05. September 2018, 19:28 Uhr

Tausendsassa in der Kurstadt-Kultur

05. September 2018, 19:28 Uhr
Johannes Lenz

Theater Alte Feuerwache, Kunstverein oder Philosophische Reihe – wohl kaum ein anderer hat die Kulturlandschaft in Bad Nauheim so beeinflusst wie Johannes Lenz. Vor fünf Jahren ging der frühere Fachbereichsleiter für Kultur nach fast 30 Jahren in den Ruhestand. Am Mittwoch hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Mittlerweile kann sich Lenz entspannt zurücklehnen. »Es ist mir aber schon schwer gefallen, in den Ruhestand zu gehen«, sagt er. »Ich hatte ja das Glück, meine Interessen zum Beruf zu machen.« Mit dem Ruhestand sei das kulturelle Interesse nicht plötzlich vorbei. Auch ist sein Fachwissen nach wie vor gefragt. Als Vorstandsmitglied des Kunstvereins oder als Sprecher der AG Geschichte ist er weiterhin aktiv, auch als Besucher kultureller Veranstaltungen ist er stets anzutreffen. »Ich kann aber auch mal ›Nein‹ sagen.«

Unter 270 Bewerbern durchgesetzt

Im ersten Jahr habe er sich zurückgehalten, sagt Lenz, der seine Zeit heute auch für längere Aufenthalte in Frankreich nutzt und dort einen zweiten Wohnsitz hat. Er blickt auf zahlreiche kulturelle Veranstaltungsreihen und Konzepte zurück, die er für die Stadt auf den Weg gebracht hat. »Mit den richtigen Wegbegleitern, mit der Nutzung von Kompetenzen« sei dies realisiert worden. Die Vorliebe für Literatur und Musik hatte ihm schon seine Mutter vermittelt. Noten konnte er bereits vor dem Schuleintritt lesen, Trompete, Malerei und Theaterspiel begleiteten ihn in seiner weiteren Entwicklung. »Ich habe aber auch früh erkannt, dass ich da immer mittelmäßig bleibe.«

Lenz studierte Theaterwissenschaften und Germanistik, entschied sich für die Kulturvermittlung. Als die Stadt Bad Nauheim 1984, damals unter Bürgermeister Bernd Rohde, jemanden für den Aufbau des Kulturamts suchte, bewarb sich der vierfache Familienvater als einer von 270 Interessierten. »Ich hatte das unverschämte Glück, genommen zu werden.« Das damalige Budget betrug 15 000 Mark, die als Fördermittel für Vereine ausgeschüttet wurden.

Lenz stellte sich den Herausforderungen, konzipierte 1985 mit Unterstützung von Klaus Ritt und Jeux Reuß einen Ausstellung zum 150. Bestehen des Hessischen Staatsbades. Dank finanzieller Unterstützung der Commerzbank Frankfurt und der Bewilligung weiterer Mittel durch den Magistrat konnte die Kulturarbeit weiter ausgebaut werden. 1989 ließ Lenz, in Kooperation mit der Uni Frankfurt, einen Kulturentwicklungsplan erarbeiten. Der erste, der in Hessen erstellt und gedruckt wurde. Lenz war es wichtig, Bürgerwünsche zu berücksichtigen. Auch erkannte er, dass es in der Stadt viele Menschen mit kulturellem Interesse gab. So wuchs nicht nur sein Mitarbeiterstab im Amt, sondern auch die Zahl interessierter Bürger. Kulturelle Reihen entstanden, unter anderem die Sinfonie- oder die Philosophische Reihe, auf die der Jubilar besonders stolz ist. 17 Jahre lang erhielt Lenz auch Unterstützung durch den früheren Kulturdezernenten Klaus Beier. In Windeseile wurde so auch das Theater Alte Feuerwache im Badehaus 2 umgesetzt, eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte.

Kritik verstummte

Auch die »KEKS-Tage« gehen auf das Konto von Lenz, dem es wichtig war, Kindern und Eltern das kulturelle und sportliche Angebot der Stadt aufzuzeigen. Laut Lenz sollte der Blick noch mehr auf die Kinder und die Jugend gerichtet werden. Den Christkindlmarkt holte Lenz aus der Innenstadt in den Sprudelhof, was zur damaligen Zeit für Kritik seitens des Einzelhandels sorgte. Die kritischen Stimmen verstummten. Die Attraktivität des Weihnachtsmarktes ist auch ein Verdienst von Astrid Mexia, die das Konzept bis heute umsetzt. Viele kulturelle Projekte werden heute durch privates Engagement und Fördervereine oben gehalten. Die letzten Jahre seien durch eine Bestandserhaltung geprägt worden, sagt Lenz. »Wären Vereine nicht eingesprungen, hätte es Einbrüche gegeben.« (Foto: cor)

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