03. Dezember 2018, 09:46 Uhr

Zug fällt aus

RMV-10-Minuten-Garantie sorgt für absurden Streit

Es gehe ihm nicht ums Geld, sagt der Bahnfahrer. »Es geht ums Prinzip.« 2,65 Euro hat seine Zugfahrkarte gekostet, doch der Zug kam nicht. Jetzt möchte der Wetterauer vom RMV sein Geld zurück.
03. Dezember 2018, 09:46 Uhr

Von Sabrina Dämon , 3 Kommentare
Wenn der Zug ausfällt ist das ohnehin ärgerlich. Zwar gibt es für die gekaufte Fahrkarte das Geld zurück, doch dieser Vorgang läuft nicht so, wie ein Echzeller es im Sinne der »Kundenfreundlichkeit« erwartet. (Foto: sda)

Er sei keiner, der oft Zug fährt, sagt Manfred Schäfer (*Name geändert). In der Regel steige er ins Auto. Im Oktober habe er es jedoch einmal versuchen wollen – und habe sich seither nur geärgert: Zuerst sei der Zug nicht gekommen, und jetzt gebe es Probleme bei der Rückerstattung des Fahrkartenpreises.

Aus Richtung Echzell sollte es wenige Haltestellen Richtung Reichelsheim gehen. Schäfer habe sich von zu Hause zum etwa 1,5 Kilometer entfernten Bahnhof bringen lassen, am Automaten für 2,65 Euro ein Ticket gekauft und gewartet. Dann der Hinweis auf der Anzeigentafel: Der Zug falle wegen eines technischen Defekts aus. »Ich hatte kein Handy dabei, in der Nähe ist kein Bus gefahren, also bin ich nach Hause getrabt. Zu der Veranstaltung kam ich mit erheblicher Verspätung.«

 

"Habe mich belogen gefühlt"

Das ist ohnehin schon ärgerlich. Noch ärgerlicher sei es für Schäfer aber geworden, als er kurz darauf in der Zeitung gelesen habe, der Grund für die vermehrten Zugausfälle an jenem Tag sei Lokführermangel gewesen – eine Menge Menschen im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsbund seien betroffen gewesen. »Das hat mich richtig geärgert, weil ich mich belogen gefühlt habe. Da habe ich entschieden, ich will mein Geld zurück.«

Es geht mir darum, dass die nicht machen können, was sie wollen

Manfred Schäfer

Prinzipiell ist das möglich: Der Verkehrsbund bietet die »RMV-10-Minuten-Garantie« an. Bedeutet: Wenn Kunden aufgrund von Verspätungen oder Ausfällen mehr als zehn Minuten zu spät ankommen, erhalten sie ihr Geld zurück. Ein Formular für Betroffene gibt es auf der Web-Seite des RMV, dort müssen u.a. die Verbindungen eingetragen werden.



Unter Anleitung eines Service-Telefon-Mitarbeiters habe Schäfer das Formular ausgefüllt und seine eingescannte Fahrkarte angehängt. Die Antwort sei bald gekommen: Sein Geld, habe es geheißen, könne er bis zum 28. Januar in jedem teilnehmenden RMV-Mobilitätszentrum abholen – unter Vorlage der Originalfahrkarte. Die nächsten Mobilitätszentren von Echzell sind in Bad Nauheim und Friedberg. Schäfers Problem: Würde er sich ins Auto setzen, nach Friedberg und zurück fahren, um die 2,65 Euro abzuholen, hätte er wegen der Spritkosten ein Minus-Geschäft gemacht.

 

Kein Ansprechpartner

Das will er nicht hinnehmen: »Ich habe eine Beförderung bezahlt, die ich nicht in Anspruch nehmen konnte. Ich möchte mein Geld zurück, und zwar ohne Mehrkosten.« So habe er angefangen, E-Mails zu schreiben und Kundenservice-Nummern anzurufen, u.a. habe er den RMV aufgefordert, das Geld zu überweisen. Bisher erfolglos. Was ihn zudem ärgert: Die Kommunikation mit dem RMV sei ohne Ansprechpartner verlaufen, E-Mails seien mit »Kundendienst« unterzeichnet gewesen, bei Telefonaten sei er stets an andere Stellen verwiesen worden.

»Ich dachte: Sagt mir doch endlich, mit wem ich sprechen kann. Ich will einen Menschen am Telefon.« Und: »Es geht mir nicht um die 2,65 Euro, sondern darum, dass die nicht machen können, was sie wollen. Ich bin derart frustriert, dass RMV und Politik sagen, wir haben zu viel Verkehr und zu viele Abgase, aber wenn man dann mal den ÖPNV nutzt, passiert so etwas.«

Vonseiten des RMV heißt es, man bedauere, dass der Echzeller von dem Fahrtausfall betroffen gewesen sei. »Ursächlich für den Ausfall der genannten Fahrt war allerdings tatsächlich ein technischer Defekt. Entsprechend war die Fahrgastinformation zutreffend.«

 

RMV: Missbrauch verhindern

Auf die Frage, warum es trotz eingescannter Fahrkarte nicht möglich sei, das Geld zu überweisen, sagt Pressesprecher Maximilian Meyer: »Die Vorlage der Originalfahrkarten bei der RMV-10-Minuten-Garantie dient dem Missbrauchsschutz.« So sei es bspw. beim Einscannen einer Fahrkarte möglich, durch ein Bildbearbeitungsprogramm das Datum anzupassen, sagt Meyer.

Im Schäfers Fall mache das Unternehmen nun eine Ausnahme – »aus einmaligen Kulanzgründen« könne er seine Fahrkarte bei der Pressestelle einreichen.

Für Schäfer ist das Problem damit aber nicht aus der Welt: »Wer zahlt das Porto?«, fragt er. Meyer von der Pressestelle antwortet: »Das ist ein Angebot, das sehr entgegenkommend ist, wir werden weitergehende Kosten wie Porto nicht übernehmen.«

Info

Die "RMV-10-Minuten-Garantie"

Kommt ein RMV-Kunde mehr als zehn Minuten zu spät an seinem Ziel an, kann er das Fahrkartengeld zurückfordern. Gleiches gilt, wenn der Zug ausfällt. Wie Maximilian Meyer von der RMV-Pressestelle ausführt, stehen im Fall von Manfred Schäfer »die gesetzlichen Fahrgastrechten im Schienenverkehr sowie die freiwillige und in dieser Form deutschlandweit einmalige RMV-10-Minuten-Garantie offen«. Diese sei bereits im ersten Jahr (Juni 2017 bis Juni 2018) rund 600 000 Mal von Kunden in Anspruch genommen worden. Insgesamt zeige sich eine weiter steigende Tendenz. Der RMV, ein Zusammenschluss von 15 Landkreisen und 11 Städten und eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die mit öffentlichen Geldern arbeitet, zahlt im Falle der Rückerstattung das Geld in seinen Mobilitätszentren unter Vorlage der Originalfahrkarte aus. (sda)

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