19. August 2018, 05:00 Uhr

In Ober-Mörlen

Tiere von Fremden gefüttert: Gut gemeint, aber tödlich

Pferde, Ziegen und Esel sind auf dem Bauernhof in Ober-Mörlen von Fremden gefüttert worden. Falsch verstandene Tierliebe, sagt Reiterin Ingrid Burk. Ein Pferd hat sie einst verloren.
19. August 2018, 05:00 Uhr
Verbotsschilder an der Koppel in Ober-Mörlen haben Passanten nicht davon abgehalten, das Pferd von Ingrid Burk zu füttern. Mit neuen Hinweisen zu den Gründen setzt sie nun auf mehr Verständnis. (Foto: edg)

Wolli hat Glück gehabt. Der große dunkelbraune Friese rupft Gras von seiner Koppel am Ortseingang von Ober-Mörlen gleich neben der kleinen Kapelle. So munter wäre das Pferd vielleicht nicht mehr, hätte es das Toastbrot gefressen, das Unbekannte im Juli auf seine Weide geworfen hatten. »Brot ist absolut kein Pferdefutter«, sagt Pferdehalterin Ingrid Burk, die das Brot gefunden hatte. »Das hat mich sehr erschreckt, denn ich habe schon einmal ein Pferd wegen einer Kolik verloren.« Wäre der Teil der Weide nicht abgesperrt gewesen, hätte sich Wolli womöglich über das Brot hergemacht – und davon krank geworden.

 

Äpfel und Karotten nicht zu empfehlen

 

»Die Leute machen das nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit«, sagt die pensionierte Lehrerin aus Ober-Mörlen. Brot könne zu schmerzhaften und mitunter tödlichen Koliken führen. Ganze Äpfel könnten sich langfristig im Hals verkeilen. Ohnehin seien Äpfel und Karotten nicht zu empfehlen, da mache Pferde an Allergien litten. Und an der Koppel gepflücktes Gras? Auch darauf schüttelt Burk den Kopf. »Aus der Hand fressen Pferde alles Mögliche – selbst giftige Kräuter, die sie auf der Weide verschmähen«, sagt sie. Das Problem: Pferde können unbekömmliche Nahrung nicht wieder loswerden, indem sie sich übergeben. Zudem werde das Futter für jedes Pferd je nach Rasse und Bewegung sehr individuell zusammengestellt, zum Beispiel aus Luzerne, Hafer und Heu.

Die zahlreichen Schilder mit der Aufschrift »Füttern verboten« an der Weide von Burks Pferd nehmen einige Passanten nicht ernst. Wolli, der mit vollem Namen Wolter fan Grienhof heißt, musste auch schon anderes über sich ergehen lassen. Kürzlich entdeckte die Besitzerin einen geflochtenen Zopf in seiner Mähne. »Das ist übergriffig«, sagt sie. »Das Pferd ist mein Eigentum und nicht Teil eines Streichelzoos.«

Ich habe schon einmal ein Pferd wegen einer Kolik verloren

Ingrid Burk

 

Auf dem Bauernhof der Familie Heil, zu dem auch Wollis Koppel gehört, habe es schon öfter Probleme mit Fütteren gegeben, sagt Katrin Irmler, die den Hof mit ihrem Mann Sebastian Heil betreibt. Einmal sei eine Ziege gestorben, nachdem sie eine Grünlilie gefressen hatte. Unbekannte hatten dem Tier die Zimmerpflanze verfüttert. Auch in Hasenställen landeten immer wieder grüne Essensabfälle, die nicht als Futter geeignet seien. Manche seien sogar verschimmelt.

 

Auf frischer Tat erwischt

 

Meist bekommen die Tierhalter die Fütterer nicht zu Gesicht. Einmal hat Burk jedoch einen auf frischer Tat an der Eselkoppel ertappt. Der Mann war mit seinem Sohn unterwegs, öffnete einen verschlossenen Eimer mit Pferdefutter, der in der Nähe stand, langte hinein und hielt es einem Esel hin. »Ich traute meinen Augen kaum«, erzählt Burk. Als sie den Mann ansprach, sagte er bloß: »Der Kleine mag es so gern.«

»Viele Leute gehen hier über das Gelände«, sagt Hofbesitzerin Irmler. Rund 30 Pferde stehen auf dem Hof oder auf nahe gelegenen Weiden. Dazu kommen fünf Ziegen, drei Esel, zwei Hasen, acht Zierhühner, zwei Kühne, zwei Hunde, zwei Katzen und 1000 Hühner. Alle leben im Sommer im Freien oder in halb offenen Ställen, sogenannten Paddocks. Mitten hindurch führt ein öffentlicher Feldweg – abschirmen können und wollen die Hofbesitzer ihre Tiere nicht. »Die Leute können gerne vorbeikommen und die Tiere anschauen«, sagt Irmler. »Aber nicht füttern.«

Burk setzt nach dem Vorfall mit dem Toastbrot auf Aufklärung und Verständnis. Die gekauften Schilder mit der Aufschrift »Füttern verboten« hat sie mit einigen selbst gemachten Schilder ergänzt. Darauf begründet sie ihr Verbot: »Auch gut gemeintes Füttern kann tödliche Koliken verursachen.«

Info

Drei Fragen an Tierarzt Dr. Roger Wagner

Was darf man Pferde füttern?

Dr. Roger Wagner: Grundsätzlich benötigen Pferde Raufutter, Kraftfutter sowie Wasser. Zum Raufutter gehören Weidegras, Silage, Heu und Stroh. Zu den gängigen Kraftfuttern zählen Hafer, Mais, Gerste und Mischfutter. Das Füttern ist aber ganz klar Sache der Pferdebesitzer.

Was passiert, wenn ein Pferd Brot oder ungeeignetes Futter frisst?

Wagner: Pferde können getrocknetes Brot fressen, solange die Mengen in Maßen sind. Zu viel Brot verursacht durch seinen hohen Energiegehalt Probleme . So kann zum Beispiel Hufrehe oder Kolik entstehen. Eine Kolik kann tödlich enden. Es gibt auch Pferde, die Allergien haben – sogar gegen Weizen oder Hafer. Zurzeit haben wir häufig Probleme mit Jakobskreuzkraut. Es wächst auf einigen Weiden und kann massive Leberentzündung verursachen.

Warum können sich Pferde nicht übergeben, um Schädliches loszuwerden?

Wagner: Pferde haben einen sehr kleinen Magen und am Mageneingang einen sehr starken Muskel, der diesen verschließt. Aus diesem Grund ist es fast unmöglich, dass ein Pferd sich erbricht. (Archivfoto: doe)

 

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