Experimentelle Streifen und Blockbuster

Frankfurt (pia). Vor zehn Jahren, als Marion Klomfass und Holger Ziegler, beide studierte Film- und Medienwissenschaftler, das Nippon-Festival ins Leben riefen, sollte es eigentlich bei einer einmaligen Sache bleiben. »Wir dachten, es kommt kein Schwein, weil die Filme ja nur englische Untertitel hatten.« Doch alles kam anders. Tatsächlich zog es mit einem Schlag gleich 10 000 Japanfans vor die Leinwand.

Frankfurt (pia). Vor zehn Jahren, als Marion Klomfass und Holger Ziegler, beide studierte Film- und Medienwissenschaftler, das Nippon-Festival ins Leben riefen, sollte es eigentlich bei einer einmaligen Sache bleiben. »Wir dachten, es kommt kein Schwein, weil die Filme ja nur englische Untertitel hatten.« Doch alles kam anders. Tatsächlich zog es mit einem Schlag gleich 10 000 Japanfans vor die Leinwand. Das Kinoereignis, das am Mittwoch zu seiner zehnten Ausgabe startete, ist außerhalb Japans das größte Festival für japanisches Kino weltweit. Gezeigt werden 150 Kurz- und Langfilme - vom studentischen Experimentalfilm bis hin zum Blockbuster.

Fern der klassischen Hollywood-Dramaturgie

»Der japanische Film war einfach etwas ganz anderes als das, was Hollywood oder das europäische Kino zu bieten hatten«, erzählt die Festivalmacherin mit den raspelkurzen, tiefschwarzen Haaren und der porzellanhellen Haut. Faszinierend an den japanischen Filmen sei vor allem die Vielfalt an Genres und die gestalterischen Mittel. Im Gegensatz zur klassischen Hollywood-Dramaturgie, bei der das Gute dem Bösen gegenüberstehe und es schließlich zum Showdown komme, gebe es im japanischen Film »sehr vielschichtige Charaktere«, sagt die Festivalleiterin.

Oft wisse der Zuschauer nicht, wie es weitergeht. Typisch sei, »dass es mehrere Enden und auch Wendungen gibt«.

Schauplatz des Festivals ist auch dieses Jahr das »Pupille«-Studentenkino auf dem alten Bockenheimer Uni-Campus. Mit viel Liebe haben die Festivalmacher die gesamte Dekoration gestaltet, ein echter Hingucker ist die rosafarbene »Nippon Connection«-Bar. Im Jubiläumsjahr wird es zehn verschiedene Plakatmotive geben, allesamt Interpretationen von japanischen Filmtiteln - in der Vergangenheit gab es dafür bereits mehrfach Designpreise. Das Festival-Kernteam umfasst etwa 30 Aktive. Die alleine könnten die Veranstaltung allerdings nicht stemmen. Auf rund 150 schätzt Klomfass die Zahl der freiwilligen Helfer »vom Dolmetscher bis zum Pfandflaschensortierer«. Der jüngste ist gerade mal 19 Jahre alt, der älteste über 60.

Weil die weltweite Wirtschaftskrise längst schon auch Japan erreicht hat, setzen sich in diesem Jahr viele der jungen Independent-Filme im »Nippon Digital«-Spezialprogramm mit der Perspektivlosigkeit japanischer Jugendlicher auseinander. Dabei geben die jungen japanischen Filmemacher »weniger eine konkrete politische Stellungnahme ab, stattdessen sind sie viel näher an den Menschen und ihren persönlichen Lebensgeschichten dran«, weiß Helfer Lorenzo Alvarez. Das gesellschaftliche Drama entlade sich in den jungen Independent-Produktionen »am Frühstückstisch der Protagonisten, zwischen Rührei und Brötchen«.

Klomfass zählt zu den Höhepunkten des Festivals den Eröffnungs- und den Abschlussfilm. In Shuichi Okitas »The Chef of South Polar« wird ein Koch auf eine japanische Forschungsstation am Südpol versetzt. In »Sawako Decides« des Regisseurs Ishii Yuga liegt der Vater der jungen Protagonistin im Sterben. Sein Muschelbetrieb ist in einer Krise, und er möchte, dass die Tochter ihn übernimmt.

Finanzieller Balanceakt

Einmal im Jahr reist die Festivalleitung zum »Tokio International Filmfestival«, besucht den dortigen International Filmmarket, um Kontakte herzustellen. Ein Problem, so Klomfass, stellten die steigenden Filmverleihpreise dar. »Es gab Filme, die wir zu unserem Zehnjährigen gerne gezeigt hätten, es aber nicht können, weil der japanische Verleih für eine einzige Aufführung bis zu 2000 Euro verlangt hat.« Unterstützt wird das Festival vom Kulturamt der Stadt und vom Amt für Multikulturelle Angelegenheiten. Zusätzliche Einnahmen erzielt es über den Verkauf von Festival-Artikeln, Getränken und Speisen.

Ganz wichtig ist den Festivalmachern, nicht nur das ausgesprochen cinephile Publikum anzusprechen. »Nippon Connection« will ein Treffpunkt sein für eine ganz bunte Mischung von Menschen. So wird es Konzerte geben, japanischen Tanz, Shiatsu, Sushikochen, Karaoke, eine »Spielehölle«, aber auch Workshops, Diskussionen und Vorträge. »Viele gehen nur dorthin, wo Partystimmung ist, aber vielleicht kriegen wir sie ja so auch ins Kino«, sagt Klomfass.

Annette Wollenhaupt, pia

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