31. August 2018, 14:00 Uhr

Horlofftalbahn

Wieder Züge zwischen Wölfersheim und Hungen

In einigen Jahren könnten wieder Züge zwischen Wölfersheim und Hungen fahren. Vom Land gab es dafür grünes Licht. Nun befassen sich die Kommunen mit der Reaktivierung der Horlofftalbahn.
31. August 2018, 14:00 Uhr

In Wölfersheim in den Zug steigen, in Frankfurt aussteigen. Fahrzeit: unter 50 Minuten. Im Moment ist das noch unvorstellbar. Doch das könnte sich in einigen Jahren ändern – wenn zwischen Wölfersheim und Hungen wieder Züge fahren. Bis dahin allerdings sind noch einige Schritte (und vor allem Investitionen) notwendig. Die Voraussetzungen sind aber geschaffen: Die Reaktivierung der Horlofftalbahn, an die 15 Jahre kaum einer so richtig geglaubt hat, auf die aber viele gehofft hatten, ist realistisch. Die Landesregierung in Wiesbaden war vor einigen Wochen nach einer Kosten-Nutzen-Analyse sämtlicher stillgelegter Bahnstrecken zu dem Ergebnis gekommen: Es lohnt sich, die Pläne für eine Reaktivierung der seit 2003 stillgelegten Strecke aufzunehmen. Das empfahl Minister Tarek Al-Wazir den Anlieger-Kommunen. Zudem stellte das Land eine finanzielle Beteiligung in Aussicht.

 

Kosten: Über 20 Millionen Euro

 

Eine finale Zusage ist das zwar noch nicht, dennoch wird das Thema nun in sämtlichen Gremien besprochen, Grundsatzbeschlüsse werden gefasst. So auch in Wölfersheim. Dort hat sich die Gemeindevertretung am Mittwoch mit der Horlofftalbahn beschäftigt und einen einstimmigen Beschluss gefasst, wonach die Reaktivierung befürwortet wird – gemeinsam mit der Stadt Hungen, dem Wetteraukreis, dem Landkreis Gießen und dem Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe. Es geht auch darum, die Wiederinbetriebnahme bestmöglich zu unterstützen und voranzutreiben.

 

Park-and-Ride-Parkplätze geplant

 

Laut Beschluss erklärt die Gemeinde u.a. ihre Bereitschaft dazu, im Rahmen der Realisierung anteilig Kosten zu übernehmen. Die Kosten für die Wiederaufnahme werden aktuell auf 20,7 Millionen Euro geschätzt, von denen das Land 85 Prozent übernehmen würde. Den Rest müssen die Kreise tragen. Die Kommunen wollen sich beteiligen.

Zudem heißt es im Beschluss, die erforderlichen Maßnahmen im Umfeld der Bahnhöfe in Wölfersheim und Berstadt seien rechtzeitig zu planen, etwa Park-and-ride-Parkplätze. Und: »Die sich im Besitz der Gemeinde befindliche Infrastruktur der Horlofftalbahn soll an den künftigen Betreiber übertragen werden. Der RMV steht in Verhandlung mit der DB Netz.«

 

Arbeiten am Bahnhof Beienheim

 

Bis tatsächlich Züge fahren, gibt es noch viel zu tun. Da ist einmal die Strecke an sich: Seit 2011 gehört der Gemeinde der Teil, der im Wölfersheimer Gemeindegebiet liegt. Die Strecke ist zwar gepflegt worden, dennoch muss sie für die Nutzung in Schuss gebracht werden – zum Beispiel muss der Oberbau (Gleise, Schotter) erneuert werden, Bahnübergänge müssen gesichert werden.

Sollen Züge von Hungen nach Frankfurt fahren, ohne dass Fahrgäste umsteigen müssen, stehen vor allem Arbeiten am Beienheimer Bahnhof an. An diesem sollen später Züge gekoppelt werden, die aus Richtung Hungen kommen; mit denen, die aus Richtung Nidda kommen – damit es nahtlos weitergehen kann nach Frankfurt. Die aktuelle Situation: Wer von Wölfersheim nach Frankfurt fährt, muss zunächst nach Friedberg, dort entweder in die Regionalbahn (insgesamt 55 Minuten unterwegs) oder die S-Bahn (66 Minuten) steigen.

 

Kosten noch unklar

 

Auf die Gemeinde wird nun eine Menge zukommen. »Es werden spannende Jahre, bis wir eventuell wieder einen Zug bekommen, der auf der Strecke fährt«, sagte Bürgermeister Eike See (SPD). »Ich bin selbst 15 Jahre gependelt, das war nicht schön. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir den Menschen in unserer Gemeinde den Gefallen tun können und die Verbindung ins Rhein-Main-Gebiet verbessern.« Die Gemeinde wolle eng mit der Stadt Hungen zusammenarbeiten, die einen fast identischen Beschluss gefasst hat.

Welche Kosten und Aufgaben konkret auf die Gemeinde zukommen, steht noch nicht fest. Überhaupt ist noch vieles vage. Auch, wie sich die Reaktivierung auf den Verkehr auswirken wird (gerade zu Stoßzeiten, da die Strecke auch die Bundesstraße kreuzt), wie SPD-Fraktionsvorsitzender Karl-Ernst Pulkert anmerkte. Wie auch immer: Sicher ist, dass das Projekt von allen Fraktionen unterstützt wird.

 

Info

15 Jahre Hoffen

Vor 15 Jahren war es vorbei, die Horlofftalbahn wurde stillgelegt. Sogleich begann jedoch der Einsatz für eine Reaktivierung. Bürger wie Politiker setzten sich dafür ein. Die AG Horlofftalbahn gründete sich und kämpfte all die Jahre für eine Wiedernutzung der Strecke. Mit dem Kauf der Strecke acht Jahre nach der Stilllegung haben die Kommunen Wölfersheim und Hungen bereits 2011 in das Projekt investiert: 168 000 Euro zahlte Wölfersheim damals, Hungen 82 015 Euro. Auch bei der Planung der Infrastruktur ist eine mögliche Reaktivierung nie außer Acht gelassen worden: Beim Bau des Wölfersheimer Kreisels ist die Option bedacht worden. Zudem kaufte die Gemeinde den Bahnhof, an dem gerade gebaut wird. Daneben gibt es die Absichtserklärung, die Umbauarbeiten am Bahnhof Beienheim finanziell zu unterstützen. (sda)

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