02. August 2018, 20:13 Uhr

Treffpunkt einer ganzen Szene

Longboarden ist in Deutschland eine Randsportart. Einer der beliebtesten Treffpunkte der Szene ist der Vulkanradweg bei Gedern. Dort ist alles auf den Fahrspaß mit den langen Brettern ausgelegt.
02. August 2018, 20:13 Uhr
Salim ben Ali (l.), Julian und Thomas Frank (r.) sind aus Schweinfurt angereist, um auf dem Vulkanradweg zu fahren.

Der Vulkanradweg zwischen Hartmannshain und Gedern ist einer der beliebtesten Treffpunkte der bundesweiten Longboarder-Szene. Die rund 14 Kilometer lange Strecke führt über sanft geschwungene Hügel stetig bergab, das Gefälle ist konstant, aber so mäßig, dass auch Ungeübte ihre ersten Touren absolvieren können – oder cruisen, wie man im Fachjargon das eher gemütliche Dahinfahren und Genießen ohne hohe technische Ansprüche nennt. Direkt neben dem Radweg existieren Passagen mit steilerem Gefälle bis zu 18 Prozent, doch das Gros der Fahrer bevorzugt den offiziellen Hauptweg. Schon allein, weil man dort mehr Gesellschaft und infolge dessen auch mehr Spaß hat.

Thomas Frank (51), sein Sohn Julian Frank (24) und Salim ben Ali (12) haben sich an diesem ausnahmsweise angenehm frischen Sonntagmorgen von Schweinfurt aus auf den Weg gemacht. Sie sind soeben, von Gedern kommend, mit dem Vogelsberger Vulkanexpress am Parkplatz Hartmannshain angelangt. Hier steigen sowohl Radfahrer als auch Longboarder während der Saison von Mai bis Ende Oktober in den Vulkanradweg ein. Stören sie sich gegenseitig? »Nein, das ist eine durchaus friedliche Koexistenz«, meint Thomas Frank. »Es liegt vor allem an uns Longboardern, beim kurvigen Abwärtsfahren, das wir benötigen, um unsere Geschwindigkeit zu verringern, auf die geradeaus fahrenden Radfahrer Rücksicht zu nehmen.«

Als Mitglied des Eislauf- und Rollschuhvereins Schweinfurt ist Frank schon in der Jugend mit Rollschuhen, Inlineskatern und schließlich mit den Boards in Berührung gekommen. Nach vielen Jahren auf Rädern folgte eine längere Pause. »Ab 2008 bin ich wieder eingestiegen – der Sport hat mir einfach gefehlt und tut mir gut. Ebenso die Landschaft und die Community, in der es keine Generationsgrenzen gibt und auch Heimat und Herkunft nicht zählen.«

Was vereint, ist die Freude am Fahren, an der Natur, am Zusammensein und am Austausch über Ausrüstung, Fahrtechnik, Erfahrungen und Optimierungsmöglichkeiten, aber auch über persönliche Erlebnisse, Beruf und Privatleben. »Die Leute kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, aber auch aus Köln, wo ein weiterer Schwerpunkt der Longboarder-Szene liegt. Oder wie wir aus einem hessischen Nachbarbundesland«, sagt Frank. Die Longboarder reisen teilweise für ein ganzes Wochenende an und zelten auf dem Campingplatz am Gederner oder am Nieder-Mooser See.

Schutz ist wichtig

Beim Saisonstart am 1. Mai versammeln sich Hunderte Fahrer aus ganz Deutschland am Gederner Parkdeck, dem inzwischen legendären Treffpunkt. »Das ist immer eine große Wiedersehensfreude. Viele Busse sind an diesem Wochenende ausschließlich für die Boarder reserviert,« sagt Frank.

Für Salim ben Ali ist es eine Premiere auf dieser Strecke. Der schweigsame Junge folgt dem Vulkanradweg ein Stück mit den Augen abwärts. Auf einer Bank am Parkplatz legen zwei junge Männer und eine etwa gleichaltrige Frau Helm, Arm-, Bein- und Rückenschützer an. Sicherheit geht vor. »Das ist richtig und wichtig so«, bestätigt Thomas Frank. »Ich bin bei unserer ersten Abfahrt heute Morgen mit meinem Longboard auf ein paar Beeren ausgerutscht, die zerquetscht auf dem Weg lagen. War aber nicht so schlimm.« Nur ein paar winzige Flecken auf der Kleidung zeugen von dem Mini-Unfall. Kein Hindernis, die Abfahrt nochmal zurückzulegen und sich immer wieder an den höher liegenden Ausgangspunkt zurückbringen zu lassen. »Das Tagesticket auf dem Vogelsberger Vulkanexpress kostet neun Euro für fünf Personen, da kann man wirklich nicht meckern«, sagt Frank.

Und was ist mit dem Frauenanteil unter den Longboardern? »Unter fünf Longboardern ist einer Frau dabei«, schätzen die Franks. »Aber der Anteil nimmt zu – und es gibt sicher Sportarten, in denen weniger Frauen vertreten sind.«

Das Trio macht sich bereit zum Start: Beim Downhill, dem schlichten Abwärtsfahren, werden auf dieser Strecke Geschwindigkeiten bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreicht. Sogenannte Dancer, die auf und über dem rollenden Brett Drehungen und Sprünge ausführen, fahren meist etwas langsamer. Aber mit diesen Tricks haben Thomas, Julian und Salim heute nichts am Hut. Sie starten gemächlich, nehmen rasch Fahrt auf und winken zum Abschied. Dann sind sie wieder in ihrem Element.

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