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Terminal 3 Flughafen Frankfurt

INTERVIEW

Sprecher der Ausbaugegner: „Der Bau von Terminal 3 ist ein Anachronismus“

Mit einer Mahnwache Protestieren die Ausbaugegner des Flughafen Frankfurt gegen die Grundsteinlegung für Terminal 3. Ein Gespräch mit einem Protestler.

Offenbach - Ihr Anliegen: Vor den aus ihrer Sicht negativen Folgen, die mit dem Wachstum des Flughafens und des Luftverkehrs verbunden sind, zu warnen, wie Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen, unserer Zeitung erläutert.

Ausbau des Frankfurter Flughafens: Drastisch mehr Flugbewegungen befürchtet

Sie haben Ihren Protest gegen Terminal 3 (T3) mit „Grundstein = Grabstein“ überschrieben. Welche Folgen befürchten Sie – etwa für die Umwelt?

Der Bau des T3 schafft die Möglichkeit, den Flughafen um eine jährliche Kapazität von rund 25 Millionen Passagieren zu erweitern. Dies wird eine drastische Zunahme um etwa 200 000 Flugbewegungen auslösen. Terminal 3 entspricht dem drittgrößten deutschen Flughafen Düsseldorf. Für die Flughafenanrainer wird es eine weitere Zunahme des schon heute unerträglichen Lärms in der Luft und am Boden geben. Walldorf und Zeppelinheim werden mit dem Bodenverkehr gequält. Die fehlende Anbindung an einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr (S-Bahn) wird den individuellen Zubringerverkehr anschwellen lassen. Nicht nur der Lärm, sondern auch die Schadstoffemissionen werden sich vervielfachen. Fliegen ist die umweltschädlichste Art zu reisen und trägt maßgeblich dazu bei, den Ast abzusägen, auf dem wir, unsere Kinder und Enkelkinder sitzen. In der Zeit wachsender Umweltbewegungen ist der Bau des T3 ein Anachronismus.

Thomas Scheffler Sprecher für das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau

Sie sprechen vom endgültigen Sargnagel für die Region. Allerdings entstehen durch das neue Terminal auch viele neue Arbeitsplätze…

Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist das übliche „Totschlagargument“, um Großinvestitionen gegenüber Kritikern möglichst unangreifbar zu machen. Das Arbeitsplatzargument rechtfertigt keinesfalls einen Freifahrtschein für den Luftverkehr.

Sie greifen Grünen- Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir frontal an und werfen ihm vor: „Selten klaffen Politikerversprechen und Realität so weit auseinander“. Was konkret ärgert Sie so?

Im Wahlkampf 2013 hat Tarek Al-Wazir versprochen: „Mit mir wird es kein Terminal 3 geben!“ Kaum im Amt, wollte der frisch eingesetzte Wirtschaftsminister davon nichts mehr wissen. Sachzwänge – geschaffen vor seiner Zeit und gegen den Widerstand der Grünen – ließen – leider, leider – keine Umsetzung seines Versprechens zu. Vielmehr wurden so wirkungslose Dinge wie Lärmpausen (= lediglich Lärmverlagerungen) und Lärmobergrenzen (= so hoch angesetzt, dass sie niemandem im Luftverkehr weh tun und deshalb auch nichts nützen) geschaffen. Dennoch sieht sich der Minister als derjenige an, der die Vorgaben der Mediation umgesetzt hat. Wir teilen diese Einschätzung ganz und gar nicht. Fraport durfte während seiner Amtszeit die Billigfliegerei massiv ausbauen. Das Verhalten dieser Fluggesellschaften, die Umlaufplanung „auf Kante zu nähen“, hat 2018 zur Durchlöcherung der Nachtflugbeschränkungen geführt. Statt ein konsequentes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr anzugehen, muss der Minister mühsam die Nachtflugbeschränkungen verteidigen.

Airport Frankfurt: Weitere Montagsdemonstrationen sind in Planung

Werden die Montagsdemos weitergehen?

Die Montagsdemonstrationen werden unbeirrt fortgesetzt. Am 11. November 2019 wird es die 300. Montagsdemonstration im Terminal 1 geben. Wir spüren durch die Fridays for Future-Bewegungen eine deutliche Unterstützung unserer seit Jahren vorgetragenen Forderungen.

Das Gespräch führte Angelika Dürbaum

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