Bahnhofsviertel noch immer ein Kriminalitätsschwerpunkt

Frankfurt (dpa). Schüsse vor einem Bordell, ein Würge- Angriff auf eine Tabledancerin und ein Überfall mit 10 000 Euro Beute: Das berüchtigte Bahnhofsviertel ist in den vergangenen Wochen wieder mehrfach mit Gewalt- und Drogenkriminalität aufgefallen.

Anfang Mai war ein 21-Jähriger vor einer Disco erstochen worden, der zwei bedrängten Frauen helfen wollte. Polizei und Stadt wollen jetzt noch härter durchgreifen, vor allem den Straßenstrich verbannen und gegen den Rauschgifthandel und -konsum vor Läden, Lokalen und Hotels vorgehen, der Anwohner, Touristen und Geschäftsleute massiv stört.

Der als künftiger Innenminister Hessens hoch gehandelte Staatssekretär Boris Rhein lobte am Dienstag bei der Vorstellung der "Sicherheitsoffensive" die "deutschlandweit einzigartige Zusammenarbeit" zwischen Polizei und Stadt. Das Bahnhofsviertel sei ein "besonderes, ein reizvolles Viertel", in dem sich in den letzten Jahren vieles zum Guten gewandelt habe, betonte der Frankfurter Christdemokrat.

Dieses Jahr über 2600 Anzeigen

Mehr als 2600 Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz habe die Polizei dieses Jahr bereits im Bahnhofsgebiet gestellt. Dazu kommen 107 Anzeigen wegen Waffendelikten und mehr als 3200 Platzverweise. 37 Haftbefehle wurden vollstreckt und über 17 Kilogramm Rauschgift sichergestellt. Zwei minderjährige Prostituierte wurden in Bordells aufgegriffen. Die Bilanz wertet Rhein als Zeichen, "dass da ganz intensiv ermittelt wird".

Denn: 20 Polizisten seien seit Jahresbeginn zusätzlich für Frankfurt abgestellt worden. 2011 sollten landesweit noch einmal 50 Beamte als eine Art schnelle Eingreiftruppe folgen, für Brennpunkte wie das Bahnhofsviertel. Seit kurzem sind zudem 15 uniformierte Stadtpolizisten im Quartier unterwegs. "Die Menschen müssen sehen, dass uniformierte Kräfte vor Ort sind", betonte Ordnungsdezernent Volker Stein von den Liberalen. Viele Polizeikräfte arbeiteten verdeckt, etwa im Kampf gegen die Hintermänner illegaler Prostitution von bulgarischen und rumänischen Frauen, sagte der zuständige Kriminaloberrat Thomas Seidel.

Polizei und Ordnungsamt wollen sich bei ihren Einsätzen enger absprechen. "Mindestens einmal in der Woche, nach Bedarf auch täglich", berichtete der neue Leiter des Ordnungsamtes, Jörg Bannach. Die im Bahnhofsviertel illegale Straßenprostitution soll auf den legalen Straßenstrich in der Nähe der Messe verdrängt werden.

Ansammlungen von Junkies sollen aufgelöst und die "rund 30 bis 40 besonders auffälligen Drogenabhängigen" (Stein) mit Gesprächen dazu gebracht werden, das Rauschgift in den dafür vorgesehenen Einrichtungen und nicht auf der Straße zu konsumieren.

Im Bahnhofsviertel seien Kraftanstrengungen über das normale Maß hinaus nötig, sagte Stein. "Und es wird nicht einfacher werden." Die EU-Erweiterung um südosteuropäische Staaten habe etwa neue Probleme bei illegaler Prostitution und kriminellen Strukturen im Bettlerwesen hervorgebracht.

"Eine Daueraufgabe"

Dagegen sei es gelungen, dem illegalen Hütchenspiel nach rund 20 Jahren vollständig Herr zu werden. Eine 16-köpfige Bande sei im Herbst 2009 nach langen verdeckten Ermittlungen überführt worden, berichtete Seidel. Auch im Rotlichtmilieu sieht er deutliche Verbesserungen: Vor zehn Jahren seien 1000 illegale Frauen in den Bordells überführt und einige Häuser geschlossen worden. "Die Arbeitsbedingungen der Frauen haben sich wesentlich verbessert und es gibt auch viel weniger Illegale". Und Rhein betont: "Die Verbesserung der Situation im Bahnhofsviertel ist eine Daueraufgabe.

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