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Taxifahrer Christos S. zeigt auf seiner Uber-App Infos über einen seiner illegalen Konkurrenten.

Nahverkehr

Günstig und umstritten - Uber bedroht Frankfurter Taxigewerbe 

Taxiunternehmer fühlen sich im Stich gelassen im Kampf gegen die Konkurrenz von Uber. Am Hauptbahnhof schilderten sie jetzt ihre Situation.

Frankfurt - Christos S. hat seine Uber-App geöffnet. Sie zeigt die Fahrzeuge, die gerade unterwegs sind. Christos S., Taxiunternehmer in Frankfurt, scrollt weiter. "Hier ist ein freier Fahrer", zeigt er. Ein kleines Bild, ein Name, verschiedene Bewertungen, ein Kennzeichen. "GG...", stellt Christos fest. "Wie die meisten dieser sogenannten Mietwagen."

Angst vor Schlägereien

Christos S. und vier seiner Kollegen haben sich am Hauptbahnhof getroffen, um der Bundestagsabgeordneten Uli Nissen (SPD) zu zeigen, was das Problem mit dem neuen Angebot von Uber ist. Uber-Pop, die App, mit der man privat mit seinem Pkw Taxifahrer werden konnte, ist inzwischen verboten. Der Mietwagenservice von Uber läuft jedoch weiter. Und zwar - da sind Christos und seine Kollegen sich einig - nicht als Mietwagenservice, sondern als "wildes" Taxifahren. "Das ist Mafia", sagt Shahid K. Er und alle seine Kollegen wollen nicht mit vollem Namen genannt werden. "In Köln wurde ein Taxiunternehmer zusammengeschlagen, nachdem er einem Uber-Fahrer nachgefahren war. Wir haben Familien, wir sind auf intakte Autos angewiesen..." Mehr wollen die Männer nicht sagen. Aber soviel ist klar: Die Bandagen, mit denen um die Taxi-Kunden gekämpft wird, sind verdammt hart geworden. Für den Uber-Fahrer, den Christos auf seiner App gezeigt hat, läuft das Geschäft gut. Besser als für Christos. "Ich habe im Monat 200, vielleicht 240 Kunden", sagt er. Der illegale Konkurrent aus dem Landkreis Groß-Gerau, der in Frankfurt gar nicht fahren dürfte, hat binnen fünf Monaten mehr als 2000 Fahrgäste gehabt. Also 400 im Monat.

Preise etwas günstiger als Taxipreise

Die Preise sind etwas günstiger als reguläre Taxipreise. Von der Alten Oper zum Flughafen kostet es im Taxi 33 Euro, mit Uber-Mietwagen 27 Euro. "Uber wirbt massiv, die Leute gewöhnen sich daran, und dann, wenn die Taxis pleite sind, erhöhen sie die Preise", glaubt Christos. "Dabei haben wir eine Beförderungspflicht. Wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Wir müssen die Fahrgäste fahren, und die Preise sind vorgeschrieben", sagt Shahid. "Wir fühlen uns von den Ordnungsbehörden im Stich gelassen."

Das Problem stellt sich - neun Monate, nachdem Uber sein Mietwagenangebot gestartet hat - folgendermaßen dar: Neben den etwa 1700 Taxis gibt es 300 Uber-Autos. Der Firmensitz von etwa 100 dieser Mietwagen ist Frankfurt. 200 fahren, wenn sie geordert wurden, einige Minuten später vor. Aber sie haben Kennzeichen aus dem MainTaunus-Kreis, dem Main-Kinzig-Kreis, aus Hanau, Offenbach oder eben Groß-Gerau. "In Frankfurt werden keine Mietwagenkonzessionen mehr erteilt", weiß Shahid. Deshalb weicht Uber auf das Umland aus. Doch auch die Konzessionen in Frankfurt seien ein Witz: "Die Ordnungsbehörden müssen überprüfen, ob für die Fahrzeuge Stellplätze vorhanden sind. Schließlich muss ein Mietwagen an den Firmensitz zurückkehren. Aber es sind viele Briefkastenfirmen, in einem normalen Mietshaus, mit 30 gemeldeten Fahrzeugen und ohne Stellplatz", klagt Christos und zeigt eines der vielen Fotos, die er gemacht hat. Klingelschild, Mehrfamilienhaus, das Unternehmen ist dort gemeldet.

Schutz der Politik fehlt

"Mietwagen dürfen unterwegs keine Fahrgäste aufnehmen", sagt Shahid, "doch das ist das Geschäftsmodell von Uber. Wir haben Umsatzeinbußen von 30 Prozent. Wir brauchen den Schutz der Politik!"

Verkehrsminister Scheuer (CSU) will den Taxi-Markt liberalisieren, die SPD-Linke Ulli Nissen ist dagegen: "Wir wollen eine auskömmliche Bezahlung für die Taxifahrer und einen zuverlässigen Nahverkehr. Das kann man nicht einem amerikanischen Unternehmen wie Uber überlassen", ist sie überzeugt.

von Thomas J. Schmidt

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