Der "Elefantenfu? ist bald Geschichte

Frankfurt. Der Countdown läuft: Nach 37 Jahren naht das Ende des Technischen Rathauses. Der zwischen Römerberg und Kaiserdom gelegene Betonklotz räumt den Platz für die "neue Altstadt".

Frankfurt. Der Countdown läuft: Nach 37 Jahren naht das Ende des Technischen Rathauses. Der zwischen Römerberg und Kaiserdom gelegene Betonklotz räumt den Platz für die neue Altstadt. Frankfurt plant die Rekonstruktion von Teilen seiner mittelalterlichen Stadt. Einige der markantesten Gebäude der einstmals größten zusammenhängenden Altstadt Deutschlands sollen wiedererstehen. Das Technische Rathaus wird weichen, im Januar beginnt der Abriss.

Von außen betrachtet wirkt der Bau aus Waschbeton wie eine Trutzburg, abweisend, grau, etwas heruntergekommen. Seine gewaltigen Dimensionen lassen sich nur erahnen. Bei den Frankfurtern war das in den siebziger Jahren errichtete Gebäude mit seinen Linoleumböden und dem spartanischen Mobiliar eher unbeliebt. Dass es 1974, zwei Jahre nach der Fertigstellung, als Beispiel für vorbildliches Bauen gekürt wurde, verbesserte die Akzeptanz nicht. Die 550 Mitarbeiter, die hier in fünf städtischen Ämtern ihre Schreibtische hatten, sind im November ausgezogen. Ihr neues Domizil liegt nur ein paar Ecken weiter in der Nähe der Einkaufsstraße Zeil. "Unser Umzug ist der erste nach außen wahrnehmbare Schritt zur Umgestaltung der Altstadt", sagt der Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz, Mark Gellert.

PCB und Asbest werden entsorgt

Noch augenfälliger wird der Neubeginn im Herzen der Stadt, wenn im Dezember die Sanierer anrücken und 2010 die Bagger. Bevor diese ihr Werk beginnen, müssen umweltschädliche Stoffe wie PCB und Asbest fachgerecht entsorgt werden. Die Fahrt zur Deponie "treten sie in hermetisch abgeschlossenen Paketen an, um nichts nach außen dringen zu lassen", sagt Marion Spanier-Hessenbruch von der DomRömer GmbH. Die stadteigene Gesellschaft managt das Projekt Abbruch und Neubau.

Spezialbagger statt Abrissbirne

Nach den derzeitigen Plänen beginnt die Zerstörungsarbeit an der zum historischen Kaiserdom gerichteten Gebäudeseite. Kleine Spezialbagger werden dem leergeräumten Technischen Rathaus mittels eines Krans praktisch aufs turmgekrönte Dach steigen. Brocken für Brocken sollen sie Beton und Stahl herausbrechen und den Schutt oben direkt in Container abladen. Bewusst haben sich die Projektmanager für Bagger anstelle der dicken Abrissbirne entschieden. Denn in der Umgebung leben und arbeiten nicht nur viele Frankfurter, das Areal gehört auch zu den Touristenmagneten der Mainmetropole. "Der Bagger ist da leiser, schonender und verträglicher", so Spanier-Hessenbruch. Ständige Berieselung soll zudem die Staubbelästigung in Grenzen halten.

Zwei Millionen Jahre alter Ton

Die Ebene der Rathaus-Pförtnerloge vis-à-vis der Kunsthalle Schirn bleibt vorerst stehen. Der Gebäudeteil wird noch benötigt, um den Baugrund gegen von unten drückendes Grundwasser im Gleichgewicht zu halten.

Die Ursache des Phänomens liegt im innerstädtischen Boden: Ihn durchzieht eine dicke Schicht Frankfurter Ton, ein mehr als zwei Millionen Jahre altes Sediment. Der verformbare Ton erfordert spezielle Gründungstechniken, wie sie bei der Errichtung von Hochhäusern in "Mainhattan" ebenfalls zum Einsatz kommen. Bis zum Baubeginn der neuen Altstadt beobachten Experten den empfindlichen Untergrund. Spanier-Hessenbruch: "Wir haben Grundwasser-Messstellen eingerichtet, um Veränderungen festzustellen." Fünf Tiefenbohrungen lieferten die Datenbasis. Der Aufwand sei zwar enorm, aber lohnend.

Während oben die Bagger abreißen, werden im Keller des ausgedienten Technischen Rathauses Strippen gezogen. Stromleitungen werden umgelegt und gleichzeitig komplett erneuert, damit 2010 weder in der Schirn noch auf dem Weihnachtsmarkt die Lichter ausgehen. Für die Wasserleitungen steht eine Runderneuerung an. Mit Blick auf die Neubauten kommen voraussichtlich auch Verbindungen für eine umweltfreundliche Fernwärmeversorgung in die Erde. Die kompletten Abriss- und Umbauarbeiten veranschlagt die Stadt auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Für eine Reihe von Projekten laufen derzeit Vergabeverfahren. In gut einem Jahr soll das Technische Rathaus, dieser "Elefantenfu? in der City, dann endgültig Geschichte sein. Spuren davon werden den Bürgern eventuell eines Tage zu Füßen liegen: als recyceltes Material im Straßenbau.

Neue Altstadt ab 2013

An Stelle des Technischen Rathauses sollen bis 2013 etwa 30 neue Häuser entstehen. Ein Ensemble aus wahrscheinlich sechs Gebäuden wird historischen Vorbildern nachgebildet. Die Fassaden der übrigen Neubauten sollen sich ebenfalls an dem mittelalterlichen Stil der ehemaligen Altstadthäuser orientieren, deren Pracht 1944 in einer Bombennacht des Zweiten Weltkriegs unterging. Im Zuge der Altstadt-Rekonstruktion könnten Frankfurter und Besucher aus aller Welt eines Tages vielleicht wieder dem Krönungsweg folgen, jenem Weg, den die Gekrönten einst nach der Zeremonie im Dom zum Festmahl im Römer nahmen. Von der "neuen" Altstadt erhoffen sich die Frankfurter jedenfalls, dass sie zu einer ebensolchen Attraktion wird wie die "Ostzeile", die schon rekonstruierten Fachwerkhäuser auf dem Römerberg. Margarete Lausberg, pia

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