11. Juli 2018, 11:56 Uhr

In die Tiefe gestürzt

Tödlicher Unfall: Alpenkönig-Wanderweg mit Tücken

Der Unfalltod von FWG-Fraktionschef Jan Wölfl bewegt in Ober-Mörlen die Gemüter. Laut Experten ist der Alpenkönigweg, wo das Unglück geschah, nicht übermäßig schwierig, er hat aber Tücken.
11. Juli 2018, 11:56 Uhr
Blick auf die Alpenkönigroute: Auf dem Weg zur Essener-Rostocker Hütte hat sich der Unfall ereignet. (Foto: pv)

Viele Menschen in Ober-Mörlen trauern, sind nach wie vor entsetzt über den Tod von Jan Wölfl, der am Freitag um die Mittagszeit bei einer Bergwanderung in den Osttiroler Alpen rund 300 Meter in die Tiefe gestürzt ist. Das Unglück ereignete sich nach Angaben der Landespolizeidirektion Tirol (Innsbruck) gegen 13 Uhr. Die dreiköpfige Gruppe sei auf der Alpenkönigroute zwischen der Carla- und der Essener-Rostocker Hütte unterwegs gewesen. Zum Schwierigkeitsgrad des Wegs, auf dem der 55-jährige FWG-Fraktionschef ausrutschte und abstürzte, gibt es unterschiedliche Aussagen.

»Der Alpenkönigweg ist teilweise nicht markiert, sollte nur mit Bergführer begangen werden«, meint der Betreiber der Essener-Rostocker Hütte, Werner Rainer. Die genaue Unglücksstelle ist ihm nicht bekannt, die Wanderer hätten sich zum Zeitpunkt des Unfalls etwa zwei Stunden von seiner Hütte entfernt aufgehalten.

Ständiger Nieselregen

Die Witterungsbedingungen waren an diesem Freitag nicht optimal für eine hochalpine Tour, bei der auf der zwölf Kilometer langen Strecke zwischen den beiden Hütten in etwa acht Stunden mehr als 1000 Höhenmeter überwunden werden. Nach Angaben der österreichischen Polizei gab es den ganzen Vormittag über Nieselregen, entsprechende Trittsicherheit war auf dem Steig gefordert.

Jan Wölfl
Jan Wölfl

»Feuchtigkeit ist auf der Alpenkönigroute ein Problem, denn der Weg ist teilweise mit Gras überwachsen und dann sehr rutschig. Dann sind äußerste Vorsicht und spezielles Schuhwerk erforderlich«, erklärt ein sehr erfahrener Bergwanderer aus Mannheim, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der 45-Jährige, der diesem Sport seit seiner Kindheit nachgeht, war vor einem Jahr auf dieser Route unterwegs.

Kaum Markierungen

Er bewertet den Weg mit dem Schwierigkeitsgrad T 4 – insgesamt gebe es sechs Stufen – als nicht übermäßig anspruchsvoll. Leute, die nur ein oder zwei Mal pro Jahr im Hochgebirge unterwegs seien, sollten sich aber keine Route mit noch höherem Schwierigkeitsgrad aussuchen. »Die eigentliche Gefahr ist die schlechte Sicht, die dort manchmal aufgrund der Witterung herrscht. Dann fällt die Orientierung schwer, weil es kaum Markierungen gibt«, sagt der Bergwanderer. Bei solchem Wetter sei ein Führer zu empfehlen.

Im Internet-Lexikon Wikipedia wird die Ansicht geäußert, bei der Alpenkönigroute handele es sich um eine »sehr gefährliche Strecke«. Diese Auffassung teilt der 45-Jährige nicht: »Es gibt nur wenige Stellen, wo etwas passieren kann.«

Noch nie ein Unfall

Auch Chefinspektor Stefan Eder, Pressesprecher der Landespolizeidirektion Tirol, hält den Weg für recht gut begehbar, auch bei Feuchtigkeit. »Dort hat es noch nie einen schweren Unfall gegeben«, sagt er. Allerdings werde die Alpenkönigroute aufgrund der unzureichenden Markierung nur von wenigen Wanderern genutzt. Ein Führer sei auf diesem Weg nicht vorgeschrieben. Eder sagt: »Der Wanderer muss aufpassen, wo er hintritt. Rutscht jemand woanders aus, verletzt er sich vielleicht. Dort kann man sehr tief fallen.«

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