22. August 2018, 20:00 Uhr

Bürgermeisterwahl

Paukenschlag in Rosbach: Thomas Alber tritt erneut an

Ob er ein Masochist sei, wird Thomas Alber gefragt. Der vielkritisierte Rosbacher Bürgermeister lacht nur. Gerade hat er der WZ verkündet: »Ich trete bei der Bürgermeisterwahl am 28. Oktober an.«
22. August 2018, 20:00 Uhr

Von David Heßler , 1 Kommentar
Kehrtwende: Bürgermeister Thomas Alber tritt nun doch für eine zweite Amtszeit an. Das hatte er im WZ-Interview vor einem Jahr noch ausgeschlossen.

Paukenschlag in Rosbach: Amtsinhaber Thomas Alber stellt sich zur Wiederwahl. Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl endete am Montag, 18 Uhr. »Ich habe um 17.50 Uhr meinen unterschriebenen Wahlvorschlag eingereicht«, verrät Alber der WZ. Ein Schnellschuss sei das aber nicht gewesen. »Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht.« Nicht wenige Bürger hätten ihn in den vergangenen Monaten angesprochen und zum Weitermachen ermutigt – dabei hatte Alber im WZ-Interview vor einem Jahr noch deutlich gemacht, er werde nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Seine Worte damals: »Die Zeit ist reif für eine Veränderung.« Seine Entscheidung sei endgültig.

 

Auf Konsenskandidaten gehofft

 

Nun heißt es: »Ich gucke nach vorne.« Ausschlaggebend für Albers Kehrtwende sind seiner Aussage nach auch die anderen Bewerber: »Da ist aus meiner Sicht keiner dabei, der deutlich genug sagt, dass Rosbach den Weg der vergangenen sechs Jahre weitergehen soll.« Alber sieht sein politisches Erbe in Gefahr, scheint es. Er habe noch zu Jahresbeginn auf einen Konsenskandidaten gehofft, der mit breiter Unterstützung die »geleistete Aufbauarbeit der vergangenen Jahre« fortführt. Stattdessen warfen vier Kandidaten ihren Hut in den Ring: Für die den unabhängigen Vertreter Christian Thiel hat sich bisher keine Partei ausgesprochen; der parteilose Christoph Käding wird von der »Stimme RosbachRodheim« unterstützt. Die FDP schickt Hans-Otto Jacobi ins Rennen, die CDU wirbt für Steffen Maar, die SPD hält sich heraus und verzichtet auf eine Empfehlung.

 

Neue Mehrheiten gesucht

 

Das Bündnis aus SPD, FWG und »Stimme«, mit dem der parteilose Alber in die aktuelle Wahlperiode gegangen war, gibt es nicht mehr. Entscheidungen fällt jede Fraktion für sich alleine. Eine Richtung ist nicht zu erkennen. Es brauche aber eine breite Mehrheit, um die Stadtentwicklung voranzutreiben, sagt Alber. Er traut sich offenbar zu, diese Mehrheit hinter sich zu bringen – gerne auch mit wechselnden Partnern. »Mir geht es um Sachpolitik.« Der 48-Jährige verspricht sich Impulse von personellen Veränderungen bei der bisherigen »Alber-Opposition« um CDU, FDP und Grüne, nennt explizit den neuen FDP-Vorsitzenden Jörg Werner oder CDU-Magistratsmitglied Stephan Schmidthals als »Hoffnungsträger, mit denen man Dinge bewegen kann«. Klar sei aber auch: »Ich werde immer meine Meinung äußern.«

Wer keine Entwicklung Rosbachs mehr möchte, sollte mich besser nicht wählen

Thomas Alber

 

Gegenwind wird Alber so oder so bekommen: Nicht wenige in Rosbach halten die Geschwindigkeit, mit der die Stadt derzeit expandiert, für zu hoch. »Ich kann nachvollziehen, dass man das Wachstum als rasant empfindet. Aber vor sechs Jahren gab es überhaupt keine laufende Entwicklung«, erinnert Alber. »Wir müssen akzeptieren, dass wir uns im Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main befinden. Davon profitieren wir. Aber wir müssen mitwachsen, damit wir nicht die negativen Effekte dieser Entwicklung spüren, beispielsweise hohe Mieten«, verteidigt der Bürgermeister die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete. Und betont: »Wer keine Entwicklung Rosbachs mehr möchte, sollte mich besser nicht wählen.«

 

Mehr Raum für die Natur

 

Doch auch Alber scheint die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung vernommen zu haben. Eines seiner Ziele für eine mögliche zweite Amtszeit sei die Schaffung »wohnortnaher Naturräume«. »Dieser Baustein fehlt uns noch in der Stadt.« Zudem gelte es, das Gewerbegebiet in den nächsten Jahren umzustrukturieren, den ÖPNV zu fördern und neue Radwege anzulegen. Er stehe für eine zukunftsorientierte Politik. »Ich mache den Bürgern das Angebot, den eingeschlagenen Weg mit mir weiterzugehen.« Er habe in den sechs Jahren genug angestoßen, um bei der Mehrheit der Bürger positiv anzukommen, ist er überzeugt.

Die erste Amtszeit von Thomas Alber endet am 16. März 2019. Er hatte nach eigener Aussage eine Tätigkeit in Aussicht, die in Richtung Sportökonomie (sein Zweit-Studiengang) ging. Die bisher verfolgten Zukunftspläne werde er im Falle einer Wiederwahl aber zurückstellen.

Meinung

Was hat ihn bloß geritten?

Nun also der Rücktritt vom Rücktritt. Was mag Thomas Alber da bloß geritten haben? Kommunalpolitisch hat der 48-Jährige jegliches Vertrauen verspielt. Viel Porzellan ist zerschlagen worden. Der Parteilose, der mit der Unterstützung von SPD, Freien Wählern und »puR« in seine erste Amtszeit startete, steht mittlerweile isoliert da. »puR« existiert nicht mehr; von den Freien Wählern hieß es vor einem Jahr, ein Verbleib Albers im Amt sei nicht erwünscht. Und die SPD, die ihm den Wunsch nach einer vorgezogenen Abwahl ausschlug, geht seitdem auf Distanz zum Rathauschef, dessen bisher formulierte Ideen für die Stadt (Verkauf des Alten Rathauses, Gewerbepark an der Rodheimer Dickmühle, Neubau des Freibads) in schöner Regelmäßigkeit zerpflückt wurden – was sicher auch zum Teil an der Person Thomas Alber liegt. Was also mag ihn geritten haben? Vielleicht die Überzeugung, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung wenig für kommunalpolitische Scharmützel interessiert. Und dass er Menschen von sich überzeugen kann, wie Alber im Wahlkampf 2012 bewiesen hat. Nur muss er sich jetzt an seinen Taten messen lassen. David Heßler

 

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