10. September 2018, 17:00 Uhr

Wohnen im Gewerbegebiet

Taubenbaum: Kaufhaus Weyrauch spielt den Vorreiter

Prinzipiell herrscht Einigkeit: Im Bad Nauheimer Gewerbegebiet Am Taubenbaum soll Wohnraum geschaffen werden. Doch so, wie es das Parlament beschlossen hatte, wird es nicht gehen.
10. September 2018, 17:00 Uhr
Mischnutzung: Im Neubau auf dem Weyrauch-Areal am Taubenbaum sollen Gartenmöbel verkauft werden und Wohnungen entstehen. (Archivfoto: jwn)

Angesichts des Baubooms in Bad Nauheim bemüht sich die Politik, der Gewinnmaximierung von Privatinvestoren einen Riegel vorzuschieben. Zudem sollen Renditen, die durch den Verkauf von Grundstücken erzielt werden, möglichst der Allgemeinheit zugutekommen. Außerdem, so eine These, könne nur die Stadt dafür sorgen, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht. Diese Gründe führten im April zu dem Parlamentsbeschluss, das Gewerbegebiet Am Taubenbaum in ein Mischgebiet zu verwandeln und gleichzeitig eine Vorkaufsrechtssatzung für die Parzellen entlang der »kleinen Umgehung« zu erlassen, um die Veräußerung an Bauträger zu verhindern.

 

Rechtlich auf tönernen Füßen

Wie die Verwaltung in der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend klar machte, lassen sich diese Pläne nicht verwirklichen. Der Stadtverordnetenbeschluss stand aus rechtlicher Sicht von Anfang an auf tönernen Füßen. Wie es in der aktuellen Vorlage für den Bauausschuss heißt, sei mit der Umwandlung vom reinen Gewerbe- in ein Mischgebiet ein »nicht unerheblicher Eingriff« in die Rechte privater Grundstücksbesitzer verbunden. Klagen oder Schadensersatzansprüche könnten die Folge sein.

Eine Vorkaufsrechtssatzung macht aus Sicht des Rathauses keinen Sinn, weil damit keine Bodenbevorratung betrieben werden könne. Zudem müsse die Stadt, nähme sie ihr Vorkaufsrecht in Anspruch, denselben Preis zahlen, den ein Privatinvestor an den Eigentümer überweisen würde. »Ohne Grundstücksbesitzer und mit Zwangsmaßnahmen erreichen wir unsere Ziele nicht«, betonte Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Er empfahl stattdessen, nach der »Methode Weyrauch« vorzugehen und vorhabenbezogene Bebauungspläne für einzelne Grundstücke zu entwickeln, deren Eigentümer Wohnbebauung wünschen. In Zusatzverträgen könne darauf gedrängt werden, das Ziel »bezahlbarer Wohnraum« umzusetzen. Patscha: »Es geht nur in kleinen Happen.«

 

 15 bis 20 Mietwohnungen auf Weyrauch-Areal

Wie berichtet, wird das 4000-Quadratmeter-Areal der Kaufhaus Weyrauch GmbH aus dem B-Plan herausgelöst und in ein Mischgebiet umgewandelt. Dann kann der Eigentümer einen Neubau errichten, im Erdgeschoss Gartenmöbel verkaufen und in zwei darüberliegenden Stockwerken 15 bis 20 Mietwohnungen anbieten. Der Familienbetrieb möchte, wie er vor einem Jahr erklärt hatte, bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Auch CDU-Fraktionschef Manfred Jordis hat sich eines Besseren belehren lassen. Im April hatte seine Fraktion noch die komplette Umwandlung des Taubenbaums in ein Mischgebiet beantragt. Wie Jordis jetzt erklärte, eigne sich nicht das gesamte Gewerbegebiet für Wohnbebauung. »Es könnten Konflikte mit produzierendem Gewerbe entstehen«, sagte er.

Nach Ansicht der Verwaltung bietet sich vor allem der südliche Teil an, wenn auch nicht alle Grundstücke. Auf die Idee, dort Wohnraum zu schaffen, war Patscha gekommen, weil sich das Gewerbegebiet trotz der hervorragenden Lage nicht weiterentwickle. Es gibt einige brachliegende Flächen.

Die Beschlussvorlage zum Gewerbegebiet wurde schließlich einstimmig gebilligt.

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