05. September 2018, 13:00 Uhr

Luxor-Kino

Sie trotzen dem Imperium

Vom anfänglichen Ärger rund ums Luxor-Kino ist in Nidderau längst nichts mehr zu spüren. Der Filmpalast besteht seit 15 Jahren. Sorgen macht den Betreibern das Angebot der Streaming-Dienste.
05. September 2018, 13:00 Uhr
Kino-Inhaberin Christa Englert (3. v. l.) und ihr Team sind begeisterte Cineasten und möchten den Standort des Luxor-Filmpalastes in Nidderau erhalten. (Foto: Lori)

Am Anfang war die Idee: Das Ehepaar Schultheis-Brenner, die den »Sternpalast« in Schöneck und das Kino in Mühlheim betrieben, nennt Bürgermeister Schultheiß als Anstoßgeber für das barrierefreie Kino in Nidderau. Schnell sei die im Jahr 2000 geborene Idee auf ihre Machbarkeit überprüft worden. Ein Investor, der das Kino bauen wollte, war schnell gefunden. Die Pläne zerschlugen sich nur ein Jahr später. Ein neuer Investor musste her.

Holger Baake aus Schöneck vermittelte den Kontakt zu Familie Englert. Das Vorhaben gestaltete sich schwierig. »Die Freien Wähler starteten 2000 eine Kampagne. Es kam zu einem Bürgerentscheid«, erklärt Schultheiß. Von 12 900 Quadratmeter Liegewiese des Nidderbades sollten 700 Quadratmeter Fläche zum Bau des Kinos verwendet werden. Die Freien Wähler lehnten das Vorhaben mit der Begründung ab, dass dies zum Verlust der Liegewiese führen würde, zu Verkehrs- und Parkplatzproblemen, Kriminalität und Drogenkonsum sowie Vermüllung. SPD, CDU und Grüne hielten mit dem »Pro Kino Bündnis« dagegen. »Beim Bürgerentscheid stimmten 5471 Personen ab. 1508 Menschen lehnten das Kino ab, 3946 stimmten für das Kino, 17 Stimmen waren ungültig«, erinnert sich Schultheiß.

Sitze kommen aus Paris

Am 17. September 2003 wurde das Kino eröffnet. Cineasten kommen heute bis aus Hanau, Frankfurt und dem Taunus, um sich hier Filme anzusehen. »Zugpferde sind das frisch zubereitete Popcorn, das Gemeinschaftsgefühl und die sozialen Kontakte im Kino-Foyer«, sagt Theaterleiter Udo Neudecker. Er spricht von durchschnittlich 150 000 Besuchern pro Jahr. In der Woche gibt es 15 Filme zu sehen, vier sind immer neu. Hinzu kommt das Senioren- und Frauenkino. Zur Verfügung stehen 715 Sitzplätze in fünf Sälen. »Wir haben das Kino in Nidderau 2002 gekauft. Für das Gebäude und die Technik haben wir einen mittleren einstelligen Millionenbetrag investiert«, sagt Englert und erinnert sich, dass die Bestuhlung in Paris angefertigt wurde. Außer in Nidderau besitzen die Englerts noch Kinos in Schwetzingen, Wiesloch-Walldorf, Bensheim und Heidelberg. An den fünf Standorten sind 200 Mitarbeiter beschäftigt. In Nidderau sind es 20 und der leitende Angestellte Daniel Breuer.

Auch Veranstaltungen wie Kindergeburtstage und Firmenevents werden angeboten. Die Cinecard garantiert ihrem Besitzer 50 Cent Nachlass pro Film. »Wir legen Wert auf Sauberkeit in den Sälen und sind mit unseren bequemen Sitzen nicht zu toppen«, sagt Neudecker. Die Englerts seien auch die ersten gewesen, die mit »Paarsitzen« im Kino punkteten. In einigen Reihen gibt es Sitze für Verliebte mit fehlender Armlehne – ideal zum Kuscheln.

Auch Autoren der literarischen Vorlagen, die verfilmt wurden, waren schon zu Gast. Zudem würden nicht nur Hollywood-Streifen, sondern auch anspruchsvolle Filme gezeigt werden.

Schultheiß spricht von einer guten Zusammenarbeit und wertet das Kino als ein Stück Lebensqualität für junge Familien. »Auf einer Achse von 500 Metern finden sich Kino, Seniorenheim, Rathaus, Schwimmbad, Gesamtschule und Neue Mitte«, sagt Schultheiß. Die Englerts leben in Schifferstadt in der Pfalz. Während Christa Englert für das Personal zuständig ist und Tochter Nicole im Service arbeitet, kümmert sich Sohn Jochen ums Büro und rund um die Filme und Vater Johannes um den Bau der Kinogebäude. Das Geschäft mit dem Kino ist noch immer die große Leidenschaft der Familie, aber es hat sich verändert. Bedingt durch Home-Entertainment-Systeme, die ein Kinoerlebnis in den eigenen vier Wänden garantieren oder Online-Video-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime, verzeichnen sie im Jahr 35 000 Besucher weniger, als noch in den Anfängen ihres Kinobetriebs.

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