04. September 2018, 08:00 Uhr

Kontaktlos Bezahlen

Ohne PIN und Unterschrift: Wie gut funktioniert kontaktloses Bezahlen?

An der Kasse mit der Karte zu bezahlen, ist ein normaler Vorgang. Dass dies auch kontaktlos geht, wissen die Wenigsten. Das beweist auch der Test in der Bad Nauheimer Innenstadt.
04. September 2018, 08:00 Uhr
Karte vor das Lesegerät halten, fertig. Kontaktloses Bezahlen ist einfach und schnell. Noch fühlt es sich ungewohnt an, aber immer mehr Kunden nutzen die Technik . (Foto: Nici Merz)

Mit Karte, bitte«, sagt ein Mann an der Kasse. Die hinter ihm wartenden Kunden verdrehen die Augen. Karte ins Lesegerät stecken, Pin eingeben oder Quittung unterschreiben – das dauert. Doch nichts davon passiert. Die Karte kurz auf das Terminal gehalten, fertig. Kontaktloses Bezahlen mit der Bankkarte oder dem Handy ist die schnelle Lösung an der Kasse. In der Wetterau scheint die Technik noch eher unbekannt zu sein. Das wird beim Test der WZ in Bad Nauheimer Geschäften deutlich. Doch wie funktioniert das Ganze überhaupt?

 

Karten mit NFC-Technik ausgestattet

Auf den neuesten Giro- und Kreditkarten ist ein auf die Seite gedrehtes Wellensymbol aufgedruckt, das aussieht wie ein . Diese Karten sind mit der NFC-Technik ausgestattet (siehe Infokasten). Wird die Karte dicht an das Lesegerät gehalten, löst es den Bezahlvorgang aus. Nach Schätzungen des Handelsinstituts EHI sollen bis Jahresende bundesweit 75 Prozent der Händler kontaktloses Bezahlen ermöglichen.

Auch das Smartphone wird so zum Portemonnaie. Die Sparkasse Oberhessen und die Volksbank Mittelhessen bieten ihren Kunden mit Android-Handys das digitale Bezahlen an. Laut den Instituten ist die neue Technik an der Kasse auf dem Vormarsch. »Jede zehnte Bezahlung unserer Kunden ist kontaktlos, Tendenz steigend«, sagt Dominik Kuhn, Pressesprecher der Sparkasse Oberhessen. Bei der Volksbank Mittelhessen werden »30 Prozent der Bezahlvorgänge unserer Kunden kontaktlos durchgeführt. In der Wetterau nutzen rund 600 Kunden die Smartphone-App zum Bezahlen. Die Zahlen steigen schnell«, sagt Dennis Vollmer, Pressesprecher der Volksbank Mittelhessen. Apple sträubt sich derzeit noch, die jeweiligen Apps in den eigenen Store aufzunehmen. Schließlich hat der US-Konzern mit ApplePay eine eigene Lösung für das digitale Bezahlen auf dem Markt.

 

Wenig Vertrauen in die Technik

Hört man sich im Einzelhandel um, scheint es, als wären es die Kassierer, die das kontaktlose Bezahlen bekannt machen. Will ein Kunde eine Karte mit der Kontaktlos-Funktion in den Schlitz stecken, zeigen ihm die Kassierer, dass es auch einfacher geht. »Die Karten halten wir meistens kurz an. Viele Kunden wissen nicht, dass das funktioniert. Mit dem Handy zahlen die wenigsten. Die Leute scheinen bei diesem Thema nicht aufgeklärt«, sagt eine Mitarbeiterin der Bad Nauheimer Rossmann-Filiale.

Oder sie trauen der Technik nicht. Bis zu einem Wert von 25 Euro ist keine Verifizierung notwendig. Berichte, dass mit wenig Aufwand Kartendaten auslesbar seien, sorgen für Verunsicherung. Da die Karten permanent funken, könnten Daten auch ausgelesen werden, wenn sich die Karten im Portemonnaie in der Hosentasche befinden, sofern Betrüger nah genug herankommen. »Alltagspraktisch ist das kein realistisches Betrugsszenario. Schon eine zweite Karte mit Kontaktlos-Funktion oder auch Kleingeld im Portemonnaie behindern das Auslesen von Daten aus einer Karte«, sagt Kuhn. Wer sichergehen möchte, kann mit speziellen Plastikhüllen die Funkverbindung der Karte abschirmen.


Abrechnungen regelmäßig prüfen

Verbraucherschützer raten, Abrechnungen regelmäßig zu prüfen. Wer die Kontaktlos-Funktion deaktivieren möchte, kann dies bei seiner Bank beantragen. Übrigens ist es auch bei gewöhnlichen Kartenzahlungen möglich, dass Betrüger sich in die Netzwerke hacken, über welche die sensiblen Daten übermittelt werden. Zurzeit ist es schwierig einzuordnen, ob die Technik sich durchsetzen wird. Verbraucher können bei einer Umfrage auf der Homepage der Verbraucherzentrale ihre Erfahrungen mitteilen. Davon erhofft man sich erste Erkenntnisse.

Die Ergebnisse beim Praxistest sind durchwachsen. In zwei von drei Bad Nauheimer Supermärkten funktioniert die Technik nicht, am Ende stecken wir die Karte wie gewohnt in den Schlitz. PIN-Eingabe oder Unterschrift, entschuldigender Blick in die Schlange. In der Drogerie klappt es dagegen einwandfrei, das Mittagessen aus dem Bistro wird auch kontaktlos bezahlt. Ohne PIN-Eingabe oder Unterschrift auf der Quittung fühlt es sich trotzdem komisch an.


Der Tag wird kommen

Beim morgendlichen Gang zum Bäcker ist das Bargeld aber auch zukünftig dabei. Denn irgendwie fühlt es sich albern an, seine Laugenweck kontaktlos mit der Karte zu bezahlen. Dabei machen es viele Nationen vor, dass es schnell und zuverlässig funktioniert. Und auch in der Wetterau wird der Tag kommen, an dem die Brezel auf der Kartenabrechnung auftaucht.

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