Erster Spürhund in Deutschland, der Banknoten riechen kann

Frankfurt (ddp). Neugierig schnüffelt die Schäferhündin Dina an den Passagieren im Flughafen. Eine Frau kneift ängstlich die Augen zusammen, ein anderer Passagier freut sich und würde den Hund am liebsten streicheln. Aber Dina hat keine Zeit für Liebkosungen, sie ist im Einsatz: Dina sucht seit rund vier Wochen als erster Spürhund in Deutschland Personen nach Bargeld ab.

Frankfurt (ddp). Neugierig schnüffelt die Schäferhündin Dina an den Passagieren im Flughafen. Eine Frau kneift ängstlich die Augen zusammen, ein anderer Passagier freut sich und würde den Hund am liebsten streicheln. Aber Dina hat keine Zeit für Liebkosungen, sie ist im Einsatz: Dina sucht seit rund vier Wochen als erster Spürhund in Deutschland Personen nach Bargeld ab. So sollen kriminelle Geldtransfers leichter entdeckt werden. Den Zollbeamten ist die zweieinhalbjährige Hündin dank eines zusätzlichen Talents eine besondere Hilfe - sie kann sowohl Euro als auch Dollar riechen. Das ist sehr selten.

Seit Januar wurde Dina für ihre Arbeit am größten deutschen Flughafen ausgebildet. Dafür besuchte sie die Zollhundeschule im bayerischen Neuendettelsau und trainierte zusammen mit ihrem Hundeführer, dem Zollbeamten Heiko Kraft. Dina musste lernen, Bündel von Geldscheinen zu erschnüffeln und sie "passiv" anzuzeigen, wie es im Fachjargon heißt. Dabei bellt sie nicht und kratzt nicht an ihrem Fund herum, sondern setzt sich ruhig neben die Person, bei der sie die Beute entdeckt hat. Belohnt wird Dina mit ausgiebigem Spielen.

"Wir üben mit entwerteten Geldscheinen von der Bundesbank", erklärt Kraft. Mit welchen chemischen Substanzen die Scheine hergestellt werden, sei streng geheim, aber Dina rieche offenbar den Farbstoff im Geld. Normalerweise werden die Spürhunde auf nur eine Währung trainiert - Euro oder Dollar. Dina hingegen kann sowohl Euro als auch Dollar riechen. "Das hat uns überrascht", sagt Kraft. "Das kam in der Praxis, der Hund hat es einfach gemacht."

Dinas Talent kommt für den Zoll zur rechten Zeit: Seit der Finanzkrise haben illegale Geldtransfers stark zugenommen, wie Zollsprecherin Christine Kolodzeiski sagt. Größere Summen von mehr als 10 000 Euro müssen beim Transport angemeldet werden. Gegen diese Vorschrift gab es im vergangenen Jahr am Flughafen fast 1600 Verstöße, 2008 waren es noch rund 900. "Das ist ein bemerkenswerter Anstieg", sagt Kolodzeiski. Während vor zwei Jahren noch 37 Millionen Euro beschlagnahmt wurden, waren es im vergangenen Jahr schon 44 Millionen Euro.

In diesen Fällen wird das Geld oft versteckt. Die Zollbeamten haben schon 500 000 Euro in einer Kekspackung oder eine Million Euro in einen Hemdkragen eingenäht entdeckt. Nicht selten schmuggeln Kriminelle große Geldsummen auch am Körper unter der Kleidung. Dann könnte Dina fündig werden.

Die Suche nach Geld an Personen sei eine "intime Angelegenheit", sagt die Zollsprecherin. Für die Passagiere sei es ein Eingriff in die Privatsphäre, manche hätten Angst vor dem Hund. Dabei wollten die Zöllner die Fluggäste keineswegs unter Generalverdacht stellen: "Man darf so viel Geld transportieren, wie man will", erklärt Kolodzeiski. Wenn das Geld angemeldet sei und ein rechtmäßiger Erwerb nachgewiesen werden könne, gebe es keine Probleme.

"Wir wollen Geld finden, das zum Beispiel aus Drogenverkäufen stammt und nach Südamerika zurückgeschafft wird", sagt Kraft. Flüge nach Südamerika oder China stehen oft auf seiner Liste. Zusammen mit Dina, die ein auffälliges Zoll-Schild am Körper trägt, sucht er dann die wartenden Passagiere in der Schlange ab. "Ein Spürhund, der an Personen eingesetzt wird, muss umgänglich sein und viele Reize verkraften können", so Kraft. Schließlich könnten Passagiere, die etwas zu verbergen haben, mitunter ruppig reagieren. Doch die meisten Passagiere finden den Hund niedlich. Wenn gerade Zeit ist, darf Dina gerne auch gestreichelt werden.

Kraft freut sich über seine neue Arbeit mit Dina. Schäferhunde sind für den 34-Jährigen schon seit dem Kindesalter ein großes Hobby. Er engagiert sich im Schäferhundeverein und hält zu Hause neben Dina einen neunjährigen Schäferhund. Die beiden verstehen sich prima.

Noch ist Dinas Einsatz ein Pilotprojekt. Weil die ersten Erfahrungen aus Sicht des Zollamtes aber positiv sind, sollen in Zukunft weitere Bargeld-Hunde ausgebildet werden.

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