15. Juni 2018, 17:00 Uhr

Info-Abend

Rewe-Gegner wollen Druck machen

240 Interessierten sind zum Informationsabend der Gegner des geplanten Rewe-Logistikzentrums nach Bingenheim gekommen. Sie haben weiter die Hoffnung, dass das Projekt noch scheitert.
15. Juni 2018, 17:00 Uhr
Volles Haus beim Infoabend zum Rewe-Lager.

»Diese fantastische Resonanz macht uns Mut.« So begrüßten Sonja Hernmark vom Verein Wetterausicht und Christa Degkwitz von der Bürgerinitiative (BI) »Bürger für Boden« die etwa 240 Interessierten, die am Dienstag zum Informationsabend zum Bau des Rewe-Logistikzentrums in die Sampo-Halle nach Bingenheim gekommen waren.

Unter dem Motto »Bürger fragen, Fachleute antworten« hatten die Veranstalter – neben den genannten auch der NABU Bingenheim – sechs Experten aufgeboten, wie die BI mitteilt: Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt, Dr. Doris Jensch vom NABU Wetterau, Diplom-Agraringenieurin Dr. Monika Gramatte von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, den Wölfersheimer Gemeindevertreter Michael Rückl (Grüne), Kreislandwirt Michael Schneller und den Steinfurther Bioland-Rosenbauern Werner Ruf saßen auf dem Podium.

Die Kernbotschaft, die den Stellungnahmen der Referenten zu entnehmen war: Das Projekt ist noch keineswegs gelaufen. Es sei tatsächlich noch offen, ob es überhaupt genehmigt werde. Der BUND Hessen hat vor dem Verwaltungsgericht Gießen Klage gegen die Entscheidung der Regionalversammlung Südhessen erhoben, nach der dem Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main erlaubt wird, das im aktuellen Flächennutzungsplan als »Vorrangfläche Landwirtschaft« ausgewiesene Areal in eine Fläche für Logistik umzuwidmen. Diese von SPD und CDU getroffene Entscheidung sei gegen die Empfehlung aller maßgeblichen Fachabteilungen für Umwelt- und Verkehrsfragen im Regierungspräsidium Darmstadt gefällt worden, die sämtlich massive Bedenken gegen das Projekt geäußert hätten, und deshalb »ermessensfehlerhaft«, argumentiert der Kläger. Das Gericht habe noch nicht darüber entschieden, ob es die Klage zulasse.

Jensch wies darauf hin, dass jeder Flächennutzungsplan ein Kompromiss zwischen widerstreitenden Interessen sei. Werde dieser auf Grundlage »so dürftiger Argumente« wie »In Wölfersheim gibt es keine alternativen Flächen« aufgekündigt, komme das einem Dammbruch gleich. Schon stünden andere Kommunen bereit, um auf ähnliche Weise Ackerland in Gewerbegebiete umzuwidmen. »Darum ist dies ein Exempel, das es zu stoppen gilt«, begründete sie die Unterstützung der Klage durch den NABU.

Rahn-Farr kritisierte besonders das in Wölfersheim beschlossene Umlegungsverfahren, durch das die Landeigentümer mit anderen Flächen entschädigt werden sollen. »Boden ist nicht vermehrbar«, betonte sie. »Auch wenn der einzelne Berstädter Bauer durch das Verfahren entschädigt wird, fällt am Ende der Kette ein anderer hinten runter.« Damit werde der gesetzlich festgelegte Grundsatz, dass durch Umwidmungsmaßnahmen kein Landwirt seine Existenzgrundlage verlieren dürfe, konterkariert.

Zu Beginn der anschließenden Fragerunde bekannte der Echzeller Bürgermeister Wilfried Mogk, dass er ursprünglich gehofft habe, dass Echzell sich mit einem eigenen Gewerbegebiet an das Logistikzentrum anschließen könne. An die Qualität des Ackerboden habe auch er damals noch nicht gedacht. Inzwischen habe er aber erkannt, dass dieser Wunsch aussichtslos sei. Er zitierte die kritische Stellungnahme des Gemeinde zu dem Projekt, die sich mit Fragen der Verkehrslenkung und dem Lärmschutz für den gegenüberliegenden Römerhof befasst habe.

Noch viele offene Fragen

In weiteren Fragen und Stellungnahmen wurde deutlich, dass es viele offene Fragen gibt, etwa die der Lichtverschmutzung und des Lärms, ebenso die des Wasserverbrauchs und der Entsorgung des Niederschlagswassers, gerade bei Starkregenereignissen wie jüngst in Obbornhofen/Bellersheim.

Zum Abschluss betonten die Veranstalter, dass noch drei Bürgerbeteiligungen ausstehen – zur Änderung des Flächennutzungsplans und zum konkreten Bebauungsplan der Gemeinde Wölfersheim. Anlässlich der ersten seien in Wölfersheim bereits rund 150 kritische Stellungnahmen eingegangen. Zum Schutz der Ackerbodens sei es wünschenswert, den Druck in den weiteren Beteiligungsverfahren aufrechtzuerhalten. Rückl: »Vielleicht kommt Rewe noch zur Vernunft.«

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