30. August 2018, 20:22 Uhr

Zwei Türme, eine Geschichte

30. August 2018, 20:22 Uhr

Heinrich Rudolf Walbe war Architekt, Hochschullehrer, Denkmalpfleger und Baubeamter. 1865 in Niederschlesien geboren, war er ab 1903 Denkmalpfleger der Provinz Oberhessen. Mit seiner Kamera zog Walbe los und hielt das Leben in der westlichen Wetterau fest – so auch in Ober- und Niedermörlen. Eine Vielzahl seiner Bilder, zwischen 1903 und 1932 entstanden, ist im Walbe- Archiv erhalten geblieben und gehört zu den wertvollsten Schätzen des Wetterauer Medienzentrums.

In der Reihe »Kostbarkeiten aus dem Walbe-Archiv« mit Aufnahmen von Heinrich Walbe, ab 1902 Denkmalpfleger für die Provinz Oberhessen, zeigen wir heute die evangelische Pfarrkirche in Nieder-Wöllstadt und die katholische Kirche in Ober-Wöllstadt. Dabei handelt es sich um die einzigen erhaltenen Fotos Walbes von Wöllstadt.

Die evangelische Pfarrkirche in der Frankfurter Straße in Nieder-Wöllstadt ist ein barocker Saalbau, der an der Stelle eines mittelalterlichen Vorgängerbaus Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Bauherren waren die Grafen von Solms-Rödelheim, die bereits 1540 die Reformation in Wöllstadt eingeführt hatten.

In Ober-Wöllstadt haben die Kurmainzer Landesherren die Rekatholisierung betrieben. Der mittelalterliche Kirchenbau wurde im Jahre 1753 durch die bis heute erhaltene Saalkirche ersetzt. »Der schmalere dreiseitig abgeschlossene Chor ist in seiner Gestalt vermutlich auf den Vorgängerbau zurückzuführen«, heißt es in der Denkmaltopografie für den Wetteraukreis. Der Westturm wurde im Jahre 1888 angefügt. Im selben Jahr wurde auch das Pfarrhaus westlich des Kirchhofs erbaut. »Das Innere der Kirche wird von einer qualitätsvollen Ausstattung durchweg des 18. Jahrhunderts geprägt.

Zwischen den zwei Wöllstädter Ortschaften wird seit Mitte des 11. Jahrhunderts in schriftlichen Überlieferungen unterschieden. Vielerorts wurden durch Siedlungskonzentration nahe und gleichnamige Orte erst im Spätmittelalter durch Zusätze wie Nieder und Ober unterschieden. Im Falle von Wöllstadt ist das schon im hohen Mittelalter zu beobachten.

In der Denkmaltopografie des Wetteraukreises heißt es, dass von einer Gleichrangigkeit zwischen Nieder- und Ober-Wöllstadt auszugehen sei. Zentrum der entstehenden Dörfer war in beiden Fällen vermutlich eine grundherrschaftliche Eigenkirche und ein herrschaftliches Gehöft in der Nähe.

Nieder und Wöllstadt waren gemeinsam Bestandteil des Landgerichts gen Assenheim, in dem seit dem 14. Jahrhundert die Falkensteiner als bedeutende Grundherren in der Nachfolge der Münzenberger auftraten. Neben den beiden Wöllstadt-Orten gehörten die Dörfer Bruchenbrücken, Fauerbach (Friedberg), Ossenheim, Bauernheim und Nieder-Rosbach zu diesem Gerichtsbezirk.

Orte auf dem Scheideweg

Das Aussterben der Falkensteiner im Jahre 1418 ließ Nieder- und Ober-Wöllstadt getrennte territoriale Entwicklungswege einschlagen. Verpfändungen und Gebietsaustausche sorgten in den folgenden Jahrzehnten dafür, dass Nieder-Wöllstadt solmsisch, Ober-Wöllstadt hingegen eine Kurmainzer Exklave wurde.

Die Vereinigung der beiden Wöllstadt-Orte gelang erst im Jahre 1806, indem Nieder-Wöllstadt dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zugeschlagen wurde. Bereits drei Jahre früher kam Ober-Wöllstadt mit den durch die Säkularisation aufgelösten Gebieten des Bistums Mainz an Hessen- Darmstadt.

Die Bilder von Walbe zeigen nicht nur Gebäude, sondern auch Ausschnitte aus dem Leben in der Wetterau. Für die meisten Menschen war es ein einfaches Leben, das von harter körperlicher Arbeit geprägt war. Die Fotografien wurden digitalisiert und dauerhaft für die Nachwelt erhalten. Damit können auch künftige Generationen von diesem reichen Schatz profitieren.

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