Betonkoloss Technisches Rathaus fällt

Frankfurt. Am Schalthebel des kleinen Baggers bringt Petra Roth den 500 Kilogramm schweren Hydraulikhammer zielsicher in Bewegung: Resolut, wie es ihre Art ist, setzt die Oberbürgermeisterin auf der Balkonterrasse des bereits entkernten Technischen Rathaus zum »ersten Baggerbiss« an.

Frankfurt. Am Schalthebel des kleinen Baggers bringt Petra Roth den 500 Kilogramm schweren Hydraulikhammer zielsicher in Bewegung: Resolut, wie es ihre Art ist, setzt die Oberbürgermeisterin auf der Balkonterrasse des bereits entkernten Technischen Rathaus zum »ersten Baggerbiss« an. Mit dem am Montag begonnenen Abbruch des 1972 gebauten Betonkolosses, im Volksmund auch »Elefantenfu? genannt, hat die Stadt einen großen Schritt auf dem Weg zur teilweisen Wiederrichtung der Altstadt gemacht.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um das Projekt zwischen Kaiserdom und Römerberg lässt es Roth an großen Worten nicht fehlen: »Frankfurt wird sein Herz zurückbekommen«, sagt die CDU-Politikerin und spricht von einem »historischen Tag«. Frankfurts Altstadt, die bis zum Zweiten Weltkrieg zu den größten mittelalterlichen Stadtkernen in Deutschland zählte, war 1944 im Bombenhagel fast komplett untergegangen. Kleinteiliges Ensemble geplant

An der Stelle des Technischen Rathauses soll ein sehr kleinteiliges Quartier aus 29 Häusern entstehen, darunter eine komplett aufgebaute historische Zeile mit vier Fachwerkbauten. Direkt gegenüber wird der freiliegende »Archäologische Garten« überbaut, wo derzeit Relikte aus Römer- und Stauferzeit ausgestellt werden. In alter Pracht soll am Dom das Renaissance-Haus »Goldene Waage«, das mit seinem Belvedère einst zu den stattlichsten Häusern der Altstadt zählte, wieder entstehen wie auch das aus dem Jahr 1360 stammende »Rote Haus«.

Insgesamt wird eine Gesamtfläche von 7000 Quadratmetern - original und weniger original - bebaut. Die Häuser sollen für Einkaufen, Wohnen und Gastronomie genutzt werden. Damit solle der für seine Hochhaus-Architektur bekannten Stadt wieder ein »Stück Heimat«, so Roth, zurückgegeben werden.

Die Rückkehr der Fachwerkbauten hat der Stadt aber bei der Mehrzahl der Architekten keinen Beifall eingebracht. Kritiker befürchten ein neues »Disneyland« - ähnlich wie bei der vor über 25 Jahren auf dem Römerberg wiederaufgebauten Ostzeile. Die Stadt hat jedoch einen Vorschlag des Bundes Deutscher Architekten aufgegriffen und einen Gestaltungsbeirat aus Fachleuten eingerichtet, der den originalgetreuen Wiederaufbau begleiten soll.

Roth will in der traditionellen Krönungsstadt der römisch-deutschen Könige und Kaiser mit dem Wiederaufbau jungen Leuten wieder mehr Geschichtsbewusstsein vermitteln. Doch am Ziel ist die Stadt noch lange nicht. Erst im Verlauf der Bauarbeiten wird sich zeigen, ob historische Rekonstruktionen im Detail überhaupt noch machbar sind. So soll der »Krönungsweg«, den nach der Krönungszeremonie der Kaiser vom Dom zum Festbankett im wenige hundert Meter entfernten Römer nahm, auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt werden. Doch heute liegt darunter eine Tiefgarage - und die U-Bahn.

Auch beim Zeitplan wurden bereits deutliche Abstriche gemacht. Ursprünglich sollte die neue Altstadt Ende 2013 fertig sein. Jetzt ist von Dezember 2015 die Rede. Für das Projekt hat die Stadt eine eigene Gesellschaft gegründet, die das Areal künftig auch vermarkten soll.

Auch bei den Kosten, die derzeit auf rund 100 Millionen Euro veranschlagt werden, dürfte es noch Überraschungen geben. Allein der Abriss des Technischen Rathauses verschlingt 21 Millionen Euro. Der Betonklotz, dessen Architektur in den 1970er Jahre noch preisgekrönt wurde, wird jetzt von den leichten Raupenbaggern Stück für Stück abgetragen. Aus Gründen des Umwelt- und des Lärmschutzes für die Anwohner. Die rund 550 Beschäftigten des Technischen Rathauses sind bereits Ende vergangenen Jahres in andere Gebäude umquartiert worden.

Thomas Maier, dpa

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