17. August 2018, 10:05 Uhr

Massensterben

Rätselhaftes Fischesterben über Nacht: Mögliche Ursachen in der Diskussion

Hunderte junge Fische sind tot in der Nidda gefunden worden. Das plötzliche Sterben in dieser Dimension gibt Rätsel auf. Die Ursachenforschung läuft.
17. August 2018, 10:05 Uhr
Wie dieser Döbel sind in der Nidda zwischen Wickstadt und Assenheim Hunderte weitere Fische gestorben. Die Ursache des beispiellosen Ausmaßes ist noch unklar. (Foto: pv)

Hunderte Fische sind am Mittwoch tot in der Nidda gefunden worden. Zwischen Wickstadt und der Wetter-Mündung in Assenheim kämpften die Tiere vergeblich ums Überleben. »Ein Fischsterben in dieser Dimension und innerhalb weniger Stunden hat es in diesem Abschnitt noch nicht gegeben«, sagt Frank Pfuhl vom NABU Wetterau. Bis zu zehn Fische auf dem Quadratmeter hätten auf dem Grund gelegen.

 

Natürliche Ursachen möglich

Die Ursachen sind offiziell noch unklar. »Der aktuelle Sachstand ist, dass das Fischstreben durchaus auch eine natürliche Ursache haben kann. Die Wasserproben werden im Hessischen Landeslabor in Gießen untersucht. Dass die Tiere eines natürlichen Todes gestorben sind, kann nicht ausgeschlossen werden«, hieß es am Donnerstagvormittag bei der Polizei Mittelhessen. Nur wenn sich aus dem Labor der Verdacht der Naturschützer bestätigt, dass giftige Substanzen für den Tod der Fische verantwortlich gewesen sind, würde ermittelt werden.

Es könnte sein, dass die Fische zu wenig Sauerstoff bekamen

Untere Wasserbehörde des Wetteraukreises

Die Wahrscheinlichkeit, ob Sauerstoffmangel oder giftiger Stoff die Ursache sei, halte sich derzeit die Waage, teilte die Untere Wasserbehörde des Wetteraukreises mit. Die Vermutung, dass Gülle oder Jauche die Ursache sein könnte, hat sich laut der Behörde nicht bestätigt. An der Kläranlage des Abwasserverbandes Horlofftal unterhalb von Nieder-Florstadt sei Wasser aus der Nidda entnommen und in einem Schnelltest auf Ammonium hin untersucht worden. Der niedrige Ammoniumgehalt schließe den Eintrag von Gülle oder Jauche aus.

 

Algen als Todesursache?

Ursache für das Fischsterben könnte ein Sauerstoffmangel aufgrund der Wetterlage sein oder ein toxischer Stoff, der in die Nidda gelangte. »Was den Sauerstoffgehalt angeht, so gebe es in der Nidda derzeit viele Algen, die nachts mehr Sauerstoff verbrauchen als sie tagsüber durch die Photosynthese produzieren. Da die letzten Tage eher bewölkt waren und es dann sonnig wurde, könnte es sein, dass die Sauerstoffzehrung morgens hoch war und deshalb die Fische zu wenig Sauerstoff bekamen«, hieß es aus der Wasserbehörde.

Wir vermuten, dass irgendwo irgendwas eingeleitet wurde

Frank Pfuhl, Vorsitzender NABU Wetterau

Pfuhl und der Bad Vilbeler Gewässerokologen Gottfried Lehr können, solange keine offiziellen Angaben gemacht werden, nur spekulieren, dass es sich um giftige Stoffe gehandelt haben muss. »Wären beispielsweise die hohen Temperaturen Schuld am Fischsterben, wäre das schon vor einer Woche passiert. Da hatte die Nidda Wassertemperaturen von 25 Grad. Jetzt liegen die Temperaturen bei 20 Grad«, sagt Lehr. »Wir vermuten, dass irgendwo irgendwas eingeleitet wurde«, sagt Pfuhl. Zudem hätten Passanten auf der Niddabrücke berichtet, dass das Wasser streng gerochen habe. Auch das lasse darauf schließen, dass es sich nicht um eine natürliche Todesursache handeln könne.

 

Mindestens ein Jahrgang vernichtet

Vor allem junge Tiere, zwischen zehn und zwölf Zentimeter lang, habe es erwischt. »Man kann davon ausgehen, dass es die Jungfische mindestens eines Jahrganges vernichtet hat«, sagt Pfuhl. Selbst 24 Stunden nach den ersten Funden hätten noch bis zu 15 Fische auf kleiner Fläche in den Pflanzen gehangen. Die älteren Fische seien rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich entkommen – über Seitenarme oder die Wetter hinauf.

Auch dort soll es Beobachtungen von Fischbewegungen gegeben haben. Ein Vorteil der Nidda sei, dass sie fast durchläufig ist. »So können Fische durchwandern und den Abschnitt relativ schnell wieder besiedeln«, sagt Pfuhl. Auf Katastrophen dieser Art will er künftig aber verzichten, zumal im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen viele heimische Fischarten zurückgekehrt seien.

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