22. August 2018, 14:00 Uhr

Fotobuch

Reichelsheimer veröffentlicht Bildband übers Bingenheimer Ried

Im Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried geht Hanns-Jürgen Roland manchmal täglich auf Fotosafari. Nun hat er seine Fotos in einem Bildband veröffentlicht - und Gewinn bereits verplant.
22. August 2018, 14:00 Uhr

Es gibt Zeiten, in denen ist Hanns-Jürgen Roland täglich im Bingenheimer Ried unterwegs. Mit Fernrohr und Kamera liegt der Reichelsheimer auf der Lauer, um Vögel, Libellen oder besondere Wetterlagen in dem Naturschutzgebiet zu beobachten – und zu fotografieren. »Es gibt Momente, da hat man nur wenige Minuten, um ein gutes Foto zu schießen«, sagt er. Glücklicherweise seien es nur 500 Meter von seinem Haus bis zum Aussichtspunkt am Ried. Seine Aufnahmen aus über 15 Jahren hat Roland Anfang August in einem Bildband veröffentlicht – inklusive Informationen zum Gebiet. Den Gewinn aus dem Verkauf will er an Wetterauer Naturschützer spenden.

Im Buch »Das Bingenheimer Ried« zeigt Roland das Naturschutzgebiet und seine Tierwelt in großformatigen Fotos. Darin sind die Auenlandschaft im Abendrot, unter dunklen Gewitterwolken, im Schnee oder mit Gruppen rastender Zugvögel zu sehen. Spektakulär sind Aufnahmen von kämpfenden Weißstörchen im Flug oder einem Kiebitz, der in einem rasanten Flugmanöver eine Rabenkrähe in die Flucht schlägt. Vor allem Vögel, aber auch Säugetiere, Amphibien und Libellen hat Roland abgelichtet. Im Buch listet er außerdem 230 Vogel-, 44 Libellen-, 12 Amphibien und 18 Säugetierarten auf, die im Ried vorkommen, und erzählt die Geschichte des Gebiets zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.

 

Vom Finanzmarkt in die Natur

Naturfotografie und -schutz betreibt der 66-Jährige als Hobby. Mit 50 Jahren hat er seinen Job als Devisenhändler in Frankfurt an den Nagel gehängt und fasste den Entschluss, sich für den Naturschutz zu engagieren. Nun ist er Mitglied im NABU und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) mit Sitz in Echzell. Über Libellen, sein Steckenpferd, schreibt er im »Atlas der Libellen in Hessen« und im Internet unter www.libellen-wetterau.de. Die Insekten brachten ihn zum Fotografieren. »Anfangs habe ich Libellen mit einer einfachen Bridge-Kamera geknipst«, sagt er. »Um sie im Flug scharf zu fotografieren, begann ich schließlich aufzurüsten.« Nun brauche er einen Fahrradanhänger, um sein über 10 Kilogramm schweres Equipment zu transportieren.

Das Bingenheimer Ried erstreckt sich über rund 85 Hektar zwischen Echzell und Reichelsheim. Das Niedermoorgebiet in der Horloff-Aue ist 1985 zum Naturschutzgebiet erklärt worden und Herzstück des Landschaftsschutzgebietes Auenverbund Wetterau, das zum europäischen Schutzgebiets-Netzwerk Natura 2000 gehört. Die überfluteten Wiesen bieten für viele Tiere ideale Möglichkeiten zum Brüten und zum Futtersuchen, darunter bedrohte und seltene Arten wie Sumpfhuhn, Löffelente, Weißstorch, Kammmolch und Knoblauchkröte. Es ist zudem ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Zusätzlich zu den zahlreichen Wildtieren weiden im Bingenheimer Ried Rinder und Exmoor-Ponys.

Man kann Wasser- und Watvögel gut beobachten, ohne sie zu stören

Hanns-Jürgen Roland, Hobby-Fotograf und Autor

Für sein Buch ist Roland nicht nur im Ried auf Fotosafari gegangen, sondern hat auch viele Stunden am Computer gesessen. Einen interessanten Fund über die Geschichte des Rieds machte er im Online-Archiv der Wetterauer Zeitung, das mit verschiedene Publikationen bis 1809 zurückreicht. »Das Ried ist erstmals im Jahr 1693 erwähnt«, sagt Roland. »Die historischen Dokumente standen mir nicht zur Verfügungen, aber einem Journalisten der WZ, der darüber um 1960 einen Artikel geschrieben hat.« Anhand von Fotos und Zeichnungen zeigt er außerdem, wie der Verlauf der Horloff in den 1970er Jahren begradigt wurde, wie Naturschützer und Behörden das Gebiet seit 1985 renaturiert haben und sich die Tierwelt erholt hat – vor allem seitdem 1991 ein Wehr gebaut worden ist, das das Wasser im Gebiet staut.

 

Beobachtungstipps vom Fotografen

Exmoor-Ponys leben ebenso in der Auenlandschaft zwischen Echzell und Reichelsheim wie viele Wasser- und Watvögel.
Exmoor-Ponys leben ebenso in der Auenlandschaft zwischen Echzell und Reichelsheim wie viel...

Wer auf Safari ins Bingenheimer Ried gehen will, dem rät Roland, mit einem Fernglas den Beobachtungsturm im Osten aufzusuchen. Von dort hat er viele Fotos geschossen. »Man kann Wasser- und Watvögel gut beobachten, ohne sie zu stören«, sagt er. Das Naturschutzgebiet darf man nicht betreten. Eine weitere Beobachtungshütte liegt im Westen. Mit Kamera und Spektiv wird man Roland sicher ab Oktober im Ried treffen. Dann rasten dort Hunderte Kraniche auf ihrem Weg in Richtung Süden.

Info

Das Buch

Der Bildband »Das Bingenheimer Ried« von Hanns-Jürgen Roland ist im August erschienen. Auf 180 Fotos zeigt der Autor aus Reichelsheim das Naturschutzgebiet im Herzen der Wetterau. Angereichert ist der Bildband mit Informationen zur Geschichte des Gebiets und gibt einen Überblick über die Tier- und Pflanzenwelt. Das Buch gibt es für 24,90 Euro in der Geschäftsstelle der Wetterauer Zeitung in Bad Nauheim (Parkstraße 16) zu kaufen. Weitere Verkaufsstellen gibt es in Reichelsheim, Echzell und Friedberg. Weitere Informationen gibt Roland unter hjroland @gmx.de. Das Buch kann man bei ihm oder der HGON per E-Mail bestellen und liefern lassen (info@hgon.de).

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