Nach weniger als einem Jahr Bauzeit ist das Wiesenhaus als Erweiterung der Internatsschule Institut Lucius eingeweiht worden. Bei der Feier am Donnerstagabend nach der Übergabe der Zeugnisse wurde betont, dass der Neubau ein Fortschritt in der Tradition des Internats sei.

Auf drei Stockwerken sind drei Klassenräume, ein Aufenthaltsraum und 24 Doppelbettzimmer, mit einem gemeinsamen Bad für jeweils zwei Zimmer, entstanden. Bewusst hebt sich der moderne Bau von der bisherigen, teils 200 Jahre alten Bausubstanz ab.

Vera Kissner wies in ihrer Ansprache darauf hin, dass sie gemeinsam mit Laura Lucius und Luise Schüssler nicht nur in sechster Generation das Internat leite, sondern auch die Tradition ihres Ur-Ur-Ur-Großvaters Georg-Friedrich Lucius fortschreibe, der 1809 das Knabeninstitut Lucius gegründet hatte. Jede Generation habe durch Neu- und Erweiterungsbauten ihren Teil zur Weiterentwicklung des Internats beigetragen.

Luise Schüssler blickte auf den Verlauf der Bauarbeiten zurück. Entgegen anfänglicher Befürchtungen hätten nicht archäologische Grabungen zu Verzögerungen geführt. Schließlich sei das frühere Forsthaus, um das herum das Internat entstanden ist, auf dem Limes errichtet worden. Noch im November beim Richtfest habe man mit den Schülern den schnellen Baufortschritt gefeiert.

Gräben klafften im Schulhof

»Gut, dass wir da noch nicht wussten, was auf uns und vor allem auf unseren Hof im Frühjahr zu kommen würde«, erinnerte sie sich. Denn die Sanierung des Kanal- und Abwassersystems, die eine Auflage der Baugenehmigung war, sollte zur Belastungsprobe für die Schule werden.

Die einwöchige Schulpause im Februar war für die Verlegung der Rohre im Hof eingeplant. Durch Frost, Regen und Tauwetter, Lieferprobleme beim Hersteller der Rohre sowie Krankheit der Mitarbeiter der Baufirma dehnte sich diese Zeit auf 14 Wochen aus, in denen Gräben im Schulhof klafften. Schüssler nannte diese Zeit einen Alptraum.

Doch nun, drei Jahre nach dem Beginn der Planungen, sei ein Bau entstanden, in dem die Schüler sich wohlfühlen würden und das »trotz genialer Ideen des Architekten auch unsere Handschrift trägt«.

Laura Lucius beschrieb das Wachstum des Internats in den 14 Jahren, seit sie mit Schüssler und Kissner die Leitung inne hat. Statt damals 20 Lehrern und sechs Erziehern seien es inzwischen 30 Lehrer und 15 Pädagogen. Auch die Veränderungen in Unterricht und Lernen erforderten mehr und anders gestalteten Raum. Dies spiegele sich in der Architektur und Einrichtung des Wiesenhauses bis in die Doppelzimmer wieder.

Es waren ausgerechnet die Vertreter der Schüler, die auch der anfänglichen Skepsis über den Neubau Raum gaben. Sie hatten Bedenken, dass der moderne Bau nicht zu den alten Gebäuden passen könnte, dem Hof das Licht nehmen oder die Verbindung zu Wald und Natur kappen würde. Das Wiesenhaus stand zunächst »wie ein Fremdkörper in der schönen Landschaft«, lautete das Urteil von Clara Maas und Simon Colsmann.

Sie schilderten, wie es im Verlauf des Baus vor allem die verwendeten Naturmaterialien – das Wiesenhaus ist mit Holz verschalt – ermöglichten, sich mit dem Gebäude anzufreunden. Allmählich wichen die Bedenken den Erwartungen, welche Vorteile der Neubau für den Schulbetrieb bringen werde.

»Ähnlich läuft der Prozess ab, wenn ein neuer Schüler kommt«, zog Colsmann eine bemerkenswerte Parallele. Anfangs sei man skeptisch und beobachte genau. Man könne meinen, dass die Neuen sich nie in die Gemeinschaft einfügen würden, »dass es nicht funktionieren kann, wenn so viele einzigartige Charaktere aufeinander treffen und dann auch noch so eng beieinander leben sollen«, erläuterte er. Doch genau das sei es, was die Gemeinschaft am Institut Lucius ausmache. »Jeder kann sich auf seine eigene Weise einbringen, ohne sich zu verstellen, und es entsteht ein großes, funktionierendes Ganzes.«

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