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Eine Greenpeace-Aktivistin protestiert mit einem Schild auf der diesjährigen IAA.

IAA in Frankfurt

Frankfurt: Kündigung aus Sicherheitsgründen

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Ein junger Mann musste seinen Job auf der IAA vorzeitig abbrechen. Hintergrund ist offenbar eine Sicherheitsüberprüfung durch die Polizei.

Als Philipp E. (Name geändert) den Zettel in die Hand gedrückt bekam, hatte er gleich ein ungutes Gefühl. „Background Check“ stand oben auf dem englischsprachigen Dokument, das dem 28-Jährigen von seinem Arbeitgeber vorgelegt wurde. E. wollte für ein Unternehmen als freier Mitarbeiter eine Woche auf der IAA arbeiten. Kurz vor Beginn der Frankfurter Automesse, so berichtet E., teilte die Firma ihm mit, dass er eine Sicherheitsprüfung durchlaufen müsse. In dem Papier, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, sollen private Daten eingetragen werden, zudem stimmt man als Unterzeichner zu, dass die Frankfurter Polizei diese Daten für einen „Background Check“ nutzen darf.

„Für mich war das völlig unüblich“, sagt Philipp E. Er habe schon öfter auf der IAA und ähnlichen Veranstaltungen gearbeitet und nie ein derartiges Verfahren durchlaufen. Doch die Firma habe ihm gesagt, „dass man das machen muss“. Obwohl er sich unwohl damit gefühlt habe, habe er das Papier ausgefüllt, weil er den Job gebraucht habe. Dann habe er zunächst nichts mehr gehört und normal auf der IAA gearbeitet.

An seinem letzten Arbeitstag auf der IAA, so schildert es E., rief ihn sein Chef an und sagte, dass er ihn sofort abziehen müsse, „weil ich ein Sicherheitsrisiko wäre“. Er habe seine Arbeit beendet, sein Gehalt aber erhalten. E. hat auch einen Verdacht, warum die Polizei ihn als Problem einschätzen könnte: Er sei in linken Strukturen aktiv und im Juni 2015 an Protesten gegen eine Kundgebung des Pegida-Ablegers „Widerstand Ost West“ in der Frankfurter Innenstadt beteiligt gewesen. Dabei sei es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Später sei er wegen versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Übliches Verfahren

Eine Sprecherin der Frankfurter Polizei bestätigte der FR, dass sogenannte Zuverlässigkeitsüberprüfungen auf der diesjährigen IAA durchgeführt wurden und bei Großveranstaltungen üblich seien. Man arbeite dabei auf Basis des Paragrafen 13 des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG), es gehe um die „Berechtigung zum privilegierten Zugang zu gefährdeten Veranstaltungen“. Bei dem Verfahren werde überprüft, ob den Sicherheitsbehörden Erkenntnisse zu potenziellen Mitarbeitern vorlägen, „welche dem Zugang der Veranstaltung entgegenstehen“. Die Betroffenen müssten der Überprüfung zustimmen. Die Polizei spreche eine Empfehlung aus, ob jemand für die entsprechende Veranstaltung geeignet sei. Die Entscheidung liege aber beim Arbeitgeber.

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Eckehart Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA), der die IAA ausrichtet, sagte der FR, die Überprüfungen seien Teil des Sicherheitskonzepts und hingen „mit der Gesamtsicherheitslage in Deutschland zusammen“. Die Praxis habe sich seit Jahren bewährt und werde vom VDA ausdrücklich begrüßt, sagte Rotter. „Wir halten das für einen richtigen Schritt“. Es wäre sogar „grob fahrlässig“, auf derartige Checks zu verzichten. Schließlich seien auf der IAA viele Unternehmen und externe Dienstleister tätig, die eigene Mitarbeiter mitbrächten.

Philipp E. macht sich Sorgen, dass er wegen einer Jahre zurückliegenden Geldstrafe vielleicht nie wieder auf größeren Messen arbeiten kann. Ihn erinnere das an ein Berufsverbot. „Und das ist ein großer Eingriff in das Leben der jeweiligen Person.“

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