14. August 2018, 11:00 Uhr

Hans-Bär-Film

Szenen einer Rückkehr

Nach 80 Jahren ist Hans Bär zum ersten Mal zurückgekehrt in das Land, aus dem er als jüdischer Junge geflohen ist. Ein Film-Team hat ihn auf seiner Reise nach Wohnbach begleitet.
14. August 2018, 11:00 Uhr

»Schön, dass Du da bist«, sagt Elly Schenk zu Hans Bär. Sie sitzt im Rollstuhl, er steht, hält seinen Stock in der linken Hand, mit der rechten drückt er die der alten Bekannten. »Hattest Du Heimweh nach Wohnbach?«, fragt sie. Er antwortet: »Ich wollte meine Heimat sehen.«

Hans Bär in seiner alten Heimat (Foto: Screenshot/Arte)
Hans Bär in seiner alten Heimat (Foto: Screenshot/Arte)

Ein Fernsehteam des Senders Arte hat diesen Moment filmisch festgehalten. Das Team hat Hans Bär von seiner Abreise in Argentinien an begleitet, Momente seiner ersten Reise in die Heimat, aus der Hans Bär als jüdischer Junge 1938 geflohen ist, filmisch festgehalten. Das Filmteam hat zudem Wohnbacher dabei begleitet, wie sie sich auf den Besuch vorbereiten. Gestern Abend lief die 30-minütige Reportage im Fernsehen. Wer sie verpasst hat, kann sie aber noch in der Arte-Mediathek im Internet anschauen.

 

Begegnungen mit alten Bekannten

 

Eine Szene nach der Begegnung von Hans Bär und Elly Schenk folgt im Film der Empfang in der Wohnbacher Sporthalle. Damals, im Mai, hatte sich ein richtiges Begrüßungskomitee im Ort zusammengefunden. Auch das zeigt die Reportage sehr gut: Kuchen sind gebacken worden, die Tische beim Empfang gestellt und mit Blumen dekoriert worden, Besuche sind arrangiert worden.

Am Tag des Empfangs in der Sporthalle singt der Chor »In der Heimat« – einer der Momente, in denen Hans Bär die Tränen kommen.

Später, nach zwei Wochen in Deutschland, als er wieder zurück nach Argentinien geflogen ist, sagten er und seine Begleiter, dass die Reise in die Heimat von gegensätzlichen Gefühlen geprägt gewesen war. Traurigkeit und Freude, schmerzliche Erinnerungen und schöne. Einmal zum Beispiel trifft Hans Bär auf Kurt Bommersheim. Sie sagen sich Hallo. Einer sagt, »ich bin Jahrgang 24«, der andere sagt, »ich 23«. Hans Bär sagte nach dieser Begegnung, dass er an die vielen Jahre denken musste, die man hätte im Dorf leben können.

 

»Ich merke, dass es den Hass nicht mehr gibt«

 

Auch diese gemischten Gefühle zeigt der Film: der alten Mann, der nach 80 Jahren in sein Elternhaus kommt und erzählt, wo einmal ein Zimmer, wo eine Wand gewesen ist. Der seinen jungen Begleitern freudig erzählt, wie es einmal im Ort ausgesehen hat oder das Spiel der Wohnbacher Fußballmannschaft kommentiert. Und der Film zeigt den Mann, der aus dem Auto steigt, auf die Gedenktafel für die ermordeten jüdischen Wohnbacher zugeht. Dort liest er die Namen und die Todesorte seines Großvaters und seines Onkels.

Zwei Wochen war Hans Bär im Mai in Deutschland. Er ist wohlbehalten zurück in Argentinien, die Eindrücke werden ihn noch lange begleiten. Im Film sagt er: »Ich sehe viel Fortschritt, ich merke, dass es den Hass nicht mehr gibt, den es früher in der Bevölkerung gab.«

 

Zu sehen ist die Reportage noch bis November in der Arte-Mediathek unter www.arte.tv

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