09. August 2018, 10:00 Uhr

Beschwerden

Postzustellung in Assenheim: Wenn der Postmann keinmal klingelt

Die Postzustellung in Assenheim und anderen Kommunen in der Wetterau sorgt für großen Ärger. Nun meldet sich das Unternehmen selbst zu Wort.
09. August 2018, 10:00 Uhr
In Assenheim bekommen Anwohner ihre Briefe bisweilen gebündelt, weil der Zusteller nicht mehr täglich kommt. (Foto: Nici Merz)

Und täglich grüßt das Murmeltier«, schrieb eine verärgerte Postkundin aus Assenheim kürzlich auf Facebook. Denn mittlerweile sei es Usus, dass einer nicht mehr täglich grüßt: und zwar ihr Postbote. »Ich hatte es nun zweimal, dass Pakete nicht zustellbar waren, weil ich angeblich nicht da war – obwohl ich zu Hause war.« Andere stimmen ihr zu: »Ich kenne das auch. Zettel eingeworfen und nicht mal geklingelt.« Früher seien die Päckchen wenigstens noch beim Nachbarn abgegeben worden. Bei Briefen sei es ähnlich. Tagelang lägen keine im Briefkasten, plötzlich dann gleich mehrere.

Ich kenne das auch. Zettel eingeworfen und nicht mal geklingelt

Verärgerter Postkunde

Nun hat die Post nicht nur in Niddatal Probleme, ihrem gesetzlichen Auftrag zur Briefzustellung an jedem Werktag nachzukommen. Auch aus vielen anderen Kommunen – meist im ländlichen Raum – gibt es Beschwerden. Zuletzt hatten sich in der Wetterau die Kommunalpolitiker in Florstadt und Rosbach offiziell beim Konzern beschwert. Auch Niddatals Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel hat schon schlechte Erfahrungen gemacht – sowohl privat als auch beruflich. »Wir wurden schon über mehrere Tage nicht bedient.« Für eine Stadtverwaltung, die Fristen einzuhalten habe, sei eine pünktliche Zustellung aber essenziell.

In Assenheim kam aktuell eine weitere Problematik hinzu. Denn die Stadt hatte ihr Postfach in der Bäckerei gegenüber der Verwaltung, die auch einen Postservice anbot. Nun gibt es einen Betreiberwechsel. Der alte Laden ist zu, am 18. August will die Bäckerei und Konditorei Ulrich aus Dorheim eine neue Filiale mit Café und Postservice (wenn auch eingeschränkt) eröffnen. »Wir haben buchstäblich stundenlang telefonieren müssen, um eine Lösung zu finden«, berichtet Hertel. Die Post habe der Stadt versprochen, ein Postfach in der Filiale in Ilbenstadt einzurichten – dort aber wusste man zunächst von nichts.

 

Früher undenkbar

 

»Früher wurde mehr Wert auf Qualität gelegt«, sagt eine ehemalige, langjährige Zustellerin aus Niddatal, die anonym bleiben möchte. Auch sie erhalte Briefe bisweilen erst Tage später – dann gebündelt. »Es bleibt so viel liegen. Früher wäre das undenkbar gewesen.« Ihre »Hörzu«, die donnerstags erscheint, bekomme sie oft am Samstag.

Mit den heutigen Zustellern könne man dennoch nur Mitleid haben, meint die frühere Post-Angestellte. Sie unterhalte sich öfter mit den Boten vor der Haustür. Zwar sehe sie stets neue Gesichter (»Die Fluktuation beim Personal ist immens«), aber alle würden sie über die eng bemessene Zeit jammern – von der Bezahlung ganz zu schweigen. Mancher Zusteller ist deshalb offenbar dazu übergegangen, Familienmitglieder oder Bekannte anzuheuern, um die übriggebliebenen Briefe zu verteilen, hat sie beobachtet.

Die Post hat Probleme für Niddatal eingeräumt. Von den drei Stammzustellern seien zuletzt zwei ausgefallen. »Wir haben Studenten als Aushilfen eingesetzt. Die mussten natürlich erst ihren Rhythmus finden«, sagt ein Post-Sprecher der WZ. Mittlerweile gebe es »keine Rückstände mehr«, sagt er zum Vorwurf, Briefe würden nicht mehr jeden Werktag zugestellt. Den »Trick« der Paketzusteller, nicht zu klingeln, sondern gleich einen Zettel einzuwerfen, kennt man. Daher habe die Post den organisatorischen Aufwand hier bewusst erhöht. »Es kostet den Zusteller mehr Zeit, eine Benachrichtigung zu schreiben, als das Paket auszustellen.«

Info

Klassisches Geschäft schrumpft

Mit der zunehmenden Digitalisierung schrumpft auch das klassische Privatbriefgeschäft. E-Mails, WhatsApp und Facebook werden immer wichtiger. Den überwiegenden Teil des Briefgeschäfts macht die Post mit Geschäftskunden. Nur rund 15 Prozent des Sendungsvolumens entfallen auf Privatkunden. Andererseits ist das Unternehmen als Universaldienstleister gesetzlich verpflichtet, an jedem Tag Briefe flächendeckend zuzustellen. Die Post hat mehrfach betont, dass sie sich an diese Rechtslage halte. Mit dem halbjährigen Pilotprojekt habe man lediglich prüfen wollen, ob es unter den Postkunden einen verstärkten Wunsch nach einer eingeschränkten Zustellung gebe. (dpa)

 

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