18. Juli 2018, 14:01 Uhr

Wie Kinder leben wollen

Eine Woche lang durften Ferienspielkinder ihre eigene Stadt bauen. Aus Paletten, Holz, Nägeln und Schrauben und einer Menge bunter Farbe. Welche Gebäude nach ihrer Ansicht zu einer Stadt dazugehören, erfuhren die Gäste am Samstag beim Abschlussfest auf dem Bolzplatz in Ober-Florstadt. Noch ist aber nicht sicher, was nun mit den Holzhäuschen geschieht.
18. Juli 2018, 14:01 Uhr
Eine Kirche haben gebaut (v. l.): Paulina Lehr, Raik Wittmer, Nils Dillemuth und Georg Mentes.

Es gibt einen Wunschbuchladen und ein Clubhaus mit der Aufschrift »Girls are Super-Heroes – Mädchen sind Super-Heldinnen!«, eine Eisdiele und einen bestens sortierten Laden mit Gemüse aus dem Garten der Karl-Weigand-Grundschule samt Café. Man kann sich in einem Reisebüro beraten lassen, in der Kirche für wenige Cent die Original-Glocke des alten Reichelsheimer Rathauses läuten, in der Villa »Kinderbunt« chillen oder sich am Rathaus mit Politikern treffen: Die »Bunte Kinderstadt« – unter der Regie der Initiative »BuntErLeben« und der Jugendpflege 4.0 – erfüllte viele Wünsche der etwa 35 Mädchen und Jungen zwischen acht und zwölf Jahren. Eine Woche hatten sie auf dem Ober-Florstädter Bolzplatz bei den Ferienspielen geplant, gesägt und geschraubt.

Die Idee zum Bau einer Kinderstadt stammt von der Florstädter Erzieherin Isabel Unger, die das in verschiedenen Großstädten bereits erfolgreiche Konzept bei einer Fortbildung kennengelernt hatte. In Rochsane Mentes, Fachstellenleiterin von »BuntErLeben«, sowie den Bürgermeistern der vier sowohl an der Jugendpflege 4.0 als auch an »BuntErLeben« beteiligten Kommunen Florstadt, Reichelsheim, Echzell und Wölfersheim fand sie Unterstützer. Helfer, Betreuer und Eltern sowie Sponsoren waren ebenso bald gefunden.

Ein Schild verkündet stolz, dass das Betreten der Kinderstadt vor allem Kindern gestattet ist – erst in zweiter Linie den Erwachsenen, die sich beim Sommerfest allerdings zahlreich eingefunden haben. Sie schlendern über das großzügige Gelände und lassen sich die einzelnen Gebäude erklären.

 

Zucchini aus dem Schulgarten

 

»Das Rathaus haben die Betreuer gebaut – aber alles andere ist komplett unsere Idee«, verkünden die Kinder stolz. Hilfe der Erwachsenen war an manchen Stellen nötig. Statik und Wetterfestigkeit der aus Europaletten, Regalbrettern und Vierkanthölzern sowie Dachpappe gebauten Mini-Häuser mussten überprüft werden, Wünsche und Realistisches einander angepasst werden.

»Wir sind Leseratten, unser Wunschbuchladen war uns total wichtig«, unterstreichen Laura, Annkathrin, Helene und Therese. Unter dem Dach ihrer Bücherei laden Sitzwürfel und eine Bank mit Kissen zum Lesen ein, es gibt sogar eine Garderobe, eine Rezeption und natürlich gut gefüllte Bücherregale. »Man nimmt sich einfach ein Buch, schmökert, solange man will, und stellt es wieder zurück«, erklären die Bibliothekarinnen.

Das Team vom Eisstand freut sich über das gute Wetter, und die Jungs vom Schulgarten-Gemüsestand sind stolz auf die selbst geernteten Früchte: »Die Zucchini sind so groß, die können wir halbieren und immer noch 2,50 Euro dafür verlangen«, stellen sie fest. Alle Einnahmen und Spenden kommen der gemeinsamen Jugendpflege zugute.

 

Platz auf Dauer gesucht

 

Die liebevoll ausgeschmückte Kirche der Kinderstadt verfügt über eine Rarität: Horst Wenisch, Büroleiter der Stadt Reichelsheim, hat dem Gotteshaus die Glocke des historischen Rathauses zur vorübergehenden Nutzung überlassen. Auch eine Kirchturmuhr und ein Kirchenfenster mit Transparentpapierschmuck zieren das Gebäude. Das Team ist stolz auf seine »Bunte Kirche«: »Bei uns wären alle Kinder willkommen, auch aus anderen Ländern und mit anderer Hautfarbe.«

Schule, Feuerwehr, Bank und Krankenhaus fehlen in der Stadt. »Aber das könnten wir ja alles noch dazubauen – wenn unsere Stadt stehen bleiben dürfte«, sagen die Kinder und sprechen einen schmerzhaften Punkt an: Die meisten Häuser werden demontiert, da das Projekt keinen Platz auf Dauer gefunden hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Der Buchladen soll, so ist zu hören, in die Karl-Weigand-Schule transportiert werden, und die evangelische Kirchengemeinde Florstadt denkt über Verwendungsmöglichkeiten der Kinderkirche nach.

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