19. August 2018, 20:52 Uhr

»Wachset und wehret euch«

19. August 2018, 20:52 Uhr

Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens feierten die »Frauen mittendrin« und zahlreiche Gäste jetzt nach 13 Jahren ein fröhliches Wiedersehen mit dem Mainzer Fastnachtsurgestein und Kirchenkabarettisten Thomas Klumb. Der Diplomtheologe ist Leiter des Ressorts Öffentlichkeitsarbeit im Bischöflichen Ordinariat des Bistums Mainz. Was den offiziell als »Ordinariatsrat« zu Titulierenden keineswegs davon abhält, in seinem Programm »Heiliger Bimbam« den christlichen Konfessionen schonungslos den Spiegel vorzuhalten, kirchliche »Grämien« wegen ihrer Trägheit und Weltfremdheit zu rügen (»Wer nur den lieben Gott verwaltet«) und deutlich für eine Veränderung der Rolle der Frau in der katholischen Kirche zu plädieren.

Die Zeit der »Heinzelfrauchen«, die die Arbeit der Gottesmänner erledigten, habe endgültig vorbei zu sein, forderte Klumb, der nebenbei humorvoll darüber nachdachte, wie biblische Erzählungen wohl klingen würden, wenn Gott eine Frau wäre. Glaubte er als kleiner Junge doch durchaus noch an die Gleichberechtigung und hielt die Epistel für die weibliche Form des Apostels. »Weit gefehlt, man enthält den Frauen katholischerseits ja sogar das Diakonat vor«, wetterte Klumb, der auch den Missbrauchsskandal nicht aussparte und darüber sinnierte, ob ein solches entsetzliches Geschehen überhaupt für sein Metier tauge. Über den anschließenden Versuch, das Thema mithilfe der Poesie und Drastik einer Weinkarte zu erfassen, kann man dementsprechend streiten. Heiterer erschien da die Sequenz über ein mögliches Konklave, bei dem rosa Rauch aufsteigen und der Ruf: »Juchu, es ist ein Mädchen!« erschallen könne.

Profunde Kenntnisse der kirchlichen Basisarbeit verriet der 1955 in Worms geborene Kabarettist, indem er das Publikum virtuos in ein »Ekklesiodrama« mit verteilten Rollen verwickelte und hierbei von der »Prälatine« bis zur Pröpstin, von der Pfarrjugend bis zur Diakonisse und den Entscheidungsträgern jedermann und jederfrau in einem sinnlosen Sachstreit zu Wort kommen ließ. Kurzzeitig zum Meditationslehrer mutiert, zeigte sich Klumb alsbald als versierter Umdeuter von Verkehrsschildern im christlichen Sinn, startete einen Exkurs ins moderne Pastoral-Denglisch und hechtete durch ein imaginäres neues »Gotteslob kompakt super-light« mit Raum für Pilger-, Touristen- und Sponsorenlieder, Songs für geplagte Ehrenamtliche und Tischgebete für kurzatmige Gehetzte: »Herr, lass deinen Segen über diese Speisen fegen.«

Höhepunkt war das flammende Plädoyer Klumbs für einen authentisch gelebten und bezeugten Glauben an einen Gott, »der wie ein Vater damals wie heute dem verlorenen Sohn entgegengeht«. Für Augenblicke blitzte hier hinter dem Bühnen-Ich ein nicht nur beruflich engagierter Christ hervor, der vielfach an seiner Kirche leidet, der Scheinheiligkeit verabscheut und sich stets selbst in die Pflicht nimmt – dies aber auch von anderen verlangt: »Wenn du dich kennst – wie kannst du dich über die Kirche wundern?«

Nichts also mit »Heiliger Bimbam«, dem mottogebenden typischen Kirchenheiligen des Abends, der Missstände erst an die große Glocke (Bimmel) hängt und dann, wenn Überzeugung und Tatkraft gefragt wären, Bammel bekommt und lieber schweigt. »Wachset und wehret euch«, übersetze Klumb neu, frei und kämpferisch aus die Genesis – bevor er mit Ausschnitten aus seinen Fastnachtsprogrammen als Rentner sowie als Friedhofsbesucher noch einmal ordentlich für Furore sorgte. (Foto: im)

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