22. April 2018, 12:00 Uhr

Einbruch in Modehaus

Ruths: Schaden viel höher als geschätzt

Friedberg (har). Nach der Teilinventur steht fest: Der Schaden nach dem Einbruch ins Modehaus Ruths ist viel größer als zunächst geschätzt. Ware im Wert von 187 000 Euro wurde gestohlen.
22. April 2018, 12:00 Uhr
Jochen Ruths räumt neu eingetroffene Ware ein: Nach dem Einbruch gibt’s im Modehaus viel zu tun. Aber nicht alles lässt sich auf die Schnelle besorgen. (Fotos: Loni Schuchardt)

»Einbruch in Modehaus – Schaden 65 000 Euro« lautete die Mitteilung der Wetterauer Polizei am 5. April. In der Nacht zuvor waren Diebe in das Modehaus Ruths eingebrochen und hatten Herrenkleidung gestohlen. Der Schaden war weitaus höher als gedacht. »Es wurden 1644 Teile im Gesamtwert von 187 000 Euro gestohlen«, sagt Jochen Ruths, einer der vier Geschäftsführer des Familienbetriebs. Er ist überzeugt, dass es sich bei den Dieben um Profis handelt, die das Geschäft zuvor ausgekundschaftet haben. »Die wussten genau, wo das hängt, was sie mitnehmen wollten.« Abgesehen hatte es die Langfinger vor allem auf Hemden, Hosen, Jacken, Jeans und Poloshirts. Sakkos wurden nur wenige mitgenommen, Anzüge blieben hängen.

Zugang zu dem Modehaus vis-à-vis der Friedberger Burg verschafften sich die Diebe über eine schmale Schaufensterscheibe am Parkplatz. Die Parkplatzeinfahrt befindet sich in der ruhigen Straße »Vorstadt zum Garten«, neben dem Ticket-Shop. Ein Nachbar hat der Polizei berichtet, dass er gegen 3.40 Uhr auf dem Weg zur Toilette einen Lkw gesehen habe. Als er zurück ins Schlafzimmer ging, sei der Wagen weg gewesen.

Die Scheibe war für die Diebe kein Problem, sie wurde fachgerecht aufgehebelt und konnte später vom herbeigerufenen Handwerker wieder mühelos eingesetzt werden. Jochen Ruths: »Sie haben es sich einfach gemacht und von innen die Türschlösser aufgebrochen, so dass sie die Ware bequem heraustragen konnten.« Die Artikelsicherungsanlage am Ausgang, die bei Kleidungsstücken mit einem Sicherungs-Stick piept, wurde kurz geschaltet, und selbst den Stark-Magneten neben der Kasse, mit dem die Sicherungs-Sticks nach dem Kauf abgeklemmt werden, haben die Diebe mitgenommen.

Zweiter Einbruch in einem Jahr

Für Ruths war es bereits der zweite Einbruch innerhalb eines Jahres. In der Nacht zum 2. Mai 2017 wurde nach dem gleichen Muster eingebrochen, damals wurde Herrenkleidung im Wert von gut 60 000 Euro gestohlen. Doch es gab einen Unterschied: »Das letzte Mal kamen die Diebe durchs rechte Fenster, dieses Mal durchs linke«, meint Jochen Ruths mit ironischem Lachen.

Die Macke am Fenster, durch das die Einbrecher einstiegen, ist kaum zu erkennen.
Die Macke am Fenster, durch das die Einbrecher einstiegen, ist kaum zu erkennen.

Außerdem mussten die Diebe damals wohl gestört worden sein, ließen sie doch einen bereits vollgepackten Sack stehen. Das einzige, was sie nun zurückgelassen haben, war eine Wasserflasche, die nun von der Polizei nach DNA-Spuren untersucht wird.

Neue Sicherheitsvorkehrungen

Der Schaden wird von der Versicherung ersetzt, jedoch machte diese nun eine Auflage: Die Fenster sollen in eine Einbruchmeldeanlage einbezogen werden. Kam die Zusage, den Schaden zu übernehmen, seitens der Versicherung sehr schnell, so gestaltet sich die Neubeschaffung der gestohlenen Ware als wesentlich schwieriger. »Einige Lieferanten haben große Lager und konnten schnell liefern. Bei anderen dauert es länger, es kommt immer noch Ware«, sagt Ruths. Teilweise konnte die gestohlene Ware nicht ersetzt werden, da sie bei den Herstellern nicht mehr vorrätig war. »Das ist natürlich besonders traurig«, sagt Ruths, der noch von zwei weiteren Einbrüchen erzählt.

Im Herbst 2016 hatten es Einbrecher jedoch nur auf das Wechselgeld in der Kasse abgesehen. Der letzte große Diebstahl geschah während der Umbauarbeiten im Winter 1999/2000. Damals bekam die Familie Ruths die Ware nach wenigen Stunden wieder. Die Polizei entdeckte einen abgestellten Lkw auf der A 5 kurz nach der Auffahrt in Richtung Frankfurt. Der kuriose Grund: Die Diebe hatten Benzin statt Diesel getankt. »So viel Glück hatten wir dieses Mal nicht«, sagt Ruths, der wenig Hoffnung hat, dass die Diebe noch ermittelt werden.

In der Woche vor dem Einbruch drehte das HR-Fernsehen für eine Service-Sendung im Modehaus. Ausstrahlung war am 4. April, dem Abend vor dem Einbruch. Jochen Ruths war als Interviewpartner im Studio und hatte eine Stange Herrenbekleidung mit. »Von einigen Marken waren das die einzigen Stücke, die wir nach dem Einbruch noch hatten«, sagt er und muss lachen. Der Humor wurde dem Vorsitzenden des Hessischen Einzelhandelsverbandes noch nicht gestohlen.

Infobox

Das Modehaus Ruths

1898 gründete Peter Ruths in der Augustinergasse ein Schneideratelier, aus dem ein Modehaus wurde. Nach mehreren Umzügen befindet es sich seit 1916 in der Kaiserstraße 5. In der vierten Generation führen die Brüder Jochen und Roman Ruths sowie deren Cousine Eike und Cousin Peter Ruths das Geschäft. Nach dem Umbau vor elf Jahren bietet das Modehaus auf drei Geschossen und über 1300 Quadratmeter Kleidung für Damen, Herren und Kinder an. 40 Fachkräfte beraten die Kunden. Die Familie Ruths hat sich der qualitätsvollen Kleidung verschrieben. Ihr Sortiment suchen die Inhaber selbst aus, besuchen mehrmals im Jahr Modemessen. Über 100 Lieferanten machen das Angebot »rund«. In den 1960er-Jahren wurde in Bad Nauheim eine Filiale für Damenmode eröffnet, die 1997 in die Reinhardstraße 5 umzog. (har)

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