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Mit Protestschildern ausgestattet machen sich die Demonstranten vom Regionalbahnhof des Flughafens aus auf dem Weg zur Kundgebung im Terminal 1. 

Unermüdlicher Protest

Aufstand gegen den Lärm vom Frankfurter Flughafen: Offenbacher bleiben hartnäckig

Viele Offenbacher nervt der Lärm vom Flughafen Frankfurt. Woche für Woche demonstrieren sie am Airport. Sie sagen: Was bleibt uns anderes übrig?

Offenbach – Während sich der erste Schwung von Feierabendpendlern eiligen Schrittes durch die zugige B-Ebene der S-Bahn-Station am Marktplatz ihren Weg zum Gleis bahnt, steht Ingrid Wagner mit einem gelben Protest-Schild in der Hand an einem der Fahrkartenautomaten. 

Wenn sie nicht gerade neue Mitstreiter begrüßt, telefoniert die 1. Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr eifrig mit ihrem Handy, um die gemeinsame Anreise zur heutigen Montagsdemo am Frankfurter Flughafen zu koordinieren. "Wir treffen uns am ersten Waggon, ganz vorne", gibt sie den vorbeikommenden Demonstranten mit auf den Weg.

Gegen Lärm vom Flughafen Frankfurt: Offenbacher protestieren weiter

Am vorderen Gleis angekommen, wird sie gleich von bekannten Gesichtern in Empfang genommen und bekommt die Nachricht übermittelt, dass ein Teil der Protestierenden sich bereits mit einer früheren Bahn auf den Weg gemacht habe, unter ihnen auch der Oberbürgermeister Felix Schwenke.

Doch davon lassen sich die Demonstranten, von denen viele den typischen gelben Jutebeutel mit dem Emblem der vom Fluglärm geplagten Frau und der schwarzen Aufschrift "Kein Flughafenausbau. Nachtflugverbot!" tragen, nicht beirren.

Das heutige Motto laute wieder "Wir bringen euch den Lärm zurück", erzählt Ursula Liedke mit einem leichten Lächeln. Während sie in ihrer Tasche nach den professionellen Ohrenschützern kramt, berichtet sie, aufgrund des über die Jahre hinweg gestiegenen Fluglärms, bereits fünf Mal innerhalb Offenbachs umgezogen zu sein. "Früher konnte man ja wenigstens noch ins Nordend ziehen, aber mittlerweile ist das ja auch egal, weil der Lärm überall gleich groß ist", ärgert sie sich beim Warten.

Und wöchentlich grüßen die Proteste gegen den Lärm vom Flughafen Frankfurt

Nachdem ein gutes Dutzend Fluglärmgegner es sich auf den Sitzen in der S9 bequem gemacht hat, beginnen auch schon die angeregten Unterhaltungen. Manche der Anwesenden kennen sich schon lange, besuchen seit Jahren regelmäßig die wöchentliche Veranstaltung und unterhalten sich trotzdem noch immer über die aktuellen Entwicklungen, andere erkundigen sich lieber nach dem persönlichen Wohlbefinden ihres Gegenübers.

Frank Leithäuser trägt ein weißes Käppi mit der Aufschrift "Eintracht gegen Fluglärm", neben ihm lehnt ein Schild, auf dem "Zum 300. Mal, Schluss mit der Fluglärm-Qual!" zu lesen ist. Während der Fahrt erinnert sich Leithäuser daran, dass die Flugzeuge, "als ich 1989 hierher gezogen bin, noch weit über Bieber hinweggeflogen" seien und die Innenstadt in dieser Hinsicht gewissermaßen als eine ruhige Wohngegend galt.

Ihm gegenüber sitzt der Rumpenheimer Michael Ludwig und bekennt, selber gar nicht so stark vom Fluglärm betroffen zu sein, wie viele andere der Demonstranten. Dass er dennoch an den Protesten teilnimmt, stellt für ihn eine Selbstverständlichkeit dar: "Aus Solidarität mit den anderen Betroffenen."

Offenbacher Frust über Lärm am Flughafen Frankfurt

Zu denen gehört etwa Thomas Hesse. Auf der gemeinsamen Fahrt unterhält er sich mit Ingrid und Hartmut Wagner. Im Gegensatz zu dem Ehepaar, welches bereits seit Tag Eins der Proteste dabei ist, muss er nach kurzem Überlegen eingestehen, "erst seit der zweiten Montagsdemo dabei zu sein." Hesse wohnt in der direkten Einflugschneise der Nord-West-Landebahn, "einer der lautesten Ecken."

Hört man den Dreien zu, merkt man schnell, dass sie sich gut auskennen. Ganz gleich, ob sich die Diskussion um den Neigungswinkel beim Start, das vorzeitige Ausfahren des Fahrwerks, oder andere, unnötig den Fluglärm verstärkende Ursachen handelt. "Ich glaube, ich kann das ganz gut einschätzen, ich muss ja nur nach oben schauen", kommentiert Hesse trocken.

Proteste gegen Lärm am Flughafen Frankfurt als Druckmittel gegen die Politik

Warum sie seit Jahr und Tag ein mal pro Woche zum Flughafen fahren? "Um zu zeigen, wie hartnäckig der Widerstand ist", antwortet Ingrid Wagner und verweist auf die Bedeutung der Kontinuität der Proteste. "Wenn wir nicht ständig Nachhaken und Druck auf die Politik ausüben, droht unser Anliegen in Vergessenheit zu geraten", ist sie sich sicher.

"Wir sind wie eine Klette", schlägt auch Thomas Hesse in dieselbe Kerbe, während er sich anschickt, die Bahn zu verlassen, um gemeinsam mit den vielen anderen von Fluglärm geplagten Demonstranten aus dem Umland bei der 300. Auflage der Proteste weiterhin für ihr Anliegen zu kämpfen.

VON JOEL SCHMIDT

Im Kampf gegen den Bahn-Lärm möchte die Stadt Offenbach einen transparenten Schallschutz installieren.*

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