20. Mai 2018, 18:00 Uhr

Tafel-Vorsitzende im Gespräch

Viel Freud, etwas Leid und die Suche nach einem Laden

Angefangen hat alles »mit kleinen gespendeten Kühlschränken«, erinnert sich Wolfgang Effinger, Vorsitzender der Tafel Butzbach. »Das war richtig abenteuerlich«, sagt seine Stellvertreterin Monika Wilhelm.
20. Mai 2018, 18:00 Uhr
Wolfgang Effinger und Monika Wilhelm sitzen der Butzbacher Tafel vor. Sie sind auf der Suche nach einem neuen Laden. (Foto: Nici Merz)

 

Angefangen hat alles »mit kleinen gespendeten Kühlschränken«, erinnert sich Wolfgang Effinger, Vorsitzender der Tafel Butzbach. »Das war richtig abenteuerlich«, sagt seine Stellvertreterin Monika Wilhelm. Darüber ist der Verein längst hinaus, inzwischen gibt es ein großes Lager samt Kühlhaus, schließlich werden rund 600 Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Bei der Butzbacher Tafel läuft vieles gut, manches weniger gut. Ein Überblick:

Ort: Effinger und Wilhelm sehen die Zukunft der Tafel nicht in dem Flachdachgebäude im Degerfeld, wo sie aktuell untergebracht ist. Bau und Technik seien in die Jahre gekommen, der Vermieter sei oft nicht greifbar. Der Mietvertrag, der noch bis Juli 2019 läuft, soll daher nicht verlängert werden. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltet sich schwierig. »Wir brauchen eine Grundfläche von 200 Quadratmetern, ein Lebensmittellager mit 50 Quadratmetern und einige Nebenräume«, sagt Effinger. Der Laden soll zentral liegen und die Miete nicht zu hoch sein. »Wir sind der Meinung, dass wir ein neues Domizil nur mit städtischer Hilfe finden werden.«

Helfer: Viele kommen laut Effinger seit Jahren – beständig, ohne viel Aufhebens – jede Woche in den Laden, verrichten dort »stundenlang für andere zum Teil schwere und nicht immer angenehme Arbeit. Ganz selbstverständlich. »Das ist immer wieder beeindruckend, auch weil es abseits öffentlicher Wahrnehmung geschieht, zu Zeiten, wo andere noch in aller Ruhe frühstücken.«

Zukunft: Der Verein hat ein Altersproblem. »Wir sind im Vorstand alle im Rentenalter, wir brauchen Nachwuchskräfte, die dürfen auch um die 60 Jahre alt sein«, sagt Effinger. Es wird überlegt, eine Lebensmittel-Ausgabe auf den späten Nachmittag zu verlegen. Dadurch erhoffen die Verantwortlichen sich, dass Berufstätige Zeit finden, sich zu engagieren.

Führung: Vorsitzender Effinger (71) arbeitete als Jurist. Dann kam die Rente. Er wollte sich sozial engagieren, findet das Tafel-Konzept überzeugend. Vize-Vorsitzende Wilhelm (63) war im Jobcenter tätig und ist ebenfalls im Ruhestand. Sie will Menschen in prekären finanziellen Situation helfen.

Politik: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor einigen Wochen für Schlagzeilen gesorgt, als er sagte, Hartz IV bedeute nicht Armut. Und: Niemand müsste hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe. »Die Äußerung ärgert mich total. Ich weiß ja, was die Leute bekommen, habe jahrelang im Jobcenter gearbeitet«, sagt Wilhelm. Sie wisse, dass es zum Leben oft nicht reiche. Effinger sagt: »Sicher verhungert niemand in Deutschland, aber viele Menschen leben so an der Grenze, dass sie am sozialen Leben nicht teilhaben können.«

Konflikte: Anders als bei der Essener Tafel wird zwischen Deutschen und Ausländern in Butzbach laut Effinger nicht unterschieden. Größere Konflikte gebe es unter den Tafel-Kunden nicht, ab und an etwas »Konkurrenzverhalten«. Um Ungerechtigkeiten zu verhindern, wurden Gruppen gebildet und ein Rotationssystem eingeführt: Mal darf eine Gruppe gleich zu Beginn, wenn es noch Auswahl gibt, Lebensmittel holen, das nächste Mal dafür etwas später.

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