02. September 2018, 06:00 Uhr

Schandfleck verschwindet

Zwei Neubauten: Knifflige Baustelle im Zentrum

Staubig, von hässlichen Mauern begrenzt, mit Stellplätzen und einem Lastenaufzug versehen – ein Schandfleck in der Schulstraße. Eine Herausforderung für jeden Architekten, einer traut sich jetzt.
02. September 2018, 06:00 Uhr
Ein attraktives Ensemble sieht anders aus: Vor dieses Bild schiebt Investor Christian Wohlgemuth seinen Neubau auf dem Grundstück Schulstraße 11. (Fotos: Nici Merz)

An der Schnittstelle zwischen Neu- und Altstadt bietet sich Passanten ein unschönes Bild. Hinter dem von drei verfallenen Häusern befreiten Grundstück Schulstraße 11 fällt der Blick auf ein Sammelsurium von Gebäuderückseiten, deren Vorderfronten zur Stresemann- oder Alicestraße gehören. Nichts passt so recht zusammen, Mauern ohne Putz oder mit schadhaftem Anstrich sind zu sehen. Dieses unattraktive Panorama wird bald verschwinden. Dafür sorgt der Bad Nauheimer Architekt und Investor Christian Wohlgemuth, der die Grundstücke Schulstraße 11 und Alicestraße 11 im April von Gisela Adam erworben hat.

Nach jahrelangem Hickhack sind die heruntergekommenen Gebäude an der Schulstraße Mitte 2017 abgerissen worden. Das seit Jahren verwaiste Wohnhaus Alicestraße 11 soll 2019 plattgemacht werden. Bis dahin will Investor Wohlgemuth die letzten Details mit den Behörden abstimmen. »Die Nachbarn sind informiert und mit der Planung einverstanden«, sagt der Architekt.

Zwei Anläufe gescheitert

Diese Gespräche waren sehr wichtig, denn 2014 war ein Wohnbau-Konzept gescheitert – nicht zuletzt am Widerstand der Anlieger. Etliche Jahre zuvor hatte Geschäftsfrau Gisela Adam, bis 2008 Besitzerin einer Parfümerie in der Stresemannstraße, die Absicht, die Fußgängerzone durch eine Einkaufspassage zwischen Schulstraße 11 und Alicestraße 11 aufzuwerten. Letztlich landete auch dieser Entwurf im Papierkorb.

Jetzt also Christian Wohlgemuth. Er ist in Bad Nauheim bekannt, hat mehrere Projekte mit Eigentumswohnungen zum Erfolg geführt. Zudem ist er Besitzer des Teichhauses. »Auf den beiden Grundstücken entstehen sieben Wohnungen und ein Laden«, beschreibt er sein Ziel. Der Neubau in der Schulstraße wird als Riegel vor die unattraktive Freifläche geschoben.

Zwei Probleme

Dort stellen sich zwei Probleme. Aus Platzmangel kann der Investor weder Tiefgarage noch Aufzug errichten. Um ausreichend Stellplätze zu schaffen, wird das Erdgeschoss vier Garagen vorbehalten sein. In den drei Etagen darüber sind drei jeweils 75 Quadratmeter große Eigentumswohnungen vorgesehen. Auch die sechs weiteren Stellplätze entstehen oberirdisch: vier hinterm Neubau in der Schulstraße, zwei in einer Doppelgarage, die dem Gebäude Alicestraße 11 zugeordnet ist.

Klein, aber unfein: Das Haus Alicestraße 11 (l.) wird einem Neubau weichen.
Klein, aber unfein: Das Haus Alicestraße 11 (l.) wird einem Neubau weichen.

»Dieser Neubau wird höher als das alte Haus. Es gibt fünf Stockwerke, im Erdgeschoss ist ein Ladengeschäft geplant«, sagt der Architekt. Damit wird sich das Haus den Nachbargebäuden angleichen, wo im Erdgeschoss überall Einzelhändler oder Dienstleister zu finden sind. In den vier oberen Etagen wird jeweils eine etwa 160 Quadratmeter große, barrierefreie Wohnung errichtet. Die Wohnung im ersten Stock erhält auf der Doppelgarage eine Art Dachterrasse, die übrigen Einheiten bekommen Balkone.

Bauzeit: 15 Monate

Im Februar oder März will Wohlgemuth abreißen. Als Bauzeit hat er 15 Monate veranschlagt. »Es ist eine schwierige, aber schöne Aufgabe und wird eine knifflige Baustelle«, erklärt der Investor. Aufgrund dieser Voraussetzungen sowie der deutlich gestiegenen Grundstücks- und Baupreise wird er für die Wohnungen so viel verlangen, wie der Markt hergibt. »Bei der Spitzenlage bewege ich mich im oberen Preissegment.«

Gisela Adam, der das Gebäude Alicestraße 13-15 gehört, nutzt die Gelegenheit zur umfassenden Sanierung. »Ich werde im rückwärtigen Bereich einen Aufzug anbauen, die Wohnungen in drei Stockwerken sanieren und die Vorderfront samt Balkonen instand setzen.« Die Arbeiten gingen etwa zeitgleich zum Wohlgemuth-Projekt vonstatten. Die Wohnungen stünden weitgehend leer, eine Sanierung in vermieteten Räumen sei nicht möglich. »Es hat lange gedauert. Aber jetzt wird richtig Geld in die Hand genommen, um diese Ecke aufzuwerten«, sagt Adam.

Erfreut reagiert Bürgermeister Klaus Kreß auf die Initiative der Eigentümer. »Ich begrüße die Entwicklung ausdrücklich.« Der Fachbereich Stadtentwicklung befinde sich in enger Abstimmung mit Wohlgemuth. Grundsätzlich sehe die Stadt keine größeren Probleme bei der Umsetzung des Vorhabens.

 

Info

Lange Diskussion über Abriss

Bereits 2003 hatte die Denkmalschutzbehörde erklärt, die drei verfallenen Minihäuser in der Schulstraße 11 seien nicht mehr erhaltenswert. Doch es sollte noch 14 Jahre dauern, bis die Ruinen endlich abgerissen werden konnten. Davor hatte die Stadt stets auf ihre Bestimmungen zum Ensembleschutz der Altstadt verwiesen. Danach muss normalerweise dem Abriss sofort ein Neubau folgen. Diese Vorgabe konnte die ehemalige Eigentümerin der Schulstraße 11 lange Zeit nicht erfüllen. Erst 2017 durfte endlich abgerissen werden, auch weil sich die Gebäude langsam zum Sicherheitsrisiko entwickelt hatten. Seitdem wird die Freifläche als Parkraum genutzt. (bk)

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