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Diverse Dienstleistungen der Post bietet Markus Kolb in seinem Laden weiterhin an. Aber den Kunden der Postbank kann er nicht mehr helfen.

Digitalisierung und verändertes Kundenverhalten

Postbank-Filiale in Götzenhain geschlossen - Kunden verzweifelt

Barbara Angermann ist seit 45 Jahren Postbank-Kundin. Während all dieser Zeit hatte sie immer einen Anlaufpunkt in Götzenhain, um von ihrem Konto Geld abzuheben. In den vergangenen Jahren war das die Papeterie von Markus Kolb in der Dietzenbacher Straße.

Götzenhain – Der Ladeninhaber verkauft nicht nur Zeitungen, Accessoires, alles rund ums Papier und Lottoscheine, bei ihm können die Kunden auch Pakete aufgeben und abholen. Zudem hat Kolb die Kunden der Postbank bedient. Damit ist seit einigen Wochen Schluss: „Ich war perplex. Es gab keine Ankündigung, keine Nachricht, dass ich in Götzenhain kein Geld mehr bekomme“, sagt Angermann. Die Postbank-Filiale wurde ersatzlos geschlossen. Die Kunden sollen auf die umliegenden Filialen ausweichen.

Die ehemalige Sozialarbeiterin ist sauer: „Wissen Sie, ich weiß mir schon zu helfen. Ich bin mobil und fahre mit dem Bus nach Sprendlingen zur Commerzbank oder zur Filiale in den Real-Markt, oder auch nach Langen“, erklärt die 85-Jährige. „Aber es gibt auch viele Postbank-Kunden bei uns im Ort, die alt sind und nicht mehr so gut zu Fuß. Das Busfahren bedeutet ja auch einen Aufwand.“ Und es kostet. „Wenn jemand nur eine Witwenrente oder Grundrente hat, macht sich das durchaus im Geldbeutel bemerkbar“, weiß die agile Seniorin.

Dreieich: Markus Kolb berichtet von verzweifelten Kunden

Markus Kolb berichtet von verzweifelten Kunden. „Einige Stammkunden standen hier im Laden und haben geweint“, erzählt der Ladeninhaber. Sonderlich überrascht war er selbst nicht von der Ankündigung der Postbank, die Filiale aufzugeben: „Ich mache das Geschäft seit 2009. In den ersten Jahren haben wir viele Konten eröffnet. Aber Götzenhain ist ja nicht groß und irgendwann war das Neukundengeschäft erschöpft.“ Er hat in den vergangenen Jahren beobachtet, wie eine um die andere Postbank-Filiale um ihn herum geschlossen wurde. Die Postbank in Dreieichenhain ist seit 2017 dicht, Urberach seit 2018. Einige Kunden kamen seither zu Kolb. 40 bis 50 Stammkunden sind bis Mai regelmäßig gekommen – seitdem gibt es auch in Götzenhain kein Geld mehr. Natürlich sei die Schließung der Postbank ein finanzieller Verlust für ihn, sagt Kolb. „Aber mir tun meine Stammkunden sehr leid, für die der Weg ans Konto zum Teil wirklich beschwerlich wird.“

Die ursprüngliche Post-Tochter ist seit 2015 ein Kind der Deutschen Bank. „Und da hört und liest man ja ständig, dass es dem Unternehmen nicht gut geht und Stellen abgebaut werden. Denen ist doch egal, wenn die Menschen hier in Götzenhain kein Geld mehr von ihren Konten abheben können“, ist Kolb resigniert.

Postbank-Ausstieg wegen Digitalisierung und verändertem Kundenverhalten

Die Postbank begründet den Ausstieg mit der Digitalisierung und verändertem Kundenverhalten. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte das Unternehmen mit, dass die Partnerfiliale geschlossen wurde, weil das Angebot an Finanzdienstleistungen nicht mehr kostendeckend war. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheint, rechnet sich eine Filiale nicht mehr überall. In Götzenhain haben wir eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt und festgestellt, dass wir dort unser Angebot nicht mehr kostendeckend betreiben können“, so Hartmut Schlegel von der Unternehmenskommunikation. Er rät den Postbank-Kunden, den Cashback-Bargeldservice im Rewe-Markt in der Raiffeisenstraße in Anspruch zu nehmen und wirbt für das Onlinebanking.

Stadträtin und Götzenhainerin Renate Borgwald ist entsetzt, wie leicht es sich die Postbank macht. Sie kündigt an, bei der Stadt anzufragen und auch im Bürgerverein Projekte der Nachbarschaftshilfe anstoßen zu wollen, damit die Götzenhainer Senioren nicht ohne Bargeld in ihrem Ort dastehen. Auch Barbara Angermann gibt nicht kampflos auf. Sie will einen Brief an Christian Sewing, den Chef der Deutschen Bank, schreiben. Die Seniorin kann nicht verstehen, wie man treue Kunden einfach so im Regen stehen lässt.

VON NICOLE JOST

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