einen Kopf kleiner und kein Schrank.

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Hans K. schildert die Sache anders: Friedlich sei er durch die Markthalle gewandelt, als ihn dieser große Mann erst angerempelt und sich dann als Polizist vorgestellt habe, der ihm nun einen Platzverweis erteile. Das habe ihn geärgert, gibt K. zu, und da sei ihm wohl im Zorn ein „Arschloch“ entfahren, vielleicht sogar ein „Nazi“, aber das sei vermutlich „ein Flashback“ gewesen: „Ich war früher Zeitsoldat, und da musste man sich ständig von alten Nazis anbrüllen lassen.“ Das habe ihm damals schon nicht geschmeckt, erläutert der rüstige, aber harthörige Veteran, der in dem Prozess auch als Nebenkläger auftritt.

Der Prozess wird fortgesetzt. Von dem knappen Dutzend geladener Zeugen sind wegen Urlaubs nicht einmal die Hälfte aufgetaucht, und die, die gekommen sind, erzählen zwar weitgehend dieselbe Geschichte, aber mit anderem Tenor. Bei den einen rastet ein Polizist wegen eines Griffs unter die Gürtellinie völlig aus, bei den anderen bekommt ein renitenter Rempelrentner die Strafe, die er sich redlich verdient hat.

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