Absolute Fitness ist Grundvoraussetzung

Frankfurt. Gleißendes Neonlicht flammt auf, aus dem Lautsprecher kratzt eine Stimme, Jonny Hapke springt auf. "Das ist für mich", sagt er noch und sprintet die Treppe herunter. Der 26-Jährige will Feuerwehrmann werden.

Frankfurt. Gleißendes Neonlicht flammt auf, aus dem Lautsprecher kratzt eine Stimme, Jonny Hapke springt auf. "Das ist für mich", sagt er noch und sprintet die Treppe herunter. Der 26-Jährige will Feuerwehrmann werden. Bei der Werksfeuerwehr im Industriepark Höchst sind solche plötzlichen Einsätze wegen eines Feueralarms für ihn seit sechs Wochen Alltag. Hapke ist einer von zwei Auszubildenden des Betriebs mit über 100 Feuerwehrmännern. 18 Monate dauert seine Ausbildung, die er im vergangenen Jahr begann. Zunächst lernte er in einer Art Grundausbildung die Flughafenfeuerwehr kennen. Inzwischen fährt er jeden Tag selbst bei Einsätzen mit.

Zuvor Lehre abgeschlossen

Hapke hat schon eine Lehre als Kfz-Mechaniker abgeschlossen. Das ist bisher die Regel für Feuerwehrmänner: Erst eine Ausbildung, dann die eineinhalbjährige Fortbildung zum Feuerwehrmann obendrauf. Hessen erprobt jedoch als erstes Bundesland gerade eine neue dreijährige Ausbildung für Feuerwehrmänner. Ab dem 1. September absolviert der erste Jahrgang zunächst 18 Monate eine Grundausbildung in Feuerwehr- und Elektrotechnik sowie Chemiekunde, sagt Jürgen Seitz von der Werksfeuerwehr des Industrieparks Höchst.

Anschließend lernen die Lehrlinge die Praxis kennen.

Wie die meisten Bewerber hat sich Hapke initiativ bei der Werkfeuerwehr beworben. Interessenten gibt es mehr als Ausbildungsplätze: "Wir erhalten kontinuierlich Bewerbungen", sagte Ausbildungsleiter Seitz. "Die meisten Bewerber sind feuerwehrangehaucht." Die größte Hürde ist für viele die absolute Fitness, die zur eigenen Sicherheit verlangt wird.

Auch die anderen Tests haben es in sich, sagt Nikolaus Meyer von der Branddirektion der Stadt Frankfurt. Mehr als 900 Bewerber melden sich hier auf jede der zwei Ausschreibungen pro Jahr. Bis zu 48 Leute könnte die kommunale Berufsfeuerwehr jährlich aufnehmen, doch so viele schaffen es meistens nicht durch die harte Sichtung. Die Vollausbildung ohne vorherigen Beruf gibt es bei den Kommunalen Wehren aber noch nicht, eine Berufsausbildung bleibt hier die Grundvoraussetzung. "Das müssen aber nicht unbedingt technische Berufe sein, wir haben auch Versicherungskaufleute in unseren Reihen", berichtet Meyer.

Hapke hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als er elf Jahre alt war, trat er in die Jugendfeuerwehr ein. Nach seiner Lehre arbeitete er bereits bei Infraserv, dem Betreiber des Industriepark Höchst und der Werkfeuerwehr. Dabei schraubte er bereits an seinem jetzigen Arbeitswerkzeug: Er reparierte die Feuerwehrautos.

Heute fährt er jeden Tag mit den Fahrzeugen: Ertönt der Alarm, hat der 26-Jährige nur wenige Minuten, um mit seinen fünf Kollegen zum Einsatzort zu gelangen. Als erstes schlüpft der Auszubildende in die feuerabweisende und hitzebeständige Schutzkleidung und springt ins Fahrzeug hinter die Fahrerkabine. Gegenseitig schnallen sich die Feuerwehrmänner dann die Atemschutzgeräte auf den Rücken. Mit gelben Schlauchtragekörben in der Hand hechten die Einsatzkräfte zur Brandmeldezentrale. Dort liegen bereits Laufkarten aus, die den Weg zum Brandmelder weisen, der Alarm geschlagen hat. Die Schläuche werden bei Bedarf an Wandhydranten angeschlossen.

Auf solche Einsätze muss ein Feuerwehrmann im Schichtdienst stets vorbereitet sein. Ein Wachdienst geht 24 Stunden. "Da kann der Gong auf um zwei Uhr nachts ertönen", sagte Seitz. Nach dem Wachdienst hätte daher jeder erstmal einen kompletten Tag frei. Erst am zweiten Tag ginge es weiter mit einem etwa achtstündigen Tagdienst, der vor allem für Wartung der Anlagen nötig sei.

Häufig Fehlalarm

Meistens fahren die Feuerwehrmänner wegen eines Fehlalarms los. "Doch man weiß nie, was auf einen zukommt", sagt Hapke. Falls es tatsächlich brennt, müsse er gut vorbereitet sein. Als Feuerwehrmann bräuchte man daher "eine gewisse Ruhe", beschreibt der Auszubildende das Spannungsverhältnis zwischen Bereitschaftsdiensten und einem Großeinsatz. Doch nicht nur Brände wird er während seiner Ausbildung löschen. "Besonders spannend an der Arbeit im Industriepark finde ich die Beseitigung von chemischem Gefahrgut", sagt der 26-Jährige.

Stefan Ludwig, dpa

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