09. Juli 2018, 20:02 Uhr

Was die Frauen am liebsten lesen

09. Juli 2018, 20:02 Uhr
»40 Jahre und kein bisschen leiser« (v. l.): Erika Bönsel, Birgit Groß, Monika Repp, Barbara Winkler, Susi Scheibe, Angela Schwalbe, Ulla Wagner, Karin Lauer und Irene Fleischhauer.

Als junge Frauen begannen sie mit ihren Aktivitäten – unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde und wohlwollend begleitet von Pfarrer Helmut Schütz. In diesem Sommer können die Frauen »Mittendrin« unter dem Motto »40 Jahre und kein bisschen leiser« runden Geburtstag feiern und dazu das zehnjährige Bestehen ihrer Reihe »RomanTisch« mit inzwischen 100 Veranstaltungen an zum Teil ungewöhnlichen Orten.

Zum Auftakt der Saison und zur Feier des Doppeljubiläums beging die vielfach mit Ehrenamts- und Kulturpreisen ausgezeichnete Gruppe einen Jubiläumsgottesdienst in der Laurentius-Kirche. Unter dem Leitwort »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein« und begleitet von Pfarrerin Angela Schwalbe ließen acht Mitglieder die Gemeinde an ihren Lieblingsgeschichten und zugleich an prägenden Erlebnissen innerhalb ihrer Initiative teilhaben.

Gleichzeitig kamen während der bewegenden wie fröhlichen Feier erstmals die beiden von den Frauen gestifteten Paramente für Altar und Kanzel der Kirche zum Einsatz, die in leuchtenden Farben sowie mit den Symbolen Kreis, Kreuz und Taube sowohl die Schönheit der Schöpfung als auch die Hoffnung auf eine Welt in Frieden ausmalen.

Mit ihrer Lieblingsgeschichte »Rote Götterspeise in der Morgendämmerung« malte Irene Fleischhauer die Möglichkeit aus, sich auf die Weisheit eines Kindes einzulassen und Frieden mit den Ereignissen der Vergangenheit zu schließen. Barbara Winkler las »Lust, zu rennen« und erinnerte an das Recht jedes Menschen, die Familientradition hinter sich zu lassen und die eigene Begabung zu leben. Erika Bönsels Geschichte »Engel an der Tür« handelte von Großzügigkeit, Gelassenheit und dem Mut zur Vergebung, während Karin Lauer mit »Wahre Liebe« einen Auszug aus dem Leben des Philosophen Mose Mendelssohn darbot und dessen rührende Werbung um seine spätere Ehefrau Fromet Guggenheim lebendig werden ließ.

Monika Repp schilderte mit einer Lesung aus »Die unverschlossene Tür« die unverbrüchliche Liebe einer Mutter, die ihrer ins Rotlichtmilieu abgeglittenen Tochter ein Leben lang den Weg nach Hause offenhält. Susi Scheibe beschrieb mit der Geschichte »Die Haarnadeln« das wertvollste Geburtstagsgeschenk, das eine Mutter jemals von ihrer Tochter erhielt, während »Thelma oder Der fünfte Mann« als mutige Liebeserklärung einer Seniorin an ihren Traumpartner, gelesen von Birgit Groß, von den Zuhörern mit einem Schmunzeln quittiert wurde.

Nimmermüde Kreativität

Als Letzte berichtete Ulla Wagner mit ihrer Lieblingsgeschichte »Hauptwörter und Umstandswörter« vom Lebenswillen, den eine Krankenhauslehrerin, ohne es zu ahnen, einem kleinen schwerkranken Patienten zurückgibt. Pfarrerin Schwalbe bündelte die facettenreichen Aussagen im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Sie dankte den »Mittendrins« für alle Aktivitäten, nimmermüde Kreativität und konstruktive Kritik. Vieles, was die Gruppe gesät habe, sei aufgegangen und werde in kommende Generationen hineinwirken. Kirchenvorstandsvorsitzender Martin Winter überreichte Blumen. Stadtverordnetenvorsteherin Lena Herget übergab ein selbstgebackenes Herz. Zum Auszug intonierte Dr. Ralf Schäfer an der Orgel den »Marsch der Pinguine«, bevor die Frauen in ihr Quartier, das »Sälchen« der Kirchengemeinde, einluden – nicht zu Brot allein, sondern auch zu Hühnersuppe. (Fotos: im)

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