27. März 2017, 11:34 Uhr

Projekte bis 2030

Ortsumgehung (un)erwünscht

Im Bundesverkehrswegeplan sind etliche Straßenprojekte für die Wetterau beschrieben, die bis spätestens 2030 verwirklicht werden sollen. Nicht alle davon sind erwünscht.
27. März 2017, 11:34 Uhr
Land auf, Land geht es um Baustellen - und Ortsumgehungen, so wie hier in Wöllstadt. (Archivfoto: sda)

Ossenheim: Für die Friedberger Kommunalpolitik ist der Bau der B 275-Ortsumgehung Ossenheim durchaus ein »vordringlicher Bedarf«, wie es im Bundesverkehrswegeplan heißt. Allerdings nicht mit der vorgeschlagenen Trassenverlauf. Die Ortsumgehung soll das Ossenheimer Wäldchen vom Ort abschneiden. »Das lehnt der Magistrat ab«, sagt Bürgermeister Michael Keller. »Wir brauchen die Entlastung von Ossenheim, aber nicht so.« Die Landwirte hätten durch die Ortsumgehungen Friedberg-West und Dorheim rund 100 Hektar Ackerland verloren. Auch die Ortsumgehung Ossenheim führe »durch erstklassiges Ackerland und eine hochsensible Auenlandschaft«. Das gelte es zu beachten. Friedberg wartet nun auf Vorschläge für eine andere Trasse.

 

Florstadt: Ähnlich sieht es in Florstadt aus. Bürgermeister Herbert Unger (SPD) hält die B 275-Umfahrung für Nieder-Mockstadt für wichtig – noch eher als die für Ober- und Nieder-Florstadt, wo man ohnehin einen anderen Trassenverlauf favorisieren würde. Er glaubt zwar nicht, dass die Straße innerhalb der nächsten sieben Jahren gebaut wird, hat sich aber dennoch dafür eingesetzt, dass beide Projekte in der Prioritätenliste hochgestuft wurden. Man wisse ja nie. Gut möglich, dass die Ortsumgehung gar nicht nötig wird, wenn eine Lkw-Maut für Bundesstraßen kommt. »Die Mautpreller sorgen für den meisten Verkehr«, sagt Unger.

 

Altenstadt: Erste Anstrengungen für eine Ortsumgehung gab es in Altenstadt schon Anfang der 80er Jahre. Nun dauert es wirklich nicht mehr lang: Sobald das hessische Verkehrsministerium grünes Licht gibt, will Hessen Mobil mit der konkreten Planung beginnen. Schon im Sommer könnte es soweit sein. Die Trasse soll südlich von Altenstadt verlaufen. Mit gravierenden Änderungen sei nicht mehr zu rechnen, sagt Bürgermeister Norbert Syguda. Naturschutz, Baugrund, Boden, Lärmschutz – alles ist schon überprüft worden. Die meisten Altenstädter freuen sich: Beim Bürgerentscheid Ende 2014 sprach sich eine deutliche Mehrheit für den Bau der Ortsumgehung aus. Naturschützer sind nach wie vor dagegen. Auch einige Geschäftsleute in der Ortsdurchfahrt, der Vogelsbergstraße, sind nicht begeistert, weil sie Einnahmeeinbußen befürchten.

 

Butzbach: Vier Kilometer soll sie lang sein, nördlich von Griedel beginnen und an der B 3 südlich von Pohl-Göns enden. Zudem soll die B 3a an die A5 angebunden werden. Und, heißt es vonseiten der Stadt Butzbach: Die Nordumfahrung soll dafür sorgen, dass 50 Prozent der Stadtstraßen entlastet werden. Die Umgehung ist im »vordringlichen Bedarf« eingestuft. Doch in Butzbach regt sich Widerstand gegen die Straße, die Bürgerinitiative »Butzbach bewahren – keine B3a« hat sich gegründet. Deren Mitglieder glauben, dass die Umgehung nutzlos sei. Auch Naturschützer wehren sich: Sie sagen u.a., wertvolle Flächen gingen dadurch verloren. Die Butzbacher Grünen sowie die Naturschutzgruppe Pohl-Göns kritisieren, dass auch Ackerböden versiegelt werden müsste und die Existenz von Landwirten auf dem Spiel stünde.
 

Die Ortsumgehung Wöllstadt und jene für Büdingen-Büches werden derzeit gebaut. Weitere sollen bis 2030 hinzukommen; ebenso der vierspurige Ausbau der A 5 bis Rosbach samt Verbreiterung der B 455. Ortsumgehungen wie jene für Ilbenstadt und Kaichen stehen im "weiteren Bedarf" und haben vorerst kaum Chancen auf Verwirklichung. (MDV-Grafik: J. Engel)


Ober-Mörlen: Auch hier steht die B 275-Umfahrung im »vordringlichen Bedarf« – als Projekt im »weiterer Bedarf« wäre sie für die nächsten Jahrzehnte praktisch chancenlos gewesen. Die Ortsdurchfahrt ist mit täglich über 10 000 Fahrzeugen stark belastet. Der Verlauf einer Umgehung hängt aber von den Plänen für den vierspurigen Ausbau der A5 sowie den möglichen Neubau der Raststätte abhängig. Es bleibt spannend.

 

Karben: Vor 20 Jahren fand ein Bürgerbegehen zum Weiterbau der B 3 statt, bei dem sich eine Mehrheit für den Weiterbau und eine weitere Umfahrung von Okarben ergab. Die damalige SPD-Regierung ignorierte den Entscheid und baute stattdessen in Petterweil das Naturschutzgebiet aus. Die Planer sahen insgesamt acht verschiedene Trassen vor, wie die Straße, die jetzt in Kloppenheim endet, bis an die neue Umfahrung Wöllstadt herangebaut und angeschlossen werden kann. Die politischen Lager sind nach wie vor gespalten, die Straße ist aber noch im vordringlichen Bedarf«. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) beabsichtigt, Ende des ersten Halbjahres die Fraktionsspitzen zu einem Gespräch bezüglich Fortführung der B 3 in Karben einzuladen. »Ziel ist es, in 2017 eine aktualisierte Beschlussfassung zum B 3-Weiterbau zu erreichen, die möglichst von einer breiten Mehrheit getragen wird.« Details hierzu können aber erst nach Beratung mit allen Fraktionen mitgeteilt werden.

Auch sei zu berücksichtigen, dass es im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses »Karben gemeinsam entwickeln« sicherlich Vorschläge hierzu geben könnte, welche man bei der Entscheidungsfindung einbeziehen wolle. Rahn: »Aber bis zum Jahresende soll hier eine Entscheidung fallen.«

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