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Werner Buthe plant die Großdemonstration.  

Rad-Aktivist Werner Buthe

Demo gegen IAA 2019: Er organisiert die Sternfahrt zur IAA in Frankfurt

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Der Fahrradaktivist Werner Buthe sorgt dafür, dass am kommenden Samstag Zehntausende vor die Tore der IAA an der Frankfurter Messe radeln.

Werner Buthe trägt ein schwarzes, verwaschenes T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin an allem schuld“. „Das ist meine Arbeitskleidung“, sagt er. „Wenn ich eine Veranstaltung organisiere, und jemand fragt, wo ist Werner, kann man antworten, das ist der Mann da vorne in dem schwarzen T-Shirt, der ist an allem schuld.“

Dabei geht es weniger um Schuld, mehr um Verantwortung. Buthe organisiert die große Fahrraddemonstration am 14. September zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA); eine Sternfahrt, bei der Zehntausende Radfahrer auf 13 Routen, die Züge genannt werden, zum Frankfurter Messegelände fahren, unter anderem aus Usingen, Königstein, Wiesbaden, Mainz, Groß-Gerau, Mannheim, Aschaffenburg, Hanau, Gelnhausen, Nidderau und Gießen. Die Abfahrtzeiten sind in den Städten und Gemeinden minutengenau angegeben. Ankunft ist um 14.30 Uhr an der Messe Frankfurt. Erwartet werden 20.000 Teilnehmer. Getragen wird die Großdemonstration unter dem Motto „#Aussteigen. Jetzt beginnt die Verkehrswende“ von einem breiten Bündnis aus ADFC, BUND, Campact, VCD, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace und Naturfreunde Deutschlands.

Demo gegen IAA 2019: Sternfahrt bedeutet riesigen Organisationsaufwand 

Die Sternfahrt zu organisieren, mache einen Riesenaufwand, sagt Buthe. 450 Stunden habe er in den vergangenen zehn Wochen damit verbracht, E-Mails zu schreiben, zu telefonieren, an Sitzungen teilzunehmen. Er stehe in Kontakt mit dem hessischen Innenministerium, mehreren Polizeipräsidien und dem Regierungspräsidium Darmstadt, das den unteren Verkehrsbehörden, also den Stadtverwaltungen, als Aufsicht übergeordnet ist.

Die Sternfahrt führt aus der Region über Landstraßen, Bundesstraßen, Autobahnen nach Frankfurt. Die Straßen werden von der Polizei gesperrt. Nötig seien weitere Ordner, sagt Buthe, der Interessierte aufruft, sich bei ihm zu melden. Die Ordner bekämen Leibchen und sicherten Kreuzungen, die die Polizei zuvor gesperrt habe. (Lesen Sie hier, wie sich die Polizei auf die IAA vorbereitet)

Erstmals so große Sternfahrt in Frankfurt - Teilnehmer demonstrieren gegen IAA

Sternfahrten gibt es unter anderem in Hamburg, Köln, Düsseldorf und Stuttgart. Die größte ist in Berlin. Dort fuhren bei der ADFC-Sternfahrt im Juni nach Angaben des Veranstalters 90 000 Menschen mit. Werner Buthe war dabei. Er trug sein T-Shirt „Ich bin an allem schuld“.

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Im Rhein-Main-Gebiet seien solche Großdemonstrationen, bei denen Zehntausende Radfahrer sternförmig auf ein Ziel zufahren, kaum bekannt. „Momentan muss ich oft erklären, was eine Sternfahrt eigentlich ist“, sagt er. „Bei der Sternfahrt nach Frankfurt lassen wir es langsam angehen.“ Es sei schließlich eine Premiere. Innerhalb der Städte werde im Durchschnitt zwölf Kilometer pro Stunde gefahren, was für Radfahrer gemächlich sei, außerhalb der Städte 15 Kilometer pro Stunde. Bei anderen Sternfahrten sei das Durchschnittstempo jeweils drei Kilometer pro Stunde höher.

Auch Fußgänger demonstrieren gegen IAA 2019 

Ordner werden: E-Mail an sternfahrt@iaa-demo.de, Stichwort „Ordner“.

Während die Radfahrer ab Samstagvormittag nach Frankfurt radeln, beginnt für Fußgänger um 11.30 Uhr eine Demo an der Hauptwache hin zur Messe. Am Nibelungenplatz in Frankfurt sammeln sich ab 13.30 Uhr Eltern mit Kindern für den „Kidical Ride“. Wenn die Radler aus Gießen und Nidderau an der University of Applied Sciences ankommen, schließen sich die Kinder dem Korso an und fahren auf den letzten Kilometern zum Messegelände vorneweg. „Die Kinder bekommen eine herausragende Rolle. Es geht schließlich um ihre Zukunft“, sagt Buthe. „Wir müssen die Klimaziele effizienter erreichen. Während die IAA läuft, ist es wichtig, dass auch Nicht-Autofahrer eine Stimme bekommen“, sagt er. Im offiziellen Aufruf zur Demonstration heißt es: „Mit der Verkehrswende könnte es ganz anders aussehen: Spielplätze statt Parkplätze; Flaniermeilen statt Blechlawinen; sicheres Radfahren; entspanntes Reisen mit Bus und Bahn; kluger Einsatz von erneuerbaren Energien statt klimaschädlichem Benzin und Diesel.“

Demo gegen Verbrennungsmotoren auf der IAA 2019

Die Demo zur IAA 2019 richte sich aber nicht gegen Autofahrer oder Autos, sagt Buthe. „Wir sind keine Fanatiker. Das Auto wird es noch lange geben. Nur haben sich in den letzten 50 Jahren zu viele Autos mit Verbrennungsmotor ausgebreitet. Diese überbordende Menge muss reduziert werden.“

Buthe, im verwaschenen T-Shirt, weit über 50, ist Kumpeltyp, Schnell- und Vielredner. Er hat Verkauf gelernt, arbeitet jetzt im Vertrieb, ist verheiratet, wohnt in Frankfurt. Die „Critical Mass“ in Bad Homburg, Wiesbaden und Offenbach habe er mit an den Start gebracht, auch in Darmstadt war er von Anfang an dabei. Die erste Bike-Night im Jahr 2011 setzte er „mit und für den ADFC in Hessen“ um, sagt er. Er organisiert den Internationalen Jugendtag (IJT) und den Internationale Kirchentag (IKT) der Neuapostolischen Kirche mit. Beim Radentscheid Frankfurt kümmerte er sich darum, dass Aktionen wie den Sprung mit Rädern in den Main klappte.

Er freue sich über die Entscheidung der Frankfurter Stadtverordneten, den Radentscheid-Kompromiss mitzutragen. „Aber erfolgreiche Metropolen gestalten den Verkehr, den sie wollen, mit einer aktiven Verkehrsplanung. Frankfurt baut momentan dem wachsenden Radverkehr hinterher.“

IAA in Frankfurt: Warum nicht eine Plattform für alle Mobilitätsformen?

Zum Gespräch kommt er mit dem Rad. Ein Auto hat er aber auch. „Für die Internationale Automobil-Ausstellung* wäre ich sofort Feuer und Flamme, wenn sie ihren Namen ändern würde in Internationale Mobilitäts-Ausstellung und sich alle Mobilitätsformen dort vernetzen könnten“, sagt er.

Weil dieses Umdenken noch nicht passiert sei, brauche es die Sternfahrt. Sie ist eingerahmt von Veranstaltungen zur Verkehrswende, etwa einer Diskussion von Attac am Freitag, 13. September, 19 Uhr, im Saalbau Schönhof, oder der Blockade der Eingänge des Frankfurter Messegeländes durch das Bündnis „Sand im Getriebe“ ab dem frühen Morgen am Sonntag, 15. September.

Wann die Sternfahrt erfolgreich sei? Buthe: „Wenn sie es schafft, Emotionen zu vermitteln und die Menschen zum Denken anregt.“

Aktivisten gegen die IAA 2019 fordern eine radikale Verkehrswende und wollen in Frankfurt auf die Straßen gehen, um gegen den „Dinosaurier“ Auto zu protestieren.

Von Florian Leclerc

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