16. Januar 2019, 08:00 Uhr

Im Fündbüro

Vermisste Dinge und ehrliche Finder

Der im Park gefundene Ehering war ein Highlight. Eine Frau hatte ihn entdeckt und beim Bad Nauheimer Fundbüro abgegeben. Aber welche Dinge liegen aktuell dort? Was muss ein Finder beachten?
16. Januar 2019, 08:00 Uhr
Von der Baustellenlampe bis zum Hut: Fachdienstleiter Carsten Grotegut (l.), Manuela Wiegel (Mitarbeiterin Fundsachen und Bürgerbüro) und Fachbereichsleiter Matthias Wieliki haben es mit einem Sammelsurium an Fundsachen zu tun. (Foto: Nici Merz)

Im Schlamm neben einer Parkbank hatte der Ehering gelegen, den eine Frau aus Mülheim an der Ruhr im Herbst 2017 fand (die WZ berichtete). Sie gab das gute Stück im Bad Nauheimer Fundbüro ab, der Besitzer aber meldete sich nicht. Ganz so spektakulär sind die Dinge nicht, die derzeit im Fundbüro der Kurstadt auf den eigentlichen Besitzer warten. Aber immerhin: Zum Sammelsurium gehören ein Cowboyhut, eine Golftasche und eine Baustellenlampe, wie Kerstin von Massow von der Stadtverwaltung mitteilt.

Im vergangenen Jahr seien im Rathaus 291 Fundsachen abgegeben worden. 85 Personen hätten ihre verlorenen Gegenstände abgeholt, acht Finder die Fundsachen nach Ablauf der sechsmonatigen Frist gegen Zahlung einer kleinen Gebühr erworben. Und was wird vor allem abgegeben? Hauptsächlich sind es Handys, Geldbörsen, Fahrräder, Schmuck und Schlüssel.

Polizei mahnt zur Vorsicht

Heutzutage spielen auch bei Fundsachen soziale Medien eine Rolle. Schnell ist ein Foto vom Schlüssel gemacht und hochgeladen. Die Polizei rät aber zur Vorsicht. »Denn es gilt zu bedenken, dass die Fundsache sehr persönlich sein kann und vielleicht Daten enthält, die keinem anderen zugänglich gemacht werden sollten. Unterlassen sollte man es also beispielsweise, Bilder mit Fundstücken einzustellen, auf denen Name oder gar Kontonummer des Verlierers zu erkennen sind«, mahnt die Wetterauer Polizei in einer Pressemitteilung.

Außerdem seien diejenigen, die den Gegenstand verloren haben, anhand dieser Daten sowieso von den zuständigen Behörden in aller Regel leicht zu ermitteln. Eine Abfrage via Social Media sei dann also unnötig.

Stattdessen sollte der Finder im Umfeld nachfragen, ob jemand den Gegenstand verloren hat. Wird man in einem Geschäft oder einer Einrichtung fündig, sei es sinnvoll, sich an das Personal zu wenden. Abgegeben werden sollte das gute Stück im Fundbüro der Stadt oder der Gemeinde, wo der Geldbeutel oder was auch immer aufgetaucht ist. Oder aber man gibt es bei der Polizei ab. Die rät zur Eile, denn wer zum Beispiel einen Schlüssel verloren hat, wird schnell das Schloss austauschen lassen, was er sich aber sparen kann, wenn der Schlüssel bald wieder auftaucht.

Rechte und Pflichten

Eines sollte der Finder laut Polizei auf gar keinen Fall tun: Das gute Stück einfach behalten. Das wäre dann eine Fundunterschlagung, und die kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Zum Thema Rechte und Pflichten bei Fundstücken erläutert Kerstin von Massow, dass alle Fundsachen, die mehr als 10 Euro wert sind, abgegeben werden müssen. Mindestens sechs Monate werden sie im Fundbüro aufbewahrt. »Wird die Fundsache in dieser Zeit nicht abgeholt oder vom Finder gegen eine Gebühr erworben, wurden die Fundsachen in der Vergangenheit von Zeit zu Zeit versteigert. Aktuell verkaufen wir Goldschmuck an einen Juwelier, Brillen gehen an einen Optiker. Handys werden vor dem Verkauf auf Werkseinstellung zurückgesetzt.« Wenn Fahrräder nicht abgeholt werden, stellt die Stadt sie geflüchteten Menschen zur Verfügung.

Kein Aufruf in sozialen Medien

Der Finder kann laut von Massow nur dann einen Finderlohn verlangen, wenn die Sache einen Wert von 50 Euro übersteigt. Die Höhe des Finderlohns richte sich immer nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Das Bad Nauheimer Fundbüro nutzt bislang übrigens keine sozialen Medien, um über Fundstücke zu informieren. Das hat seinen Grund: Die Eigentumsverhältnisse könnten nun mal nicht immer eindeutig nachgewiesen werden. »Gerade bei attraktiven Fundsachen würden wir über die sozialen Medien möglicherweise viele ›potenzielle Interessenten‹ animieren, die Fundsache für sich zu beanspruchen«, heißt es aus dem Rathaus. Grundsätzlich könne man sich aber künftig einen Aufruf in den sozialen Medien vorstellen – bei Fundsachen, die einen hohen ideellen Wert haben, zum Beispiel beim Lieblingsstofftier eines Kindes oder beim Ehering.

 

Info

Neues Konzept: Verkauf

Die Bad Nauheimer Stadtverwaltung beschreitet bei den Fundsachen einen neuen Weg: Ab Dienstag, 19. Februar, soll es einen permanenten Verkauf von Fundsachen geben. Während der Öffnungszeiten des Bürgerbüros werden die zum Verkauf stehenden Fundsachen ausgelegt, sie können dann erworben werden. (agl)

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