18. August 2018, 18:00 Uhr

Körpersprache

Was unser Körper verrät

Ursula Pfautsch kennt als Körpersprachen-Expertin die Signale, auf die es ankommt. Im Interview spricht sie über Verhaltensregeln, unseren Gang und sagt, wieso Frauen weiblich bleiben sollen.
18. August 2018, 18:00 Uhr

 

Frauen lächeln häufiger, Männer sind dominanter. Extrovertierte machen eher große Schritte, Introvertierte kleine. Die Signale, die wir durch die Sprache unseres Körpers senden, verraten eine Menge über uns. Ob wir gut im Team arbeiten oder eher zur Kratzbürstigkeit neigen, ob wir unsicher oder selbstbewusst sind – Ursula Pfautsch erkennt solche Dinge, wenn sie einen Menschen, seine Gestik oder bloß seinen Gang beobachtet. Muss sie auch: Körpersprache ist das Geschäft der Rosbacherin. Sie bereitet zum Beispiel Angestellte auf eine Präsentation vor, trainiert mit Führungskräften das richtige Verhalten oder trainiert sicheres Auftreten auf der Baustelle. Ja, Auftreten ist stets wichtig und immer an die Situation gebunden.

Seit 1988 ist Ursula Pfautsch selbstständig, leitet mit ihrem Mann Christian Pfautsch die Pfautsch-Marketing-Agentur. Sie hat sich fortgebildet, hat etwa mit einem Lehrer an ihrer Körpersprache gearbeitet und ein Jahr mit einem Pantomimen. Als Mitglied im Unternehmerinnen-Netzwerk Wetterau gibt sie zudem Seminare für Frauen. »Frauensprache – Männersprache« heißt eins, das sie kürzlich angeboten hat. Über ihre Arbeit in der Agentur sagt sie: »Wir geben unsere Erfahrungen auf der Basis des gelernten Wissens gern weiter. Das macht allen große Freude.«

 

Frau Pfautsch, wenn ich ein Gespräch auf Augenhöhe führen möchte, wie signalisiere ich das durch meine Körpersprache?

Ursula Pfautsch: Auf Augenhöhe bedeutet: Gerader Blickkontakt, Spannung im Körper und Hände auf den Tisch legen, nicht unterm Tisch halten. Wichtig ist dann die Sitzhaltung. Das heißt, ich sitze auf der Stuhlkante, habe beide Beine nebeneinander und sie stehen fest auf dem Boden. So zeige ich mehr Präsenz. Außerdem schaue ich mir zuerst einmal an, bei wem ich zu Gast bin. Steht er hierarchisch über mir oder nicht? Deutschland ist heute noch so geprägt, auch wenn in vielen Unternehmen das Du eingeführt wird. Das halte ich nicht für sinnvoll. Denn: Wenn ich plötzlich meinen Chef duzen soll, hat das nichts mehr mit Augenhöhe zu tun.

 

Charmant sein, aber nicht flirten

 

Die Hände auf dem Tisch – das ist eine Geste, die Sicherheit vermittelt. Die Beine übereinanderschlagen auch?

Pfautsch: Nein, das ist die Frau. Damit zeigt sie weibliche Attribute.

Welche sind das?

Pfautsch: Die langen Beine, der Po, die Brust, die Augen und die Haare.

Soll Frau zeigen, was sie hat? Auch in einem Gespräch mit einem Mann?

Pfautsch: Ja und nein. Das kommt darauf an, was sie will. Wenn ich auf Augenhöhe mit jemandem reden und akzeptiert werden will, dann lasse ich das Flirten weg. Charmant kann ich nach wie vor bleiben.

Was sollte ich noch vermeiden?

Pfautsch: Dass beide Hände in den Taschen sind, zum Beispiel.

 

Dominante Männer

 

Sie gestikulieren viel mit Ihren Händen.

Pfautsch: Ja, klar. Ich bin nur 1,55 groß. So nehme ich mehr Raum ein. Ich werde schneller wahrgenommen.

Wie ist das: Gibt es DEN körpersprachlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen?

Pfautsch: Der größte Unterschied, den ich beobachte, ist, dass Frauen meistens viel zu höflich sind. In ihren Bewegungen sind sie zu schmal, sie gestikulieren zu wenig. Sie setzen sich brav hin und lächeln.

Worauf kommt es beim Sitzen an?

Pfautsch: Ich kann mich im Stuhl zurücklehnen, dann wirke ich arroganter. Oder: Ich kann mit meinem Oberkörper nach vorne kommen. Dann wirke ich aufmerksamer und bin näher bei Ihnen. Ein Mann kommt in den Raum, sagt laut »Guten Tag«. So ist er einfach da. Männer wirken oft dominanter, zeigen mehr Kraft. Dann setzt er sich erst einmal hin. Häufig breitbeinig. Frauen kommen in den Raum, sagen nett »Guten Tag« und warten ab. Sie bewegen sich angepasster und schlagen häufig die Beine übereinander.

 

Frauen und das Lächeln

 

Wie ist es mit dem Gang? Was lässt sich daran ablesen?

Pfautsch: Ich habe mich immer zur Decke strecken müssen, denn ich bin klein. Aber: Ich bin ein Fersenläufer. Die hört man. Der Fersenläufer will führen, er macht relativ große Schritte, er ist extrovertiert, er hat immer einen Fuß in der Luft, er ist risikofreudig. Wenn ich laufe, schaue ich mich nach allen Seiten um. Das bedeutet, ich bin flexibel.

Wie sehr ist das beeinflussbar? Wie sehr kann ich an meinem Gang arbeiten?

Pfautsch: Ich würde einem Extrovertierten nie sagen: Mach kleine Schritte und geh leise. Sondern ich sage: Jawohl, Sie sind so. Verkaufen Sie sich so. Ein Introvertierter macht kürzere Schritte und schaut eher auf den Boden. Er schaut sich fast nicht um. Mit Introvertierten trainiere ich, dass sie ihrem Körper mehr vertrauen können. Sie dürfen und sollen größere Schritte machen. Das geht nur, wenn jemand das möchte. Ansonsten soll er bitte so bleiben, wie er ist. Wir brauchen Buchhalter, wir brauchen Steuerberater und wir brauchen Forscher. Das sind meistens mehr introvertierte Menschen. Macher müssen große Schritte machen.

Körpersprache ist angeboren. Kinder können nach der Geburt schon weinen, sie können lächeln, trinken und schreien. Und das sogenannte Engelslächeln in den ersten drei Monaten dient ausschließlich dazu, dass das Baby überlebt. Wenn es Vater und Mutter immer die Nachtruhe raubt, morgens aber im Bettchen liegt und strahlt, haben die Eltern alles vergessen. Das heißt auch, ein Lächeln wird in der ganzen Welt verstanden – womit wir wieder bei einem kleinen Unterschied der Geschlechter sind. Die Frau möchte mehr gefallen. Sie meint, sie müsste immer modisch gekleidet sein und viel lächeln. Männer lächeln weniger.

 

Zwei Welten

 

Wie soll sich eine Frau gegenüber einem Mann verhalten?

Pfautsch: Eine Frau sollte immer Frau bleiben. Wir müssen unterscheiden: Bewegen wir uns im Privat- oder im Berufsleben? Im Privatleben kann ich machen, was ich will. Im Berufsleben gibt es Etikette-Regeln, gibt es Business-Codes. Und es gibt noch etwas: die Macht. Für mich gibt es nicht die Unterscheidung, die Männerwelt ist besser, die Frauenwelt schlechter oder umgekehrt. Nein, wir haben zwei Welten. Und wenn ich als Frau heute in den Beruf gehe, sollte ich mich als Frau in der Männerwelt umschauen, wie die Männer dort agieren. Manchmal sehe ich Frauen im Business mit zu hoch geschlitzten Röcken oder zu durchsichtiger und enger Kleidung. Denen sage ich: Sie haben etwas Wesentliches noch nicht begriffen. Ich sollte im Job nicht locken und reizen.

 

Keine Sandalen im Job

 

Locken und reizen Frauen zu viel?

Pfautsch: Ja, vielleicht unbewusst. Ein Beispiel: Wenn ich Mädchen und junge Frauen sehe, wie sie heute zur Schule gehen. Oder wenn Frauen im Beruf mich fragen, ob sie denn keine Sandalen anziehen können, wo es doch so heiß ist. Dann sage ich: Die müssen Sie zu Hause lassen. Der nackte Fuß ist sexy, reizvoll. Im Business sind nur Schuhe sinnvoll, die vorne geschlossen sind.

Also sagen Sie, Frauen müssen männlicher werden?

Pfautsch: Nein, nicht männlicher. Sie müssen die Spielregeln der Männerwelt kennen. Wir Frauen müssen lernen, uns nicht nur vorzustellen, sondern uns auch darzustellen. Wir haben oft eine exzellente Ausbildung und reden nicht darüber. Das ist ein Fehler. Frauen sollten konfliktbereiter werden, bereit sein, sich auch mal unbeliebt zu machen, sich mehr durchsetzen, klare Anweisungen geben, ohne immer zu lächeln. Da können wir noch viel lernen.

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