16. November 2018, 21:08 Uhr

Studie: 800 Fahrgäste täglich

16. November 2018, 21:08 Uhr
Landrat Jan Weckler (r.) und der Wölfersheimer Bürgermeister Eike See tauschen sich über die Reaktivierung der Horlofftalbahn am Bahnhof in Södel aus. (Foto: prw)

Sowohl im Wetteraukreis als auch im Landkreis Gießen haben die Kreistage beschlossen, die Horlofftalbahn im Abschnitt Södel bis Hungen zu reaktivieren (die WZ berichtete). Jetzt hat der Kreisausschuss grünes Licht für das weitere Vorgehen mit dem Kreis Gießen und dem Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe gegeben.

»Mit der geplanten Wiederinbetriebnahme der Verbindung von Södel bis nach Hungen und zur Berufsverkehrszeit weiter nach Lich erreichen wir gleich mehrere Ziele«, sagte Landrat Jan Weckler. Zum einen werde eine empfindliche Lücke im Nahverkehrsnetz auf der Schiene geschlossen, die Anbindung in das Rhein-Main-Gebiet werde deutlich verbessert, und der Standortfaktor Mobilität der anliegenden Gemeinden und des umliegenden ländlichen Raums werde gestärkt.

Kürzere Fahrtzeit

Die Reaktivierung der Horlofftalbahn verkürzt die Fahrtzeit auf den Strecken von Berstadt nach Friedberg und nach Frankfurt und verbessert den Komfort, weil ein Umsteigen künftig nicht mehr nötig sein wird. »Das hat eine große Bedeutung sowohl für den Pendler- und Schülerverkehr als auch den Freizeit- und Gelegenheitsverkehr, so dass auch eine Verlagerung vom Individualverkehr auf den öffentlichen Personennahverkehr zu erwarten ist«, sagte Weckler.

Der gesamtwirtschaftliche Vorteil wurde in einer Nutzen-Kosten-Untersuchung herausgearbeitet. Auf der Nutzenseite stehen Verbesserungen für die Umwelt sowie vermiedene Pkw-Betriebskosten und vermiedene Unfallkosten. Auf der Kostenseite stehen die Betriebs- und Unterhaltungskosten der Bahninfrastruktur. Die Untersuchung geht von werktäglich mehr als 800 zusätzlichen Fahrgästen im öffentlichen Personennahverkehr aus. »Selbst wenn in jedem Pkw zwei Personen sitzen würden, wäre das eine Autoschlange von zwei Kilometern, Stoßstange an Stoßstange«, rechnet Weckler vor.

Die Investitionskosten liegen laut Kostenschätzung bei rund 20,7 Millionen Euro für Gleisanlagen, Signale, Bahnsteige und Ähnliches. Zudem sind Investitionen, etwa für Bushaltestellen sowie Parkplätze für Pkw und Fahrräder, zusätzlich von den Kommunen zu stemmen. Eine zentrale Voraussetzung für die Realisierung des Projekts ist die Förderung durch das Land.

»Die Reaktivierung der Horlofftalbahn ist eine der wichtigsten verkehrspolitischen Entscheidungen für die nächsten Jahre«, sagte Weckler. »Dass es mit dem Individualverkehr nicht immer so weitergeht, zeigen die täglichen Staus auf der A 5, die dann immer erhebliche Auswirkungen auf die Verkehrssituation in der Wetterau haben. Hier brauchen wir eine Entlastung.«

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