03. August 2018, 14:00 Uhr

Mitfahrbank

Per Anhalter durch die Wetterau

Schon mal jemanden auf einer gelben Bank in Ober-Hörgern sitzen sehen? Wenn dort jemand sitzt, will er mitgenommen werden. Das Prinzip ist einfach, aber nicht ganz unproblematisch.
03. August 2018, 14:00 Uhr

Die Autos fahren sowieso – jeden Tag und in großer Zahl. Von Münzenberg kommend Richtung Westen sind es unzählige, die täglich den kleinen Durchgangsort auf der L 3053 passieren. Manche wollen nach Butzbach, manche in einen Supermarkt nach Gambach. Wenn sie also ohnehin die Strecke nehmen, wieso nicht jemanden mitnehmen, der das selbe Ziel hat? Diese Idee liegt der seit drei Wochen aufgestellten Mitfahrbank zugrunde. Eine gelbe Bank, direkt an der Straße, darüber ein gelbes Schild mit schwarzen Buchstaben: »Mitfahrbank Gambach/Butzbach«.

 

Wenige Busverbindungen

 

Das Prinzip ist einfach: Wer auf der Bank sitzt, signalisiert: »Ich will mit.« Wer vorbeifährt, kann halten und den »Anhalter« einsteigen lassen.

Die Idee kommt aus dem Saarland: Dort hat der Ortsvorsteher von Ober-Hörgern, Lothar Düringer, zum ersten Mal eine Mitfahrbank gesehen; wenig später kam auch ein Bericht dazu im Fernsehen. Der Ortsvorsteher dachte sich: Was im Saarland funktioniert, funktioniert bestimmt auch in Ober-Hörgern, zumal: »Die Busverbindungen sind nicht so üppig.« Zwar fährt jede Stunde ein Bus nach Butzbach (morgens auch mehr), aber um 20.07 Uhr ist Schluss, da fährt der letzte. Samstags fahren weniger Busse nach Butzbach, sonntags insgesamt nur drei: einer um kurz nach 10, der nächste um 14.07 Uhr, der letzte vier Stunden später.

 

Problem: Anwohnerparken

 

Ob das Mitfahr-Prinzip funktioniert, lässt sich noch nicht beurteilen, sagt Düringer. Dafür stehe die Bank noch nicht lange genug an der Ortsdurchfahrt – übrigens nur wenige Meter hinter der Bushaltestellle. Allerdings gibt es bereits ein Problem: Wer durch den Ort fährt, wird nur schwer sehen, ob jemand dort sitzt oder nicht – die Bank ist die meiste Zeit zugeparkt. Vor allem Anwohner nutzen den Parkstreifen an der Hauptstraße, wie der Ortsvorsteher berichtet. Damit sich das ändert, soll eventuell ein Parkverbot vor der Bank eingeführt werden, sagt die Münzenberger Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer.

 

Problem Parkplatz

 

Das kommt allerdings nicht bei allen gut an. Einer der Anwohner fragt, ob das mit der Bank wirklich sein muss. »Es fährt doch jede Stunde ein Bus.« Seine Frau allerdings hat einen Kompromissvorschlag: Die Familie wohnt auf der gegenüberliegenden Seite, direkt an der Straße. Täglich rasten die Autos durch den Ort, für die Kinder sei das sehr gefährlich Ihre Frage daher an die Bürgermeisterin: Wieso nicht einfach Parkflächen auf der Straße ausweisen – so, dass die durchfahrenden Autos zum Bremsen gezwungen werden.

 

Rückfahrt selbst organisieren

 

Das sei schwierig, entgegnet Tammer. Da es sich um eine Landesstraße handelt, ist die Stadt nicht zuständig. Und vonseiten der Behörde Hessen-Mobil heiße es bisher, dass verkehrsberuhigende Maßnahmen dort nicht notwendig seien.

Wie auch immer sich das Parkproblem lösen wird: Die Mitfahrbank steht am Ortsrand Richtung Gambach und wartet auf Mitfahrer. Wenn das Konzept aufgeht, wird es vielleicht auch ein Gegenstück von Gambach nach Ober-Hörgern geben. Denn bisher sind die Mitfahrer noch darauf angewiesen, den Rückweg zu organisieren, statt sich auf die Bank zu setzen.

Meinung

Unkompliziert

Es kann manchmal ganz einfach sein: Zig Autos fahren täglich aus Richtung Münzenberg nach Gambach oder Butzbach – wieso also nicht einfach jemanden einsteigen lassen, der ohnehin in dieselbe Richtung will? Das Prinzip Mitfahrbank ist unkompliziert und kostet kaum Geld – weder die Fahrer noch die Kommunen, die die Bänke aufstellen können. Gerade im ländlichen Raum, in dem man ohne Auto auf nicht immer optimale Busverbindungen angewiesen ist, sind Mitfahrbänke eine gute und einfache Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

 

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